Über 'Ashura | 2 Hadithe

Imam al-Ridha [a.s.] sagte: "Derjenige, für den der Tag von Aschura ein Tag der Tragödie, der Trauer und des Weinens ist, dem wird Allah der Allmächtige, der Glorreiche, den Tag der Auferstehung zu einem Tag der Freude und des Glücks machen."
 
(Quelle: Bihar al-Anwar, vol. 44, pg. 284)


Alqamah bin Mohammed ibn Hazrami [r.a.] überliefert: "Ich bat Imam Baqir mir ein Bittgebet zu lehren, welches ich am Tage von Aschura nach der Rezitation von der Ziyarat von Imam Hussein
[a.s.] rezitieren soll - sowohl in der Nähe seines [a.s.] Grabes, als auch aus der Ferne. Der Imam [a.s.] erwiderte: 'O Alqamah, wann immer du Ziyarat von Imam Hussein [a.s.] rezitieren möchtest, verrichtest du zunächst zwei Gebetsabschnitte. Dann drehst du dich zum Grab von Imam Hussein [a.s.] und sagst zunächst "Salam" und dann "Allahu akbar". Danach rezitierst du diese Ziyarat [Ziyarat Aschura]. Wenn du dies tust, ist es so, als ob du das Bittgebet rezitiert hast, das von den Engeln verlesen wird, während sie das Grab von Imam Hussein [a.s.] besuchen. Darüber hinaus, wenn du diese Ziyarat rezitierst, dann

a) wird Allah deinen Rang um das Zehnfache erhöhen
b) wirst du unter jene Menschen gereiht, die als Märtyrer an der Seite von Imam Hussein [a.s.] starben
c) wirst du am Tage des jüngsten Gerichts zu den Märtyrern gehören
d) wirst du die Belohnung aller Propheten [a.s.] erhalten, die das Grab von Imam Hussein [a.s.] vom Tage seiner Ermordung bis heute besuchten."

Daraufhin rezitierte der Imam [a.s.] Ziyarat Aschura für Alqamah [r.a.].

(Quelle: Kaamil al-Ziyaarat, Ibn Qoolwayh, Ch. 71, p. 194)

 Baba Rexheb [q.s.] am Ashura-Tag (Taylor, 1950)

Auf dem Berge Tomor mit Ahmet Myftar Dedebaba [q.s.] (Albanien, 'Ashura 1951)

Heute ist 'Ashura

Ya Hussain!!...

Bektashi-Litaneien zu Muharram

Im Folgenden sind Dhikr-Praktika's für den Wanderer des Bektashi-Pfades aufgelistet.
Diese erstrecken sich über die ersten zehn Tage des Monats Muharram. Dabei wird an jedem Tag ein Name Gottes erwähnt. (Mit Ausnahme des 5. Tages. Da wird ein Segensgruß "salawat ausgesprochen)
Die Anzahl der Erwähnungen sind äquivalent zu dem numerischen Gegenwert der heiligen Namen.

Zum Beispiel:
Der Name "Allah" setzt sich zusammen aus den Buchstaben
Alif = 1 + 2xLam = 60 + Ha = 5 -> 66



1.Tag Ya Allah (66x)

2.Tag Ya Hafiz (989x)

3.Tag Ya 'Ali (110x)

4.Tag Ya Khafi (111x)

5.Tag Allahumma Salli ala Muhammad wa Ali Muhammad (132x)

6.Tag Ya Basit (72x)

7.Tag Ya Razzaq (380x)

8.Tag Ya Salam (131x)

9.Tag Ya Wadud (20x)

10.Tag Ya 'Aziz ( 94x)

Video | Caravan of Pride

Muharram 1432 | Ya Hussain!!

Sehr geehrte Leser und verehrte Anhänger der Ahl-a-Bait [a.s.],

nun ist es wieder soweit: der Monat Muharram ist wieder angebrochen.
Die Passion des Enkelkind des Gottgesandten [s.] Imam Hussain [a.s.] stellt hierbei das zentrale Geschehen dar.

Eine Zeitdauer von gemischten Gefühlen...

Zum einen Trauer, und zum anderen aber auch tiefere Erkenntnistheorien (die Praxis manifestierte sich in Kerbela!).
Was wir vorab sagen können, ist, dass Kerbela eine Schule der Metaphysik und Imam Hussain ein großer Meister dessen ist.

So Gott will, werden wir hier versuchen darzustellen, wie die Sichtweise der Mystik speziell zu diesem Thema sein könnte...

Ya Imam - Ya Hussain!!

Ghadir Hum | Festtagsgeschenk / Baba Rexheb

Liebe Leser,

nach langer Abstinenz möchten wir uns anlässlich des "Ghadir-Fest's", welches wie ein Licht inmitten des "dunkeln Novembers" leuchtet, melden.

Zum jeweiligen Thema aus unserem Archiv:
Hz. Ali b. Abu Talip [a.s.]
Das Fest von Ghadir Hum

Allen Anhängern der Ahl-al-Bait [a.s.] ein gesegnetes Fest. Möge uns die tatsächliche Bedeutung des Übergangs von der Prophetenschaft (nubuwwah) zur Meisterschaft (walayah) uns zuteil werden.

Anlässlich dieses Festtags, möchten wir hier unseren verehrten Lesern ein kleines Geschenk darlegen:

Optische Täuschungen


Man kennt das ja,

Manipulierte Bilder und Fotos, die dem Betrachter widersprüchliche Ansichten / Objekte suggerieren.

Was sieht man oben? Ein relativ unschönes Gesicht. Bei genauer Betrachtung jedoch:


Der "beste Freund des Menschen" bei einem gemütlichen Schläfchen...

Um jetzt mal einen abrupten Einschnitt zu machen: der Sufismus hat die Unfähigkeit des Auges gewisse Wahrheiten nicht erkennen zu können stets betont. Wohl hingegen ist die Funktion des Ohres von eherer Bedeutung. Der Heilige Qur'ân beinhaltet zahlreiche Verse*, die die Unfähigkeit vieler Menschen in Bezug auf das Erkenntnisvermögen in Zusammenhang mit dem Hören erklärt.

So steht z.B. in Sura Ta-Ha, Vers 13:"Und ich habe dich auserwählt. Höre was geoffenbart wird!"

Oder in Sura Nûh, Vers 7:
"Wenn immer ich sie aufrief, damit Du ihnen vergibst, steckten sie ihre Finger in ihre Ohren und verhüllten sich in ihren Kleidern und verharrten im Eigensinn und verhielten sich hochtrabend."

Sura A'râf, Vers 204:"Und wenn der Qur'ân verlesen wird, so hört zu und schweigt, damit ihr Barmherzigkeit findet." Und in der selben Sura ein edler Vers, welcher es auf den Punkt bringt:
"...Und Ohren haben sie, mit denen sie nicht hören. Sie sind ja wie das Vieh, ja verwirren sich noch mehr."

Während das normale Auge täuschen kann (das Auge des Herzens ist eine andere Sache), ist das Ohr das Organ, welches für Wahrheiten empfänglich ist.

So sprach laut schiitischen Quellen zufolge Gott zu seinem geliebten Gesandten Muhammed [s.a.] mit der Stimme Ali's [a.s.], damit das Herz des Gesandten sich beruhigt, und für die 90.000 Wissenseinheiten** empfänglich ist.

Ein bedeutender Bektashi Pîr unserer Zeit namentlich Ilhâmî Baba Erenler [q.s.] erklärte -so wie uns von Wegesgefährten mitgeteilt wurde-, die Wichtigkeit des Hörens, indem der Baba seine vier Finger zwischen Auge und Ohr auf seine Wange hielt. Dabei erklärte er, dass vier Stufen vorhanden sind (Sharia - Tariqah - Ma'rifah - Haqiqah), welche es zu "erklimmen" gilt, damit das Hören in der Haqiqah "aktiviert" wird.
In der Hoffnung, dass über die Funktion des Hörens ausreichend berichtet wurde, beenden wir diesen Text mit einem Ausspruch von Hz. Mevlânâ Jalal ad-Dîn Rumî:

"Dschan-u dil râ takatî ân tschûsch nîst bakî gûyem der dschian, yek hûsch nîst."

Ungefähr zu deutsch: "Wenn in der Seele und im Herzen keine Kraft vorhanden ist, die die Impulsivitäten der Wahrheit tragen kann, und das Ohr keine Fähigkeit besitzt zu hören... was soll ich denn wem etwas noch erzählen?"

(Ilhamî Baba Erenler [q.s.] 1932-08.12.2009)

* Es wurde die Übersetzung von Max Henning benutzt.
** 90.000 Wissen unterteilt sich laut der alevitischen Lehre in 3 x 30.000 Einheiten in Bezug auf die Sharia, Tariqa und Haqiqah.
Quellen:
What is it?
Fotowelt - Chip.de
semanzen.net (Türkisch)
al-mi'raj (Englisch)

15. Shaban | Geburtstag von Imam Mahdi [a.f.]

Foto (http://smma59.wordpress.com/2006/09/page/24/)

Ohne viele Worte:

anlässlich des Geburtstags des Imam's unserer Zeit:


Ende der Serie über Baba Rexheb [q.s.]

Mausoleum von Baba Rexheb [q.s.] in dem Konvent von Taylor, Michigan

Ein sehr junger Rexheb Ferdî (r.). In der Mitte: Baba Selim Rûhî [q.s.]

Baba Rexheb [q.s.], mit der Schwester Zonja Zejnep Cuci (1993, Taylor, Michigan)



auf dem Weg ins Mausoleum (Michigan); rechts: Baba 'Arshî



Bilder aus bektashi.net und Facebook

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] pt. 7.4 | Der Liebende und der Geliebte sind zusammen

Die Mystiker des Bektaschi Ordens betrachten den Liebenden und den Geliebten fortwährend zusammen. Sie sind eins und können nicht getrennt werden. Sie sind eng verbunden, so wie ein Haupt, welches ohne einen Leib nicht getragen werden kann.
Der Liebende und der Geliebte sind wie Seele und Leib; das eine kann ohne das andere nicht existieren. Andernfalls werden Worte wie „Liebender“, „Geliebte“ und „Liebe“ zu leeren Hülsen.

Das Ziel eines Liebenden ist es den Geliebten zu erreichen. Er gibt alles auf, selbst sein eigenes Bewusstsein, um erfolgreich zu sein. Er wird sein [Ego] so sehr verwelken, so dass er sich unter dem Geliebten ergeben kann. Alle Essenzen und Dualitäten werden verschwinden, auf dass der Liebende und Geliebte eins werden. Dann… das ewige Leben, die höchste Essenz, welches weder Himmel noch Erde umfassen kann, findet seinen Platz in den Herzen des Liebenden. Er, der Geliebte, heiligt jenes Herz und wandelt es für die Gläubigen in eine Ka’bah um. So dass der Liebende in dem Geliebten heranreift.

Shams Tabriz-i erklärt sein Verständnis von Gott, indem er sagt, dass er nicht einen Augenblick länger leben möchte, wenn er wüsste, dass er ohne Gott verweilt.

Der Mystiker Fuzuli (1488-1556) sprach:
„Wenn ich „Ich“ wäre, was wärest dann Du? Ein Liebender?
Wenn Du „Du“ wärest, was wäre dann ich?“

Während der Liebende sich dem Geliebten nähert, beginnt dieser Seine Erscheinung, Seine Farbe und all Dessen Eigenschaften anzunehmen. Nachdem [der Liebende] letztendlich [in Gott] aufgelöst ist, wird er mit Ihm verwandt.

Gott der Allmächtige, welcher absolut unabhängig ist und nichts und niemanden braucht [um zu existieren], da Er die Quelle von allem ist, wird der Liebende von allen Liebenden, so wie er verehrt wird. Der Liebende unterwirft seinen Leib Ihm und übergibt seine komplette Existenz und Gefühle und findet dabei bei Gott Eintritt. Er wird der Besitzer des göttlichen Schatzes und repräsentiert zur selben Zeit sowohl den Liebenden als auch den Geliebten.

Der Poet Nesimi schreibt:
„In den Augen des Liebenden erblickte ich die Augen des Allerbarmers (ar-Rahmân)
Diejenigen, die diese Augen lesen, werden die Worte des Qur’âns finden.“

Wenn der Liebende standhaft ist, wird der Geliebte nicht am Ende des Weges auf ihn warten, sondern gleich zu Beginn seiner
[der Liebende] spirituellen Reise ihm zuwenden.
Der Geliebte wird sein Liebhaber. Und bald wird es keine Unterscheidung mehr zwischen den beiden geben. Kein menschlicher Auge oder Verstand kann dies alles erblicken. [Nur] Gott kennt das, was kein Mensch weiss. Fleisch und Knochen verdecken dem Menschen die Sicht Gottes. Nur das Auge des vollkommenen Menschen ist in der Lage Gott zu sehen.

Hier, wie die mystischen Poeten die Sichtung Gott erleben:

Denke nicht, dass Du ausserhalb von Ihm [Gott] bist
Suche in Dir selbst, dort wirst Du Ihn finden
Er ist sicherlich in deinem Herzen
Suche! Du wirst Ihn dort finden.

Du suchst Gott in Märchen und in Täuschungen
Du wirst Ihn niemals finden
In der Tat, Er ist in dir lebendig

Der Mensch, welcher der König beider Welten ist
Nur er kann Rettung gewähren
Gehe zu ihm und erblicke die Sichtung Gottes
Händige all deine Bedürfnisse ihm aus.

So wird er [wie] der Prophet, der Gesandte und der Heilige. Er wird zu seinem eigenen Gesandten, und es befindet sich niemand anderes ausser Ihm. Ibn al-Arabi spricht:

Du bist nicht Du; Er ist Du und nicht Du [bist Du].
Seitdem er nicht in Dir ist, und Du nicht in Ihm
Ist Er nicht ausserhalb von dir, und Du nicht ausserhalb von Ihm.

Der Poet Nesimi:

Ich bemühte mich Ihn zu erreichen, obwohl [mein] Ich [mein inneres Wesen] Er ist.
Wer auch immer mich von Ihm trennen möchte, versucht [gewiss] das Unmögliche.

So ist der Liebende ein Spiegel in dem alles daherschwindet und weder der Liebende noch der Geliebte verbleiben. Seitdem der Liebende all das was selbstsüchtig ist in sich selbst ablegt, bleibt nichts mehr in ihm übrig ausser der Geliebte.
Wie Imam Ali sagte: „Die Liebe zu dieser Welt zerstreut mit der Zeit. Wahrhaftige Liebe [jedoch] steigt so dass es niemals sich vermindert.“

So wie Seyit Nizam (gest. 1550) spricht:

Entblöße mich von meiner Selbstsucht, Oh Gott! So dass nur Du alleine in mir verbleibst.
Wenn der Mensch auf den Geliebten seines Herzens trifft, versteht er die Göttlichkeit der Liebe.
Ich dachte, dass ich abseits von Ihm sei, jedoch als ich sah und hörte,
Er was er, der Geliebte in mir.

Der Geliebte wurde nirgendwo gesichtet ausser in dem Herzen des Liebenden, des vollkommenen Menschen. Dieser Mensch wird zu [Gottes] Boten, walikullah fi’ ard. Er befindet sich im geistigen Zustand des Haqiqat, denn in seinem Herzen residiert niemand ausser Gott. Solch ein Mensch wird faqir (spirituelle Armut) genannt, denn in seinem Herzen hat er nichts und niemanden ausser Gott. Dies sind die Bedeutung der Worte des Propheten Muhammed: „Die spirituelle Armut ist mein Stolz.“

Dies ist ebenso auch die Bedeutung der wahrhaftigen Ka’bah, der höchsten himmlischen Stufe, welches nur durch fena fillah und beqa billah erreicht werden kann. Es ist die Bedeutung von Nesimi’s Aussage: „Als ich zur Residenz von Gott der 18000 Welten wurde, wurde ich sein Antlitz, ein verborgener Schatz.“

Für den Gläubigen ist der Spiegel ein anderer Gläubiger. Man sollte jenen Spiegel in die Hand und sich selbst und die gesuchte Wirkungskraft erblicken. Der Prophet sprach: „Wer sich selbst erkennt, der hat seinen Herrn erkannt.“

Quellen:
bektashi.net

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt. 7.3 - Der Geliebte

Für die Bektaschiten ist Gott der Allmächtige der Schöpfer des gesamten Universums. Bektaschi Poeten komponierten über die Schönheit der Pracht des Geliebten. Sie fühlen sich Gott näher, als die Augenpupillen dem weissen Augenbereich, oder die Hauptschlagader als dem Genick. Sie nehmen Ihn als König wahr, und lassen ihre Imaginationen auf folgende Weise einen freien Lauf:

„Der Geliebte lebt in den Augen des Liebenden. Gott hat ihn berauscht und sein Herz erobert, so dass der Liebende niemanden ausser Gott erblickt. Sogar im Spiegel erblickt dieser Gott, und nicht sich selbst. Er sieht und fühlt Gott in allem, und im Geliebten sieht und findet er sich selbst. Voller Liebe und durch die Liebe überwältigt, sieht er sich mit Gott vereint.“

Der Liebende fühlt, dass beide –er und der Geliebte- von unendlichem Licht durchdrungen sind, welches über die gesamte Welt scheint wie ein Regenbogen. Die Schönheit des Geliebten bedeckt die Erde, den Himmel und den gesamten Kosmos. Der Geliebte schmückt den Garten des Liebenden Herz’ und füllt es mit süßem Aroma. Es ist eine Liebe, welches nur der Liebende beschreiben kann… auf solch eine Weise, die nur er alleine versteht.

Ein gnostischer Poet nimmt den Geliebten folgendermassen wahr:
„Du veränderst Deine Gestalt und deine Farbe nur um mich zu täuschen, damit ich nicht in der Lage bin die Plätze zu sehen, welche Du verbirgst. Aber trotzdem wirst Du mich niemals verlassen, egal was Du zu tun vermagst.“

Ein anderer Gnostiker spricht:„Vertraue auf Gott und und verfalle nicht in Verzweiflung. Ergebe dich Ihm und ersuche keine selbstsüchtigen Wünsche. Wenn Gott Dich liebt, so befreie dich von Arroganz, und liebe Ihn mit all deiner Kraft… niemanden ausser Ihm.“


Der wahre Geliebte schenkt dem Liebenden größere Freude als das Paradies. Für Sein Angesicht gibt der Liebende alles, was in dieser und in der nächsten Welt existiert, auf.
Er kennt keine andere Freude, außer [gegenüber] dem Geliebten, Gott dem Allmächtigen.

Der berühmte Poet Nesimi (gest. 1417) addressierte Gott: „Lass die gesamte Welt Deins sein, nur Dich als Freund möchte ich.“

Und von den Worten des Propheten (a.s.): „Wer sich selbst kennt, der kennt seinen Herrn.“

Der Poet Naim Frasheri (1846-1900) schrieb:
„Ich suchte überall vergebens um den wahren Gott zu finden. Ich suchte und wusste nicht, dass Er in meinem Herzen inne wohnte.“

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt. 7.2 - Wer ist ein Liebender?

Der Liebende ist eine Person, welcher die Liebe zu Gott in seinem Herzen trägt, und dessen Ziel im Leben die komplette Einigung mit Gott ist. Der Liebender ist beides: sowohl König als auch Untertane; er ist bereit sein Leib um das Angesicht der göttlichen Liebe aufzugeben. Nur diejenigen, die Gott auf die Weise lieben, wie ein Liebender es tut, können jenen verstehen. Er ist lebendig und ewig und hält einen Schatz voller Diamanten im inneren seines Herzens. Er steigt auf wie Salomon; und erlebt wie Imam Husayn einen geistigen Aufstieg und erreicht den Zustand des baqa billah.

Der Liebender ist [innerlich] befüllt von höchster Freude wegen der Liebe Gottes. Er betrachtet die gesamte Sonne als einen einzelnen Lichtstrahl und den gesamten Baum als ein einzelnes Samen. Ein gewöhnlicher Mensch muss seine Finger an das eigene Gesicht nähern, so dass er sie sehen kann, während der Liebende nur durch den Kernstein schon die Frucht erkennt. Er kann es schmecken und riechen. Er kann den Stamm, die Äste, die Blätter und den gesamten Baum erkennen, auch wenn er nur einen einzelnen Samen sieht.

Der menschliche Leib ähnelt einem trockenen Stab. Sobald es durch die Liebe angefasst wird, wandelt es sich in ein Körper mit Kopf und Gliedern; dieser Körper beginnt durch sich selbst zu leben wie der Stab Moses (Friede sei auf ihm). Der authentische Liebender, welcher in dieser göttlichen Liebe verwelkt ist, wird zuerst zu einer gärenden Mischung und wird letztlich zu Brot. Er reinigt den Spiegel seines Herzens vom Staub, und kocht für vierzig Tage im Kessel der Liebe solange er alles [Unreine vom besagten Herzensspiegel] bereinigt und nichts mehr übrig bleibt. Er sieht in diesem Spiegel das, was er zu sehen vermag: den Liebenden oder den Geliebten. Er stattet sich aus mit der Güte der göttlichen Liebe und ist bereit von sich selbst kund zu tun.

Die Gnostiker sehen den Liebenden in der göttlichen Liebe als aufgelöst und nahe dem Thron Gottes verweilend; fana fillah und baqa billah.

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt. 7.1 - Über die Liebe (muhabbet)

Liebe ist der essentielle Kerngedanke im Sufismus, welches von dem Bektaschi Orden angenommen wurde. In Wirklichkeit, ist die Liebe der wahre Grund für die Existenz des Menschen. Dieses Prinzip führen die Bektaschiten sowohl auf den Qur’ân als auch auf die heiligen Aussprüche des Propheten Muhammad zurück:

„Sprich: Falls ihr Allah liebt, dann folgt mir. Dann wird Allah euch lieben und eure Sünden vergeben; denn Allah ist Allvergebend, Barmherzig.“[3:31]

„Derjenige, der Gott liebt und sein Leben für das Angesicht Seiner Liebe opfert, möge ein Märtyrer werden und möge vergeben werden.“ [Hadith-i Sharif]

Wahre Liebe ist die Quelle aller Wirkungskräfte, und der einzige Weg Gott zu erreichen. Geistige Liebe ist die einzige Essenz auf dieser Welt. Es versorgt die Menschen mit wahrer Bedeutung von Emotionen. Die Grundlage der Liebe ist nicht sich selbst zu lieben, sondern die Quelle der Liebe, nämlich Gott zu lieben. Liebe ist die Existenz. Es ist das Leben eines einzelnen. Der wirkliche Tod kommt, wenn die Liebe aufhört zu existieren. Wahre Liebe kennt keinen Tod.

Chemikalien in einer Auflösung trennen Kupfer von Gold. Die Liebe wandelt einen Menschen in einen Diamanten. Niemand kann den abgeschossenen Pfeil der Liebe stoppen. Und keine Kraft der Erde kann jenen Pfeil brechen. Der Qur’ân beschreibt die Liebe als die höchste geistige Ebene.


Die Liebe ist durch das Gift symbolisiert, welches in einem Edelstein vorzufinden ist. In dem Herzen des Liebenden bedeutet wahre Liebe beides: Qual und Heilmittel in einem. Liebe geht nicht auf oder geht unter wie die Sonne, sondern sie scheint für immer und füllt alles mit einer Pracht, wohin auch dessen Strahlen fallen. Liebe stärkt die Schwachen und macht aus Feiglingen Tapfere Männer. Es lässt Eisen schmelzen und macht einen Stein weich wie Schlamm.


Die Mystiker raten:

„Warum begehrst Du die Tochter deines Nachbarns? Halte vielmehr Ausschau für die ewige Schönheit Gottes. Halte Ausschau für jene Schönheit, welches niemals altert und für immer frisch und lebendig bleibt. Falls das Wasser deines Lebens ohne Liebe fliesst, würde es einem Baum ähneln, der keine Früchte trägt.“

„Die Liebe tilgt dein Versagen und deine Ersuchungen. Falls Du danach strebst diese zu tilgen ohne Liebe, so wäre es Heuchelei.“

„Gott sagte für den Willen dieser Liebe „Es sei!“ und die Welt wurde erschaffen.“ Der erhabene ’Ali (Cenâb-ı Ali): „Wenn der Mensch einen immerwährenden Zustand anstrebt, sollte er sein Ego ausschmelzen lassen für die Liebe Gottes.“

„Wahre Liebe wird es vollkommen, wenn der Mensch beide liebt: den Geliebten und den Liebhaber des Geliebten.“

Imam ’Ali sagte: „Der Freund meines Feindes ist auch mein Feind. Auch wenn dieser eine große Zuneigung mir gegenüber zeigt.“

„Liebe ist der erste Besitz, welchen Gott der Welt darlegte. Liebe liess Ihn die Himmel und die Erde schaffen. Liebe regiert den Thron des Herzes.“

„Liebe gleicht einem Feuer ohne Rauch, einer endlosen Strasse und einem Schloss ohne Schlüssel. Wer auch immer durch diese Tür [der Liebe] geht, ist für immer sicher.“

Unter den Schülern des Bektaschi Ordens bleibt die wahre Liebe als der zentrale Kerngedanke von deren mystischen Glauben.

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt. 6 - Lehrmethoden

Der Schüler des Bektaschi-Pfades sollte stets danach streben die höchste moralische Tugend zu erreichen. Hacı Bektaş Veli [möge Gott sein Mysterium heiligen] betonte dabei die Wichtigkeit einer engen Beziehung zwischen dem Novizen und dessen Meister. Das biographische Werk Velayetname enthält eine Anzahl von methodischen Anweisungen:

Hünkar (Großmeister) Hacı Bektaş Veli befahl den Novizen seinen Meister zu vertrauen und ihm Gehorsam zu schenken, genauso wie Hacı Bektaş Veli seinem eigenen Meister, Ahmad Yasawi, gehorchte.
Der Novize sollte aufmerksam gegenüber den Worten seines Meisters sein, und sollte darum bemüht sein die Zeichen der Lehre des Meisters zu entschlüsseln. Jemand, der nicht mit dem Ohr des Herzens hört kann sich nicht auf dem Bektaschi-Weg entfalten. Demjenigen, der taub und blind ist, bleiben die Tore des Fortschritts für immer verschlossen.

Der Gläubige sollte seinem Meister vertrauen und nur ihm gehorchen. Das gleiche Vertrauen sollte dem stellvertretenden Meister gelten, sofern der eigentliche Meister aus dem Diesseits ausscheidet.
Was für spirituelle Geheimnisse der Meister [dem Novizen] offenbart, so sollte der Novize diese nicht [woanders] preisgeben. Jedes einzelne Wort ist für den Novizen eine Nahrung der Gunst (rıza lokması).

Der murid sollte die Anweisungen seines Meisters mit Freude ausführen. Seine Segnungen sind göttliche Segnungen.

Der Schüler sollte aufrichtig mit seinem Meister sein, andernfalls wird er sich sein eigenes Herz brechen, was zu Verwirrungen [in seinem Herzen] führt.
Der Schüler sollte Geheimnisse bewahren. Nicht einmal ein Hinweis sollte irgendjemanden offenbart werden. Ein Geheimnis auszuplaudern stellt eine schändliche Tat dar.

Der Novize sollte standhaft sein und jedem einzelne Wort seines Meisters Gehorsam bieten.

Zwischen dem Schüler und seinem Meister existiert ein geschlossener Bund. Der murid sollte allzeit bereit sein zu opfern, falls sie mit ihrem ganzen Herzen danach streben das Endziel zu erreichen: die Nähe und Gebundenheit zu Gott.
Freunde des murshids sollte auch der murid als eigene Freunde betrachten; genauso sollten die Gegner des Meisters auch für den Schüler Gegner sein.

In der islamischen Mystik symbolisiert die Rose
den Gottgesandten Muhammed [Friede sei mit ihm und seiner Familie]

[Der "Tatbestand" wurde von uns nicht nachgehend überprüft. Aber trotzdem dem Interessengehalts wegen möchten wir diese Nachricht hier weitergeben:]

Der Wunder-Yogi Prahlad Jani hat seine indischen Ärzte in Ratlosigkeit versetzt. "Wir wissen immer noch nicht, wie er überlebt", sagte der Neurologe Sudhir Shah nach dem Ende der zweiwöchigen Rund-um-die-Uhr-Überwachung des 83-Jährigen, der weder Nahrung zu sich nimmt, noch ausscheidet.

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt. 5 - Liebe zur Familie des Propheten

Die Prinzipien des Bektaschi-Pfades zu lehren ist keine leichte Aufgabe. Der Meister (murshid) ist dazu berufen, Schritt für Schritt [den Novizen in] die Philosophie der islamischen Mystik detailliert und mit Sinnbildern einzuführen. Ein Ausspruch von Haci Bektas Veli lautet: „Suchet nach der Wahrheit.“ und ’Ali der Große befahl: „Sprecht zu den Menschen in Angesichts derer Ratio.“

Der Meister führt dem Gläubigen in Richtung der Vollkommenheit und zeigt ihnen weiterhin, wie man das Licht des Bektaschi-Pfades erblicken kann. Sie geben dem Novizen (murid) Liebe für den Propheten Muhammad und seine Familie (ahl al-bait) ein, Zuneigung für die Freunde der Ahl al-Bait (tawalla) und Abneigung für deren Feinde (tabarra). Der Prophet Muhammad sprach: „O Gott, sei Freund jener, die Alis Freunde sind und Feind derjenigen, die ihm feindlich gesonnen sind.“[1]

Baba Mondi in Harabati Baba Teqe, Mazedonien

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt.4.2 - Über die Erziehung des Geistes

Der Wanderer sollte selbst reifen und seine Seele erziehen. Dies impliziert folgende Frage:
Was ist das „Selbst“ und der Geist?
Der Mensch besteht aus beiden: Leib und Seele. Es ist [hier] gar nicht nötig den menschlichen Körper zu beschreiben, da dessen biologische und physiologische Beschaffenheit bekannt sind. Bis jetzt haben noch nicht viele den Versuch gestartet die geistige Seite des Menschen zu untersuchen und zu beschreiben. Die Sufis [und] Gnostiker betrachten das [essentielle] Wesen des Menschen (nefs) bestehend aus mineralen, pflanzenähnlichen, tierischen und menschlichen Bestandteil.

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt.4.1 - Über die Erziehung des Geistes

Die geistige Reise (Sulûq)

Sulûq bezieht sich auf die spirituelle Reise eines Gläubigen während er sich auf dem Ordenspfad befindet. Der murshid zeigt [ihm] den Weg, führt den Wanderer auf dem Weg zu Gott, lehrt ihm wie man die Sehnsüchte für weltliche Begierden unter Kontrolle hält, und wie man sich vor Einbildung, Neid und vor allem Arroganz fernhält. Der Wanderer (sâliq) wird sich anstrengen, um die höchste ethische Leitung, Weisheit, Gerechtigkeitssinn und Demut zu erlangen. So wie İsma’il Hakkı erläutert:

Man beginnt auf dem spirituellen Wanderung mit dem Auftrag Ignoranz durch Wissen und Fehler durch Tugend zu ersetzen. Der Suchende wird sein Ego dämpfen und lässt Gott sein Herz zu durchleuchten.

In seinen “Mekkanischen Eröffnungen” schreibt der große Meister Ibn al-‘Arabi, dass wenn der sâliq sich auf dem Weg zu Gott befindet, dessen Zustand und Gewissheitsgrad gemeint ist. Für ‘Abd ar-Razzaq al-Kashani (... - 1482) stellt die spirituelle Wanderung eine Heilung des Herzens, die Entlassung von temporären Kummer und in der Nähe von Gott sich einen Platz zu sichern dar.

Diese geistige Reise besteht aus vier Stufen:

  1. Die Wanderung zu Gott (sayr ilallah), welches sich sowohl auf Selbstdisziplin als auch auf die Reise zur Wahrheit bezieht. Das Ziel dieser Wanderung stellt das Erreichen des höchsten Gipfels dar. Der Mensch kann Gott nur erreichen, sofern die Schleier, welche die Dualität hervorbringt für immer aufgehoben werden.

Das geistige Streben nach Gott, wie z.B. das erlangen von Wissen, beginnt Schritt für Schritt. Zuerst werden die grundlegenden Elemente erlernt und sucht langsam die höchste Gelehrsamkeit und Wissen der Wahrheit (ilmi laduni). Nur wenn Herz und Seele geläutert werden kann der Mensch eine Entwerdung in Gott (fana’ fillah) erlangen.

  1. Die Wanderung in Gott (sayr fillah) bezieht sich auf die Stufe, wo der Wanderer vollkommen mit himmlischen Attributen eingekleidet ist und wenn [der Wanderer] den geistigen Zustand erreicht, wo augenblicklich der Schleier [sich von den Augen erhebt] und das göttliche Licht der Erkenntnis zu sehen beginnt. Der Wanderer geht in der Einheit Gottes auf und verbleibt in diesem Zustand der Glückseligkeit (baqa billah).

  1. Die Wanderung mit Gott (sayr ma’allah) bezeichnet den Zustand, wo man von allem Materiellen befreit ist. Der Wanderer befindet sich außerordentlich innerhalb des Göttlichen. Gott ist ihm näher als der Bogen zu dem Pfeil. Dies ist eine Bedeutung [von vielen] des Qur’ânverses: ...bis er eine Entfernung von zwei Bogenlängen erreicht hatte oder diesseitiger. [53:9]

Auf dieser Stufe bleibt nichts mehr von eigenen Bewusstsein, seiner “Ichheit”, des
Gläubigen übrig. Er
wurde nun eins mit der Wahrheit.
Der Prophet Muhammad [sallallahu alayhi wa sallam] erlebte einen solchen Zustand, den
Gabriel
ihn nähergebracht hatte.

  1. Die Wanderung von Gott (sayr amillah) bezeichnet den Zustand von kompletem Aufgehen in der Wahrheit, obgleich der Gläubige bereit ist, um zum alltäglichen Leben zurückzukehren. So ist dies die Bedeutung vom “Verbleiben nach der Vernichtung” oder “Erscheinung nach der Vernichtung”. Es ist die höchste von jeglichen Stufen.

Die Bektaschi Tradition bringt nachdrücklich die Nowendigkeit eines murshids, um dem Gläubigen auf diesem langen und anstrengenden Pfaf zu führen. Ein vollkommener Mensch, ein murshid-i kâmil, wird niemals zulassen, dass der Wanderer vom rechten Weg abkommt. Er wird Gehör und Hand schenken fortwährend durch die spirituelle Reise während der Suchende danach strebt sich von üblen Gedanken und quälenden Zweifel zu befreien. Ohne einen murshid kann niemand sein Ziel erreichen auch wenn ihm oder ihr das Wissen, Tugend und geistige Disziplin in die Wiege gelegt wurde.

Cartoon | 2 Schritte zum Paradies | Ego

Liebe Leser,

passend zur letzten Rexheb-Baba-Serie (Stichwort: nafs) möchten wir hier ein islamisches Cartoon reinstellen:

Sufi Comics How far is Heaven?


Mit den besten Wünschen ins Wochenende...

Ya Ali... Ya Ali... Ya Ali... Nade Aliyyen mazhar'ul acâib..

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt.3 - Einsicht in das eigene Ich

Verhalten (adab)

Der Novize sollte allen religiösen Gewohnheiten folge leisten und ebenso die sekulären Gesetze achten. Der Bektaschi Pfad betont adab von Lebensbeginn bis zum Lebensende. Adab bewahrt dem Novizen davor seine [Pfads-]Geschwister zu beschämen und es lehrt ihm geduldig zu sein und zu vergeben. Adab wird den Zorn kontrollieren, wobei der Novize alles um der Gnade Gottes wegen aufgeben wird; so wie der Qur’ân spricht: "...die geduldig sind und gute Werke tun. Ihnen wird Vergebung und ein großer Lohn zuteil sein." [Sure 11:11] Wenn der Mensch einmal begonnen hat das geistige Erwachen in seinem Herzen zu erblicken, wird dieser dem adab einhalten.

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt.2 - Standhaftigkeit auf dem Pfad

Der Novize muss standhaft und stets treulich gegenüber der bektaschitischen Lehre stehen, wobei kein Fortschritt ohne Entschlossenheit erzielt werden kann. Der Bektaschi Novize sollte all seinen Freunden in Treue verbleiben und stets sein Wort halten. Sein eigenes Wort zu brechen ist eine Schande und im Islam eine Sünde. Das Bektaschiten betrachtet Treue als eine offenbarte Eigenschaft des eigenen Charakters. Und der Qur’ân beteuert dies:

Was aber diejenigen angeht, die überzeugt sind von Allah und an ihm festhalten diese wird er eintreten lassen in Seine Barmherzigkeit und Huld und sie auf dem geraden Weg zu Sich führen. [Sure 4:175],

Wahrlich diejenigen, die dir huldigen, huldigen Allah. Allahs Macht steht dir über ihre Kraft hinaus zu. Wer sein Wort bricht, schadet nur sich selbst. Wer seinen Treueschwur Allah gegenüber hält, dem wird Er großen Lohn zukommen lassen. [48:10],

Oh ihr diejenigen, die überzeugt sind, erfüllt die Verträge. [Sure 5:1]

Daher lehrt der Novize, auf den Qur’ân vertrauend, dem Gläubigen die Wichtigkeit was Loyalität betrifft. Viele Bektaschi Poeten verfassten so einige Gedichte, in deren sie die Entschlossenheit als ein Geschenk Gottes hervorhebten, wie zum Beispiel:

Sollten sie mich je zum Galgen schleifen,
werde ich dennoch zu meinem Wort stehen,
wo sie mich danach fragen mein Pfad aufzugeben,
auch wenn ich es wünschte,
mein Herz jedoch wird es nicht erlauben!

Dervish Bayram, Baba Rexheb, Dervish Lutfi, Dervish Arshi (1965, Taylor-Detroit)
Quellen

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt.1 - Grundlegende Prinzipien des Bektaschitentum

Der Bektaschi schätzt den Qur’ân und die gesegneten Worte des Propheten Muhammad. Es gibt kein Ritual des Ordens, welches von jenem Heiligen Buch und von den Hadith al-Scharif abweicht. Die Vererhrung für den Propheten gilt auch für seine Famile, die Ahl al-Bait. Der Ausdruck der Liebe für seine Familie kommt in vielen Versen des Qur’âns zum Vorschein:
Sprich: Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, es sei denn die Liebe zu der Verwandtschaft. [Sure 42:23]
Als die Gefährten den Gesandten Gottes fragten, wer seine Familie sei, antwortete er: „Diese sind Fatima, ’Ali, Hasan und Hussain.“

Und ebenso:
Allah will jegliches Übel von euch gehen lassen (fern halten), (oh) Ahl al-Bait, und euch stets in vollkommener Weise rein halten. [Sure 33:33]

Zwölf weitere Verse des Qur’âns und zahlreiche prophetische Aussprüche bestätigen den Respekt und die Liebe, welche der Prophet für ’Ali und seine Familie aufbrachte:

  • „Die Liebe zu ’Ali und zur Familie des Propheten wird den Makel des Fehlverhaltens eines Gläubigen bereinigen.“
  • „Oh ’Ali! Gott wird denjenigen, der dich liebt mit Glauben und Erlösung bekleiden.“
  • „Wer immer auch Zuflucht bei der Ahl al-Bait sucht wird von der Irreleitung verschont bleiben. Während diejenigen, die der Ahl al-Bait gegenüberstehen der Misshelligkeit und der Abweichung [vom Rechten Wege] zum Opfer fallen werden und der Gruppe Satans beitreten.“
  • „Ich hinterlasse euch zwei gewichtige Dinge (thaqalayn). Das eine ist das Buch Allahs, welches wie ein Seil vom Himmel herunter ragt. Und das andere meine Ahl al-Bait. Diese beiden werden bis sie zum Teich des Kawsar gelangen sich nicht voneinander trennen.“

Das Bektaschitentum verkörpert das Konzept der Spiritualität basierend auf Vernunft und Logik. Und es betont, dass die Ausführungen religiöser Rituale wertlos sind, wenn das Streben zur Suche und die Bereicherung des geistigen Lebens eines Jeden nicht gegeben sind.
Der Prophet Muhammad hebte die Ausübung religiöser Rituale hervor, jedoch hat er nicht den Aufstieg seines geistigen Ranges unterbrochen, womit er die tugendhafte Leitung erlangte.

Das Bektaschitentum unterstreicht die Wichtigkeit des rituellen Gebetes (namaz), jedoch lehrt es dem Gläubigen, dass jedes einzelne Gebet vollkommen verstanden werden muss, da es ansonsten nichts weiter als reine Nachahmung bleibt. Im Bektaschitentum stellt das wahre Bewusstsein eines individuellen Gebets als essenzieller Bestandteil auf der Suche nach geistigen Wahrheiten.

Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | Auszüge aus "Mysticizma Islame dhe Bektashizme"

Liebe Leser,

wir wollen eine neue Serie starten. Dabei handelt es um Auszüge aus einem Werk namens Mysticizma Islame dhe Bektashizme (zu dt.: Die islamische Mystik und das Bektaschitentum). Dies ist ein Werk von einem Sufi-Heiligen des Bektaschi-Orden namens Rexheb (Rajab) Ferdî Baba Erenler (möge Gott sein Mysterium heiligen). In jenem Buch sind praktisch verschiedene Themen des Tasawwuf behandelt worden, und zwar aus der Sicht des Bektaschi-Pfades.
Das Buch kann man auf englischer Sprache hier bestellen.

Als eine neue Serie wollen wir den verehrten Lesern im Form von Auszügen aus jenem Buch hier zu Gemüte führen.

Nowruz | Nachtrag

Liebe Leser,

bevor wir insha'allah den Monat März verlassen, so sei noch auf eine interessante Sichtweise auf Nowruz verwiesen. Als Autor gilt ein bewanderter Derwisch (nicht nur) auf dem Gebieten der Metaphysik und integralen Tradition...
ein Qalandar aus der Kulturhauptstadt 2010.

Das Erscheinen der Sonne

http://qalandar-haqqali.blogspot.com/ und http://nuraliqalandar.blogspot.com/

Neu auf unserem Blog: Notiz der Woche | Start: 25.03.10

Liebe Leser,

wir werden insha'allah diese Woche noch mit unserer neuen Rubrik "Notiz der Woche" starten. Diese Notizen werden vorzugsweise -so fern die Organisation uns gelingt- am Donnerstagabend "gekritzelt". Dabei können dies Aussprüche von Propheten und Heiligen oder auch einfach nur "am Rande vermerkte" Gedanken sein.

Ausserdem ist am linken Rand eine neue Sparte "Astronomisches" hinterlegt worden. Diese wird mit interessanten Links zu jenem Thema, welche wir rein sporadisch im www begegnen und unserer Betrachtung nach interessant sein könnten, zur Verfügung stehen.

Bis dahin...

Br. Şems

Heute ist Nowruz!

Ya Ali!

Liebe Leser, wie vergangenen Freitag angekündigt, werden wir hier kurz auf die Bedeutung des Nowruz aus alevitisch-bektaschitischer Sicht eingehen.

Zur ethimologischen und soziologischen Sichtweise gehe man diesen Links nach:
Wiki (Dt.) oder Wiki (En.)

Nowruz stellt für die Bektaschi's einen astronomischen und spirituellen Tag dar. Der Lehre bzw. den Überlieferungen nach, soll Nowruz ein Tag bestimmter göttlicher Segnungen sein.

Sonntag ist Nowruz, insha'Allah...

Der 21. März, sprich Nowruz, naht. Für die Aleviten und Bektaschiten ist dies der symbolische Geburtstag von Amir ul-Mu'mineen [a.s.]. Mehr dazu insha'allah am Sonntag.

Hier sei schon mal für alle Interessierte ein informativer und inspirierender Auszug aus dem Schatzbuch "Mefatihul Jinan" gegönnt. Im folgenden handelt es sich um Gebete und Adab bezüglich zu jenem wertvollen Tag.

[Zitat]
Imam Ja'far as-Sadiq [a.s.] empfahl Mualla b. Huneys:
"Nehme am Festtag des Nouruz die rituelle Ganzkörperwaschung, bekleide dich mit saubersten Anzügen, parfümiere dich mit den schönsten Düften und faste an diesem Tag. Nachdem Du die Nawafilgebete und sowohl das Mittags- als auch das Nachmittagsgebet verrichtet hast, mögest Du 2 rituelle Gebete á 2 Rekat verrichten. Im ersten Gebet im ersten Rekat rezitierst Du nach der Fatiha 10x die Sure Qadr, im zweiten Rekat nach der Fatiha 10x die Sure Kafirun.
Im zweiten rituellen Gebet rezitierst Du im ersten Rekat nach der Fatiha 10x die Sure Ikhlas, und in der zweiten Rekat nach der Fatiha 10x die Suren Felaq und Nass.

Mache nach dem rituellem Gebet die Niederwerfung der Dankbarkeit und lies folgenden Dua:


Anderen Quellen zu Folge [und dazu gehört auch die Lehre des Bektashi-Orden*] ist folgender Dhikr erwähnenswert:

366x "Ya Muhawwila'l-ahwali wa'l-ahwâl. Hawwil hâlanâ ilâ ahsani'l-hâl."

Oder:

"Ya Muqalliba'l-Qulûbi wa'l-absâri, sabbit qalbî. Ya mudabbira'l-layli wa'n-nahâr. Ya muhawwila..."

Dies wurde in Dhadu'l-Mead überliefert. So mögen einem die Sünden von fünfzig Jahren vergeben.

Dann rezitiere mehreremale:

"Ya Dha'l-jalâli wa'l-ikrâm!"
[Zitat Ende]

Quelle: Mefatihu'l-Cinan, Şeyh Abbas Kummi (übersetzt ins Türkische von Cafer Bendiderya), S. 639-641, Ansariyan Verlag
*Anm. von Şems

Es-Selâtu Daim - Teil 2 [Salawat und Imamah]

Gott als ein Sein zu akzeptieren, Welcher keinen Teilhaber hat, bedeutet auch zwangsläufig zu akzeptieren, dass es keine weitere Exekutive gibt ausser Ihm.
Was der Schöpfung übrigbleibt ist nichts weiteres als eine Teilnahme an Seiner Aktivität.

Wir hatten im ersten Teil versucht darzulegen, dass Gott die Menschen an Seiner Schöpfung teilhaben lässt. Als Beispiel sei hier der edle Vers erwähnt:

Allah sendet Segnungen auf den Propheten und Seine Engel beten für ihn. O die ihr glaubt, betet (auch) ihr für ihn und wünschet ihm Frieden mit aller Ehrerbietung.[33. Sure : 56]

Gott als die Quelle der Praxis ladet den Menschen ein, an dieser Praxis teilzunehmen. Die Segnungen, die der Gläubige auf den Propheten Muhammed (Friede sei mit ihm und seiner Ahl al-Bait) ist wie folgt:

Allahumma salli 'alâ Muhammad wa alihi Muhammad! D.h., "Oh Herr, segne Muhammad und seiner Familie!" Wieso bittet der Mensch nun wiederrum Gott um die Ausführung der Segnungen? 1. Anwort: Der Mensch ist nicht in der Lage Muhammed zu segnen, genau wie der Prophet Gott nicht zu Dessen vollem Wert preisen konnte. Andere Antwort in "unserem Sinne": Der Bektaschi akzeptiert Gott als den Imam, an Dem er sich beim Gebet anschliesst. Im Islam ist das Gemeinschaftsgebet 27fach wertvoller als das individuell verrichtete Ritualgebet. Das Gemeinschaftsgebet ist jedoch dadurch gekennzeichnet, dass ein "Vorbeter" das Gebet leitet und die Gemeinschaft sich ihm anschliesst. Der Imam in seiner wahrhaftigen Eigenschaft und Stellung ist derjenige, der die Menschen (durch die Aufhebung aller Schleier mit der Eröffnungspreisung [takbirat-ul-ihram]) zu Gott bringt.

Um abschliessend auf das Salawat zu kommen, so sei folgende Überlieferung von Fürst der Gläubigen Ali b. Ab Talip [a.s.] zitiert:
إذَا كانَتْ لَكَ إلَى اللهِ سُبْحانَهُ حاجَةٌ فَابْدأ بِالصَّلاةِ عَلَى النَّبي (ص) ثُمَّ اسْألِ اللهَ حَاجَتَكَ، فَإنَّ اللهَ تَعالى أكْرَمُ مِنْ أنْ يُسْأَل حَاجَتَينِ فيَقْضِيَ إحديهُما وَيَمْنَعَ الأُخرى

Sinngemäss: Bevor Du Gott dem Erhabenen um etwas bittest, so sende zuerst Segnungen auf den Propheten flehe dann zu Gott. Denn Gott ist zu großherzig, als dass Er einen Wunsch gelten lässt während Er den anderen Wunsch verwehrt.
(siehe Gurer'ul-Hikem, Hadith 4149)

Warum Bektaschi? - Teil 1 [Sinn des Lebens]

Viel weiss man über die Derwische des Bektaschi Ordens nicht. Ausser, dass jene sich von anderen "gewöhnlichen" sunnitischen Asketen unterscheiden. Vieles wird nachgesagt: Auf der einen Seite etwas Schamanistisches, auf der anderen Seite etwas Freimaurerhaftes. Vieles wurde aber auch (seitens der Bektaschi's) gesagt, wenig wurde verstanden.
Als ein Aussenstehender könnte man vielleicht erstmal folgende Punkte festhalten:
Bektaschi's sind:
  • keine Sunniten
  • ein mystischer Orden
  • ein islamischer Orden
  • schiitische Derwische
  • sehr eng mit den Aleviten verbunden
  • Freigeister
  • ...
Und weiter? Oft wird man gefragt: "Was sind denn eure Ziele?", "Was macht Ihr?", "Worauf gründet Ihr?" etc. pp. Berechtigte Fragen sicherlich, doch wie antwortet man darauf, dass man nicht gleich abgewiesen wird, weil man sich zu "phantasievoll" ausdrückt?

Shiʻism and Sufism: Their Relationship in Essence and in History

by Seyyed Hossein Nasr

In discussing the intricate and somewhat complex relationship between Shiʻism and Sufism, both in principle and essence or in their metahistorical reality as well as in time and history, we need hardly concern ourselves with the too often repeated criticism made by certain orientalists who would doubt the Islamic and Quranic character of both Shiʻism and Sufism. Basing themselves on an a priori assumption that Islam is not a revelation and, even if a religion, is only a simple ‘religion of the sword’ for a simple desert people, such would-be critics brush aside as un-Islamic all that speaks of gnosis (ʻirfân) and esotericism, pointing to the lack of historical texts in the early period as proof of their thesis, as if the non-existent in itself could disprove the existence of something which may have existed without leaving a written trace for us to dissect and analyse today. The reality of Shiʻism and Sufism as integral aspects of the Islamic revelation is too blinding to be neglected or brushed aside by any would-be historical argument. The fruit is there to prove that the tree has its roots in a soil that nourishes it. And the spiritual fruit can only be borne by a tree whose roots are sunk in a revealed truth. To deny this most evident of truths would be as if we were to doubt the Christian sanctity of a St Francis of Assisi because the historical records of the first years of the Apostolic succession are not clear. What the presence of St Francis proves is in reality the opposite fact, namely, that the Apostolic succession must be real even if no historical records are at hand. The same holds true mutatis mutandis for Shiʻism and Sufism. In this paper in any case we will begin by taking for granted the Islamic character of Shiʻism and Sufism and upon this basis delve into their relationship. In fact Shiʻism and Sufism are both, in different ways and on different levels, intrinsic aspects of Islamic orthodoxy, this term being taken not only in its theological sense but in its universal sense as tradition and universal truth contained within a revealed form.

Quelle

Buch-Tipp: "Inner Secrets of the Path" von Sayyid Haydar Amuli (Englisch)

Sayyid Haydar Amuli (1319- 1385). Ein grosser Mystiker der Shia. Er erläutert und untersucht die vier Tore "sharia", "tariqa" (marifa) und "haqiqah" unter dem Aspekt der Mystik und nach dem Verständnis der 12 Imame. Autor ist sehr stark beeinflusst von Ibn Arabi! Ein absolutes Muss für alle, die die bektaschitische Hermeneutik kennenlernen wollen.

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Es-Selâtu Daim [Das immerwährende Gebet] - Teil 1

Merkmale verschiedener Religionen, Konfessionen, Orden etc. sind unter anderem die Art und Weise der "Kontaktaufnahme" zu dem Höheren Sein, durch Welches sich eine religiöse Gruppe als legitimiert betrachtet.
Während die Kontaktaufnahme vom Höheren Sein "von oben abwärts" erfolgt -d.h. aus der Sphäre des Unbenannten/Nichts- und den Menschen in der "Welt der Zeugnisse" erreicht, verläuft die Kontaktaufnahme des Menschen zu seinem Herrn in umgekehrter Reihenfolge: "von unten aufwärts". Während man erstere als Offenbarung (vahiy) oder Inspiration (ilham) bezeichnet, nimmt letztere die Stellung des (Bitt-)Gebets (dua) ein.
Obwohl Gebete und Rituale ort- und zeitbedingt sind, verhelfen diese doch dem Gläubigen "aus dem Exil in die Freiheit zu flüchten".