Was bedeuten die Vier Tore (Torwege)?

Die Vier Tore und 40 Gebote sind fester Bestandteil des mystisch-alevitischen Islam. Der erste Mystiker der von den 4 Toren sprach war Khoca Ahmet Yesevi (möge G_tt sein ruhmreiches Mysterium heiligen) aus dem heutigem Kazakstan (gest. 1166). Haji Bektash Veli hat zu jeden dieser Tore 10 Gebote hinzugefügt. Diese vierzig Stufen (kırk makam) basieren auf den Koran und auf den Aussprüchen des Propheten Muhammed (s.). Diese 40 Stufen, werden als Stationen akzeptiert die der Gläubige beschreitet, um ein vollkommener Mensch (Insan-i Kamil) zu werden.

Shabistari, ein Mystiker aus Tabriz (13. Jhd.) definiert den Vollkommenen Menschen als denjenigen, der den zweifachen Weg geht: hinab in die Welt der Erscheinungen (zwanzig Stufen hinab zur Erde vom Ersten Intellekt), und dann wieder hinauf zum Licht und zur göttlichen Einheit („der zwanzigstufige Bogen des Aufstiegs“). Die 4 Tore und 40 Stufen stellen die verschiedenen Ebenen der göttlichen Manifestationen und die Offenbarung des Göttlichen dar, welche am Ende im Wesen des Vollkommenen Menschen „enthüllt“ werden (Tajalli).
„Von der Ebene der Essenz zu der Ebene der Attribute, der Ebene der Handlung, der Ebene der Ähnlichkeiten und der Ebene der Sinneswahrnehmung. Der Erleuchtung der Handlungen folgt die der Namen, dann die der Attribute, und schliesslich endet jede Erfahrung mit der Erleuchtung der Essenz, die nur der Vollkommene Mensch erreichen kann.“
Siehe Annemarie Schimmel „Mystische Dimensionen des Islam“, Seite 399
Haji Bektash sprach von den 4 Toren des Pfades. Das Tor der Shari’a ist die Pforte des Gesetzes dem der Anbeter ('Abid) folgt. Das zweite Tor der Tariqa wird vom Asketen (Zahid) betreten. Daraufhin steigt der Gnostiker ('Arif) zur Ma’rifa und besitzt die Erkenntnis ('Irfan) und Gnosis. Das Tor der Haqiqa (Wirklichkeit) wird vom Liebendem (Muhibb) gefunden. Am Ende der Haqiqa wird der Muhibb beim Erreichen der 40. Stufe zum Vollkommenen Menschen.
Die Zahl 40 hat ebenfalls mehrere symbolische Bedeutungen. Zum Beispiel dafür, dass der Prophet Muhammed (s.a.a.) mit 40 Jahren zur Prophetenschaft berufen wurde. Laut den Lehren der Aleviten und Bektaschiten hat Allah die 4 Tore Adam (a.s.) über Gabriel (a.s.) vorgelegt. (siehe Ahitname, Seite 99 (1849)) ´
Ein prophetischer Ausspruch besagt: „Die Shari’a sind meine Aussprüche. Der Weg, Tariqa sind meine Pflichten. Ma’rifa ist das Haupt aller Dinge. Haqiqa ist mein seelischer Zustand.“ (siehe Fevaitname, Faide 1)

Die Bektaschiten fanden in den Namen dieser vier Tore folgende Bedeutungen:

Şeriat (Shari’ah):
Shin:ش „Frei sein vom Bösen (Şerr)“,
Ra: ر„Redha-i Haqqa Tawassul" Trost finden durch den Glauben an Gottes Gnade,
Ye: يGott anrufen, wie: „Ya Allah!“,
'Ayn: ع“Handeln mit Wissen und Erkenntnis”,
Te: ت„Tenzih-i Newaki“ Sich von Verbotenem fernbleiben

Tarîkat (Tariqah):
Te: ط„Talab-i Haqq u Haqiqat“ Suche nach Wirklichkeit und Wahrheit,
Ra: ر„Riyadhat“ bedeutet asketische Disziplin,
Ye: ي„Yol-u din“ bedeutet in jeder Weise einem Bruder auf dem Wege treu zu sein,
Qaf: ق„Qana’at“ bedeutet Zufriedenheit, Anspruchslosigkeit,
Ta: ت„Taslim-i Tamm“ bedeutet vollkommene Unterwerfung (unter dem geistigen Lehrer/Murshid)

Marifet (Marifah):
Mim: م„Marifatullah“, die Erkenntnis Allahs,
’Ayn: ع Sahib-i „Aql-i Kul“ Das alleinheitliche Bewusstsein (Ur-Logos) besitzen,
Ra: ر„Reva olmayan nesnede iltizami tevakuf!” Sich nicht mit nutzlosen Dingen aufhalten

Hakîkat (Haqiqah):
Ha: حZwischen Helal (Erlaubten) und Haram (Verbotenen) unterscheiden können,
Qaf: ق “Qudrat-i Qadim e Ruju” bedeutet die Rückkehr zur ewigen und anfangslosen Allmacht Allahs,
Ye: ي“Yafal Allah ma yasha wa yaqqum ma yurid!” Gott macht, was Er will. Er herrscht, wie Er will,
Qaf: ق“Qa’im Billah” bedeutet durch Allah bestehen,
Te: ت„Turabiyah/ Tarbiya“ bedeutet Erziehung, absolute Demut und zu Staub werden

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