Ohne viele Worte:
anlässlich des Geburtstags des Imam's unserer Zeit:
Baba Rexheb Ferdî [q.s.] pt. 7.4 | Der Liebende und der Geliebte sind zusammen
Die Mystiker des Bektaschi Ordens betrachten den Liebenden und den Geliebten fortwährend zusammen. Sie sind eins und können nicht getrennt werden. Sie sind eng verbunden, so wie ein Haupt, welches ohne einen Leib nicht getragen werden kann.Der Liebende und der Geliebte sind wie Seele und Leib; das eine kann ohne das andere nicht existieren. Andernfalls werden Worte wie „Liebender“, „Geliebte“ und „Liebe“ zu leeren Hülsen.
Das Ziel eines Liebenden ist es den Geliebten zu erreichen. Er gibt alles auf, selbst sein eigenes Bewusstsein, um erfolgreich zu sein. Er wird sein [Ego] so sehr verwelken, so dass er sich unter dem Geliebten ergeben kann. Alle Essenzen und Dualitäten werden verschwinden, auf dass der Liebende und Geliebte eins werden. Dann… das ewige Leben, die höchste Essenz, welches weder Himmel noch Erde umfassen kann, findet seinen Platz in den Herzen des Liebenden. Er, der Geliebte, heiligt jenes Herz und wandelt es für die Gläubigen in eine Ka’bah um. So dass der Liebende in dem Geliebten heranreift.
Shams Tabriz-i erklärt sein Verständnis von Gott, indem er sagt, dass er nicht einen Augenblick länger leben möchte, wenn er wüsste, dass er ohne Gott verweilt.
Der Mystiker Fuzuli (1488-1556) sprach:
„Wenn ich „Ich“ wäre, was wärest dann Du? Ein Liebender?
Wenn Du „Du“ wärest, was wäre dann ich?“
Während der Liebende sich dem Geliebten nähert, beginnt dieser Seine Erscheinung, Seine Farbe und all Dessen Eigenschaften anzunehmen. Nachdem [der Liebende] letztendlich [in Gott] aufgelöst ist, wird er mit Ihm verwandt.
Gott der Allmächtige, welcher absolut unabhängig ist und nichts und niemanden braucht [um zu existieren], da Er die Quelle von allem ist, wird der Liebende von allen Liebenden, so wie er verehrt wird. Der Liebende unterwirft seinen Leib Ihm und übergibt seine komplette Existenz und Gefühle und findet dabei bei Gott Eintritt. Er wird der Besitzer des göttlichen Schatzes und repräsentiert zur selben Zeit sowohl den Liebenden als auch den Geliebten.
Der Poet Nesimi schreibt:

„In den Augen des Liebenden erblickte ich die Augen des Allerbarmers (ar-Rahmân)
Diejenigen, die diese Augen lesen, werden die Worte des Qur’âns finden.“
Wenn der Liebende standhaft ist, wird der Geliebte nicht am Ende des Weges auf ihn warten, sondern gleich zu Beginn seiner
[der Liebende] spirituellen Reise ihm zuwenden.
Der Geliebte wird sein Liebhaber. Und bald wird es keine Unterscheidung mehr zwischen den beiden geben. Kein menschlicher Auge oder Verstand kann dies alles erblicken. [Nur] Gott kennt das, was kein Mensch weiss. Fleisch und Knochen verdecken dem Menschen die Sicht Gottes. Nur das Auge des vollkommenen Menschen ist in der Lage Gott zu sehen.
Hier, wie die mystischen Poeten die Sichtung Gott erleben:
Denke nicht, dass Du ausserhalb von Ihm [Gott] bist
Suche in Dir selbst, dort wirst Du Ihn finden
Er ist sicherlich in deinem Herzen
Suche! Du wirst Ihn dort finden.
Du suchst Gott in Märchen und in Täuschungen
Du wirst Ihn niemals finden
In der Tat, Er ist in dir lebendig
Der Mensch, welcher der König beider Welten ist
Nur er kann Rettung gewähren
Gehe zu ihm und erblicke die Sichtung Gottes
Händige all deine Bedürfnisse ihm aus.
So wird er [wie] der Prophet, der Gesandte und der Heilige. Er wird zu seinem eigenen Gesandten, und es befindet sich niemand anderes ausser Ihm. Ibn al-Arabi spricht:
Du bist nicht Du; Er ist Du und nicht Du [bist Du].
Seitdem er nicht in Dir ist, und Du nicht in Ihm
Ist Er nicht ausserhalb von dir, und Du nicht ausserhalb von Ihm.
Der Poet Nesimi:
Ich bemühte mich Ihn zu erreichen, obwohl [mein] Ich [mein inneres Wesen] Er ist.
Wer auch immer mich von Ihm trennen möchte, versucht [gewiss] das Unmögliche.
So ist der Liebende ein Spiegel in dem alles daherschwindet und weder der Liebende noch der Geliebte verbleiben. Seitdem der Liebende all das was selbstsüchtig ist in sich selbst ablegt, bleibt nichts mehr in ihm übrig ausser der Geliebte.
Wie Imam Ali sagte: „Die Liebe zu dieser Welt zerstreut mit der Zeit. Wahrhaftige Liebe [jedoch] steigt so dass es niemals sich vermindert.“
So wie Seyit Nizam (gest. 1550) spricht:
Entblöße mich von meiner Selbstsucht, Oh Gott! So dass nur Du alleine in mir verbleibst.
Wenn der Mensch auf den Geliebten seines Herzens trifft, versteht er die Göttlichkeit der Liebe.
Ich dachte, dass ich abseits von Ihm sei, jedoch als ich sah und hörte,
Er was er, der Geliebte in mir.
Der Geliebte wurde nirgendwo gesichtet ausser in dem Herzen des Liebenden, des vollkommenen Menschen. Dieser Mensch wird zu [Gottes] Boten, walikullah fi’ ard. Er befindet sich im geistigen Zustand des Haqiqat, denn in seinem Herzen residiert niemand ausser Gott. Solch ein Mensch wird faqir (spirituelle Armut) genannt, denn in seinem Herzen hat er nichts und niemanden ausser Gott. Dies sind die Bedeutung der Worte des Propheten Muhammed: „Die spirituelle Armut ist mein Stolz.“
Dies ist ebenso auch die Bedeutung der wahrhaftigen Ka’bah, der höchsten himmlischen Stufe, welches nur durch fena fillah und beqa billah erreicht werden kann. Es ist die Bedeutung von Nesimi’s Aussage: „Als ich zur Residenz von Gott der 18000 Welten wurde, wurde ich sein Antlitz, ein verborgener Schatz.“
Für den Gläubigen ist der Spiegel ein anderer Gläubiger. Man sollte jenen Spiegel in die Hand und sich selbst und die gesuchte Wirkungskraft erblicken. Der Prophet sprach: „Wer sich selbst erkennt, der hat seinen Herrn erkannt.“
Quellen:
bektashi.net
bektashi.net
Abonnieren
Posts (Atom)






