Baba Rexheb Ferdî [q.s.] | pt.4.1 - Über die Erziehung des Geistes

Die geistige Reise (Sulûq)

Sulûq bezieht sich auf die spirituelle Reise eines Gläubigen während er sich auf dem Ordenspfad befindet. Der murshid zeigt [ihm] den Weg, führt den Wanderer auf dem Weg zu Gott, lehrt ihm wie man die Sehnsüchte für weltliche Begierden unter Kontrolle hält, und wie man sich vor Einbildung, Neid und vor allem Arroganz fernhält. Der Wanderer (sâliq) wird sich anstrengen, um die höchste ethische Leitung, Weisheit, Gerechtigkeitssinn und Demut zu erlangen. So wie İsma’il Hakkı erläutert:

Man beginnt auf dem spirituellen Wanderung mit dem Auftrag Ignoranz durch Wissen und Fehler durch Tugend zu ersetzen. Der Suchende wird sein Ego dämpfen und lässt Gott sein Herz zu durchleuchten.

In seinen “Mekkanischen Eröffnungen” schreibt der große Meister Ibn al-‘Arabi, dass wenn der sâliq sich auf dem Weg zu Gott befindet, dessen Zustand und Gewissheitsgrad gemeint ist. Für ‘Abd ar-Razzaq al-Kashani (... - 1482) stellt die spirituelle Wanderung eine Heilung des Herzens, die Entlassung von temporären Kummer und in der Nähe von Gott sich einen Platz zu sichern dar.

Diese geistige Reise besteht aus vier Stufen:

  1. Die Wanderung zu Gott (sayr ilallah), welches sich sowohl auf Selbstdisziplin als auch auf die Reise zur Wahrheit bezieht. Das Ziel dieser Wanderung stellt das Erreichen des höchsten Gipfels dar. Der Mensch kann Gott nur erreichen, sofern die Schleier, welche die Dualität hervorbringt für immer aufgehoben werden.

Das geistige Streben nach Gott, wie z.B. das erlangen von Wissen, beginnt Schritt für Schritt. Zuerst werden die grundlegenden Elemente erlernt und sucht langsam die höchste Gelehrsamkeit und Wissen der Wahrheit (ilmi laduni). Nur wenn Herz und Seele geläutert werden kann der Mensch eine Entwerdung in Gott (fana’ fillah) erlangen.

  1. Die Wanderung in Gott (sayr fillah) bezieht sich auf die Stufe, wo der Wanderer vollkommen mit himmlischen Attributen eingekleidet ist und wenn [der Wanderer] den geistigen Zustand erreicht, wo augenblicklich der Schleier [sich von den Augen erhebt] und das göttliche Licht der Erkenntnis zu sehen beginnt. Der Wanderer geht in der Einheit Gottes auf und verbleibt in diesem Zustand der Glückseligkeit (baqa billah).

  1. Die Wanderung mit Gott (sayr ma’allah) bezeichnet den Zustand, wo man von allem Materiellen befreit ist. Der Wanderer befindet sich außerordentlich innerhalb des Göttlichen. Gott ist ihm näher als der Bogen zu dem Pfeil. Dies ist eine Bedeutung [von vielen] des Qur’ânverses: ...bis er eine Entfernung von zwei Bogenlängen erreicht hatte oder diesseitiger. [53:9]

Auf dieser Stufe bleibt nichts mehr von eigenen Bewusstsein, seiner “Ichheit”, des
Gläubigen übrig. Er
wurde nun eins mit der Wahrheit.
Der Prophet Muhammad [sallallahu alayhi wa sallam] erlebte einen solchen Zustand, den
Gabriel
ihn nähergebracht hatte.

  1. Die Wanderung von Gott (sayr amillah) bezeichnet den Zustand von kompletem Aufgehen in der Wahrheit, obgleich der Gläubige bereit ist, um zum alltäglichen Leben zurückzukehren. So ist dies die Bedeutung vom “Verbleiben nach der Vernichtung” oder “Erscheinung nach der Vernichtung”. Es ist die höchste von jeglichen Stufen.

Die Bektaschi Tradition bringt nachdrücklich die Nowendigkeit eines murshids, um dem Gläubigen auf diesem langen und anstrengenden Pfaf zu führen. Ein vollkommener Mensch, ein murshid-i kâmil, wird niemals zulassen, dass der Wanderer vom rechten Weg abkommt. Er wird Gehör und Hand schenken fortwährend durch die spirituelle Reise während der Suchende danach strebt sich von üblen Gedanken und quälenden Zweifel zu befreien. Ohne einen murshid kann niemand sein Ziel erreichen auch wenn ihm oder ihr das Wissen, Tugend und geistige Disziplin in die Wiege gelegt wurde.

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