Das Fest von Ghadir Hum

Der Faqîr gratuliert allen Anhängern der Ehl-i Beyt (Familie des Propheten Muhammed) zum Festtag von Ghadir Hum. Ghadir Hum ist ein Ort welches auf halber Strecke zwischen Mekka und Medina liegt. Am 18. Zilhicce 10 nach islamscher Zeitrechnung passierte der Prophet Muhammed (s.) nach seiner Wallfahrt mit anderen sehr zahlreichen Muslimen jenen Ort, welches übersetzt "Brunnen von Hum" bedeutet. Er empfing eine Offenbarung Gottes:

"Oh Botschafter, verkünde was zu dir gesandt wurde von deinem Gott; und wenn du es nicht tust, hast du nichts von Seiner Botschaft überbracht; und Allah wird dich vor den Leuten schützen" (Qur'ân 5. Sure:67)

Er liess eine Rast anordnen. Nach dem Mittagsgebet hielt er seine berühmte "Abschiedspredigt", worin er der islamischen Gemeinschaft seinen Schwiegersohn und Cousin Ali bin Ebutalip zum Gebieter ("mewla") aller Muslime erklärte und zudem zwei anvertraute Werte hinterliess, welche den Muslimen als Wegweiser ins Paradies dienen. Nämlich: Zum einen das Buch Gottes, und seine eigene durch Gott geläuterte Familie.

Deswegen ist der 18. Zilhicce ein besonderer Tag für Aleviten (wenn auch heute nicht sehr bewusst wie der Tag von Nowruz oder Ashura). An dem Festtag von Ghadir Hum ist es sogar sehr empfohlenswert zu fasten.

Beendet wird dieser kleine Artikel mit einem Auszug aus dem übersetzten Buch von Musa Aydin "Die Überlieferung von Ghadir Khumm - Einwände und Antworten". Hierbei handelt es sich um eine Aussage eines sunnitischen Gelehrten Ahmad bin Hanbal:

Imam Ahmad bin Hanbal schreibt in seinem Werk Al-Musnad: „Abdullah von seinem Vater, er wiederum von Affan, dieser von Hammad b. Salama, hingegen er von Ali bin Said und von Adiy b. Sabit und er von Beraa b. Azip berichtete: „Wir waren zusammen mit dem Propheten (saw) auf einer Reise. An einem Ort mit dem Namen Ghadir Khumm
ließen wir uns nieder.
Wir wurden aufgefordert uns zu versammeln. Ein Platz unter zwei riesigen Bäumen wurde für Rasulallah (saw) sauber gefegt. Er verrichtete das Mittagsgebet und ergriff die Hand von Ali und sprach: „Wisst ihr, dass ich mehr Macht besitze über das Leben der Gläubigen als der Gläubige über sich selbst?“ „Ja, wissen wir“ erwiderten sie. Daraufhin nahm er die Hand von Ali und sagte: „Ali ist der Herr (Maula) über alle, über die ich Herr (Maula) bin. O Allah! Liebe den, der ihn liebt und sei der Feind dessen, der ihn zum Feind hat.“ Dann kam Umar bin Khattab zu Ali und sagte: „Gratuliere, Sohn des Abu Talib! Nun bist du der Gebieter (Maula) aller gläubigen Männer und Frauen geworden!“ Dieser Hadith wird in Al-Musnad ungefähr fünfzehnmal wiederholt, an einigen Stellen sogar mit verschiedenen Überlieferern, aber wir begnügen uns mit einem.
[1]



[1] Musnadi Ahmad, B.4, S. 281
Oberste Abbildung: Der Name "'Ali" auf Arabisch auf einer Rose.
Rechte Abbildung: Erklärung zum Mewla von Imam Ali (a.s.) seitens des Propheten (s.) als Zeichnung. Kalligraphie "Haqqu 'Aliyyin sirate numsikuhu." Ungefähr auf deutsch: Das Recht 'Ali's ist der Weg, an dem wir festhalten.
Untere Abbildung: Ungefähre Lage von Ghadir Hum

Imam Ali (a.s.) in der islamischen Gnosis (Teil 2)

Abbildung von Ali bin Ebutalip.
Kalligraphie: "Es gibt keinen mutigeren Helden außer Ali, und kein Schwert außer dem Dhul-Fiqâr."

Der Unterschied zwischen Nubuvvet (Prophetentum) und Velayet (Hl. Vormundschaft)

Um das Imamet bzw. Velayet zu verstehen, muss man erst das Prophetentum (Nubuvvet) verstanden haben.[1] Resul-i Ekrem (s.a.a.) wird im Koran als das Siegel aller Propheten bezeichnet. D.h., dass nach ihm kein Prophet mehr kommen wird, ergo auch keine neue göttliche Schrift empfangen wird.

Den Einstieg in den grundlegenden Unterschied zwischen dem Prophetentum und der Führung oder kurz Heiligkeit beginnen wir mit folgender Frage:

Ein Gesandter Gottes wird nur derjenige sein, der das Lesen beherrscht. Was hat Hz. Muhammed (s.a.a.) gelesen?

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen. Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige. Der lehrte durch die Feder. Den Menschen lehrte, was er nicht wußte. (Qur'ân 96:1-5)


Das waren die ersten Offenbarungen, die der Prophet (s.a.a.) als knapp 40-jähriger empfing.
Empfing? Aber woher? Von Außen? Von der Ferne?

Der alevitischen Lehre nach, war der Prophet des Islam schon vor seiner "Berufung" zum Popheten ein Monotheist gewesen ist, jedoch war auch er bis vor seiner ersten Offenbarung nicht in der Lage gewesen, das göttliche System zu durchschauen. Bis irgendwann in der Höhle von Mekka...

Das Wissen um Gott und der Gottes System
(Sunnetullah) wurden in ihm offenbar. D.h., dass er eine Tür zur Metaphysik (Feth) öffnete, die nicht mehr zuging. Er fand Gott in seinem Herzen... und als er dies zur Sprache brachte, wurde er der Gesandte Gottes (Resulullah).
Dies war aber erst nur die Risalah, danach ca. drei Jahre später eröffneten sich ihm die Funktionen der Prophetentum (Nubuvvet). D.h., Hz. Muhammed (s.a.a.) widmete sich der Aufgabe, das Wesen und die Beschaffenheit des Menschen zu erklären, und im Zusammenhang der Sunnetullah den Me
nschen zu erhellen und einen Weg zu zeigen, im Einklang mit diesem System Gottes zu leben, und seinem Geist zu erlösen.
Das Wissen also welches die Nubuvvet behandelt ist auf diese Welt beschränkt, welches mit dem "schmecken des Todes" für den Einzelnen endet.
Die Risalah jedoch ist eine Wahrheit, die auch in der "Akhirah" (Jenseits) weiterbesteht. Die Menschheit benötigt dieses Wissen für immer. Die Risalah ist die höchste Stufe der Velayet.

Um es nochmal zusammenzufassen: Das Thema, welches die Risalah behandelt, ist der Monotheismus. Gott erkennen lassen...
Das Thema der Nubuvvet ist die Erläuterung des göttlichen Systems. Und die Handlungen eines Einzelnen im Zusammenhang jenes Systems, um die eigene Seele zu befreien.

Die Nubuvvet ist zwar mit mit Hz.Muhammed (s.a.a.) abgeschlossen, jedoch führt die Risalah, d.h. Velayet, weiter an. Zu jeder Zeit ist der Erdboden mit einem Resul-Allah gesegnet. Wir versuchen stets das Wissen jener Gesandten zu verstehen und das Beste für uns zu ziehen.

Um wieder auf historische Begebenheiten zurückzukehren:
Hz. Muhammed ist seiner Berufung als Prophet 23 Jahre lang nachgegangen. Während dieser 23 Jahre hat er viel Leid und Schmerz einstecken müssen. Defensivkriege wurden geführt, tapfere Companion, darunter
Hz. Hamza (r.a.) -der Onkel des Propheten und von Hz. Ali- sind gefallen. Sogar in einer Nacht-und-Nebel Aktion musste der Prophet seine Heimat verlassen, worauf sich Hz. Ali in dem Bett des Propheten legte, damit die Feinde, die den Propheten in jener Situation abführen wollten in eine Falle geraten. (Über jene mutige Bereitschaft von Hz. Ali existiert im Koran ein Vers.)

Aber irgendwann muss auch der Prophet aus dem Diesseits ausscheiden. Der Koran wurde komplett verfasst, die göttlichen Offenbarungen sind komplett. Die Frage ist, wer übernimmt die Führerschaft über die Ummah? Kann das jemand sein, der einfach gewählt wird, oder steckt da mehr dahinter?
Damit diese Frage beantwortet wird, muss das Leben der sogenannten Companion (also potenzielle Nachfolger des Propheten) überprüft werden.
Seine Qualitäten müssen den Qualitäten des Propheten (s.a.a.) entsprechen, er muss der meistwissende, der mutigste, der gottesfürchtigste, der gerechteste etc. sein. Nur so kann eine Gemeinschaft geleitet werden, welcher in seiner Ethik etc. dem Propheten am meisten ähnelt. Dies sind gewiss äusserliche Punkte... Aber der eigentliche Kern ist: Die Velayet gebührt nur demjenigen, der die Risalah weiterführen kann.

Und wer steht da dem Propheten näher als Imâm Ali (a.s.)?


Den zweiten Teil dieser kleine Serie wollen wir mit einem Auszug aus dem Buch "Kitâb'ul-Fevâid" des Pir Hacı Bektaş Veli's (q.s.) beenden:


FAIDE 4:
Die Zustände des Prophetentums (Nübüvvet) und der Heiligkeit (Velayet)

Der ehrenwerte Sultan
Hacı Bektaş Veli Horasani[2] sprach:
“Oh Derwisch, Wisse, dass der heilige Gesandte Gottes (s.a.a) zu seiner Zeit die vorangegangenen Propheten bestätigte indem der Vers Sag: "Gewiß, mich leitete mein Herr recht auf einen geraden Weg – auf einen geradlinigen Din, auf die Gemeinschaft von Ibrahim, der hanif war. Und er gehörte nicht zu den Götzendienern."[3] ihm offenbart wurde.
Dadurch erreicht er die Station des Glaubens (iman) und ihm wurde der Titel des “Anbetenden” (abid) verliehen. Dadurch, daß er Gottesdienst praktizierte und sein Angesicht von weltlichen Dingen abwendete[4], erreichte er das Station der Askese (züht) und erlangte den Titel eines Asketen (zahid). Die Askese ausübend, erhielt er mit dem Bittgebet “Oh mein Herr, lehre uns alle Dinge in ihrer jeweiligen Wahrhaftigkeit.” das Wissen über alle Dinge, erreichte so die Station der Gotteserkenntnis (marifet) und erlangte den Titel “Gotteserkenner” (arif).
Nachdem er die Gotteserkenntnis erlangte, wurde er von Gott (Erhaben Sei Er) mit der Gnade der Liebe (muhabbet) und Inspiration (ilham) ausgezeichnet. Er erreichte die Station der “Heiligkeit” (velayet) und er bekam den Titel “Freund (Gottes)” (veli).
Nachdem ihm die “Heiligkeit” zuteil wurde, hat Gott (der Erhabene) ihm die Gabe der Offenbarungen (vahiy) und Wunderkräfte (mucize) verliehen und sandte ihn mit seinem Segen zu den Menschen, um sie zu Gott zu führen. Angesichts dessen wurde er mit der Prophetenschaft (nübüvvet) gesegnet und erlangte die Station des “Propheten” (nebi).
Durch die Fähigkeit Offenbarungen zu erhalten und Wunder zu bewirken, hat Gott (der Erhabene) seine vorherige Schrift annuliert, ein anderes Buch herabgesandt und somit ein anderes Gesetz (şeriat) aufgestellt.
Worauf der Gesandte Gottes (s.a.a.) in die Reihe der “`Ulu’l `Azm”[5] aufgenommen wurde.
Dadurch, dass er das vorherige göttliche Gesetz (şeriat) aufhob und stattdessen ein neues Gesetz einführte, erreichte er die Station der “Besiegelung”und wurde fortan mit dem Titel “der Siegel der Propheten” (Hatem ül-Enbiya) geschmückt.
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[1] Edip Harabi ein Bektaschi (gest. Anfang 20 Jhd.) schrieb:
"Velâyetsiz asla Nübüvvet olmaz,
Nübüvvetsiz dahi velâyet olmaz,
Hakki terkeylemek hakikat olmaz,
Bunu bilmeyenler ziyan eyledi."

Ungefähr zu Deutsch:
"Ohne die Velayet kann es keine Nubuvvet geben,
Ohne die Nubuvvet kann es erst recht keine Velayet geben,
Ohne Gott erlangt man nicht die Wahrheit,
Im Nachteil ist derjenige, der darüber keine Kenntnis besitzt."

[2] "Horasani" bedeutet: "der aus Horasan stammende".

[3] Qur'ân: Sure En'am:161

[4] Wie einst der Fürst der Gläubigen 'Ali (a.s.) sprach: "Die Welt ist das, was Dich von Gott abhält."

[5] Gemeint sich nach der islamischen Tradition Noah, Abraham, Moses, Jesus und Muhammed (Friede sei mit ihnen allen). Also die Propheten, die auch unter den schwierigsten Umständen die Befehle Gottes mit all ihrer Eindringlichkeit und Genauigkeit auszuführen versuchten.

Video - Clip (Die alevitische Jugend auf dem Kirchentag 2007 in Köln)



Meğerse Aşk İmiş Canın Mayası

Ona Mihrabımış Kaşın Arası
Hakkın İşlediği Kudret Boyası
Yüzde Ben Bir İnsan Olmaya Geldim

Also ist die Gottesliebe die Essenz der Seele
Die Gebetsnische fände man zwischen den Augenbrauen
Gottes verzierende Farbe der Allmächtigkeit
Im Antlitz, so bin ich hier um Mensch zu werden*

(Nimri Dede)

Die "Saz" spielt Cem Kara (Vorsitzender des Bundes der Alevitischen Jugend NRW). Sängerin: Zeynep Lale
*Vierzeiler übersetzt von Hamza Sirin

Die Vier Tore und Vierzig Stationen (tr.: dört kapı ve kırk makam)

Die Vier Tore und 40 Gebote sind fester Bestandteil des mystisch-alevitischen Islam. Der erste Mystiker der von den 4 Toren sprach war Khoca Ahmet Yesevi (möge G_tt sein ruhmreiches Mysterium heiligen) aus dem heutigem Kazakstan (gest. 1166). Haji Bektash Veli hat zu jeden dieser Tore 10 Gebote hinzugefügt. Diese vierzig Stufen (kırk makam) basieren auf den Koran und auf den Aussprüchen des Propheten Muhammed (s.). Diese 40 Stufen, werden als Stationen akzeptiert die der Gläubige beschreitet, um ein vollkommener Mensch (Insan-i Kamil) zu werden.

Shabistari, ein Mystiker aus Tabriz (13. Jhd.) definiert den Vollkommenen Menschen als denjenigen, der den zweifachen Weg geht: hinab in die Welt der Erscheinungen (zwanzig Stufen hinab zur Erde vom Ersten Intellekt), und dann wieder hinauf zum Licht und zur göttlichen Einheit („der zwanzigstufige Bogen des Aufstiegs“). Die 4 Tore und 40 Stufen stellen die verschiedenen Ebenen der göttlichen Manifestationen und die Offenbarung des Göttlichen dar, welche am Ende im Wesen des Vollkommenen Menschen „enthüllt“ werden (Tajalli).

„Von der Ebene der Essenz zu der Ebene der Attribute, der Ebene der Handlung, der Ebene der Ähnlichkeiten und der Ebene der Sinneswahrnehmung. Der Erleuchtung der Handlungen folgt die der Namen, dann die der Attribute, und schliesslich endet jede Erfahrung mit der Erleuchtung der Essenz, die nur der Vollkommene Mensch erreichen kann.“
Siehe Annemarie Schimmel „Mystische Dimensionen des Islam“, Seite 399

Haji Bektash sprach von den 4 Toren des Pfades. Das Tor der Shari’a ist die Pforte des Gesetzes dem der Anbeter ('Abid) folgt. Das zweite Tor der Tariqa wird vom Asketen (Zahid) betreten. Daraufhin steigt der Gnostiker ('Arif) zur Ma’rifa und besitzt die Erkenntnis ('Irfan) und Gnosis. Das Tor der Haqiqa (Wirklichkeit) wird vom Liebendem (Muhibb) gefunden. Am Ende der Haqiqa wird der Muhibb beim Erreichen der 40. Stufe zum Vollkommenen Menschen.
Die Zahl 40 hat ebenfalls mehrere symbolische Bedeutungen. Zum Beispiel dafür, dass der Prophet Muhammed (s.a.a.) mit 40 Jahren zur Prophetenschaft berufen wurde. Laut den Lehren der Aleviten und Bektaschiten hat Allah die 4 Tore Adam (a.s.) über Gabriel (a.s.) vorgelegt. (siehe Ahitname, Seite 99 (1849)) ´
Ein prophetischer Ausspruch besagt: „Die Shari’a sind meine Aussprüche. Der Weg, Tariqa sind meine Pflichten. Ma’rifa ist das Haupt aller Dinge. Haqiqa ist mein seelischer Zustand“ (siehe Fevaitname, Faide 1)

Die Bektaschiten fanden in den Namen dieser vier Tore folgende Bedeutungen:

Şeriat (Shari’ah):
Shin:ش „Frei sein vom Bösen (Şerr)“,
Ra: ر„Redha-i Haqqa Tawassul" Trost finden durch den Glauben an Gottes Gnade,
Ye: يGott anrufen, wie: „Ya Allah!“,
'Ayn: ع“Handeln mit Wissen und Erkenntnis”,
Te: ت„Tenzih-i Newaki“ Sich von Verbotenem fernbleiben

Tarîkat (Tariqah):
Te: ط„Talab-i Haqq u Haqiqat“ Suche nach Wirklichkeit und Wahrheit,
Ra: ر„Riyadhat“ bedeutet asketische Disziplin,
Ye: ي„Yol-u din“ bedeutet in jeder Weise einem Bruder auf dem Wege treu zu sein,
Qaf: ق„Qana’at“ bedeutet Zufriedenheit, Anspruchslosigkeit,
Ta: ت„Taslim-i Tamm“ bedeutet vollkommene Unterwerfung (unter dem geistigen Lehrer/Murshid)

Marifet (Marifah):
Mim: م„Marifatullah“, die Erkenntnis Allahs,
’Ayn: ع Sahib-i „Aql-i Kul“ Das alleinheitliche Bewusstsein (Ur-Logos) besitzen,
Ra: ر„Reva olmayan nesnede iltizami tevakuf!” Sich nicht mit nutzlosen Dingen aufhalten

Hakîkat (Haqiqah):
Ha: حZwischen Helal (Erlaubten) und Haram (Verbotenen) unterscheiden können,
Qaf: ق “Qudrat-i Qadim e Ruju” bedeutet die Rückkehr zur ewigen und anfangslosen Allmacht Allahs,
Ye: ي“Yafal Allah ma yasha wa yaqqum ma yurid!” Gott macht, was Er will. Er herrscht, wie Er will,
Qaf: ق“Qa’im Billah” bedeutet durch Allah bestehen,
Te: ت„Turabiyah/ Tarbiya“ bedeutet Erziehung, absolute Demut und zu Staub werden

Resmi Ali Baba (Teil 4 - Schluss)

Giritli Baba’s Ansichten über Dawriyyah

(zyklisches Heranwachsen)



Dawriyyah[15] besagt, dass das Geschöpf bzw. Erschaffene zur Erde (materielle Ebene) als jamâd (lebloses Objekt), dann als Pflanze, Tier, dann als Mensch und letztendlich zum Insan-i Kamil (vollkommener Mensch) sich verwirklicht. Giritli beschreibt diese Prozedur mittels der Natur der Seele: Die Seele ist von Allah und existiert durch Seinen Willen „Kun“; „Es sei!“. Die Seele beginnt zuerst von den 'Arsh[16] (Gottes Thron), Kursi (Gottes Fussbank), durch die 7 Himmel und erreicht letztendlich die materielle Dimension der 4 Elemente, nämlich Feuer, Erde, Wasser und Luft. Die 4 Elemente sind innerhalb einer Sphäre (’âlam) begrenzt, welches unter dem Himmelsmond (tr.: ay feleği) liegt. Danach passiert die Seele durch die mawalid ul-thalatha („die drei Geburten“), welches Pflanze, Tier und Mensch darstellen.

Dawr ist ein Akt der Erschaffung. Allah hat Adam 40000 Jahre vor der Entsendung zur Erde erschaffen (ein Tag ist äquivalent zu einem Jahr). Der göttliche Befehl „Kun fa yakun“[17] erstreckte sich bis 40000 Jahre. Wenn ein Mensch die besagte Begabung (istidat) besitzt, so kann dieser diesen Prozess mit dem göttlichem Befehl des „kûn!“ erkennen, wenn der Mensch vom âlam-i ijmal zum âlam-i tafsil hinaufsteigt, und dann wieder zurückkehrt („fa yakun“). Das Erreichen des Arsh steht für Ahsan ul-Taqwim (beste Form).

In jenem Prozess des Auf- und Hinabsteigens wird als der sogenannte Startpunkt Ahlâq-i Zamîma (degenerierte Ethik) und als Zielmarke Ahlâq-i Hamîda (lobenswerte Ethik) bezeichnet. Er verlässt Misstrauen (su-i zann) und daraufhin gutes Denken (hüsn-i zann). Laut Giritli erreicht so ein Mensch die Vervollkommnung (Insan-i Kamil). Der Zyklus (dawr) ist für die menschliche Seele etwas eigenartiges und vielleicht auch etwas einzigartiges. Obwohl z.B. Engel auch so einen Zyklus durchschreiten wollen, ist es denen nicht gestattet.

In der Nacht der Himmelsfahrt (Mi’raj), erblickte Ahmad einen Engel und fragte,
„Wie lange existierst Du schon?“
Der Engel antwortete, „Dort ist ein Stern, welches alle 1001 Jahre aufleuchtet.
Ich sehe, wie es 100 male pro 100 mal erscheint.“
Der Prophet fragte dann: „Was wünschest Du dir von dem Hohem (al-’azeem)?“
Der Engel antwortete: „Er hat ein exzellentes Haus, geschmückt und verziert.
Um dieses Haus Willen rotieren alle Sterne um die Sphären des Himmel.
Meine Sehnsucht und letztendliches Streben gilt diesem Ort.
Ich wünsche mir dieses Haus zu betreten und mein Ziel zu erreichen.
Jenes Haus zu sehen und zu hören ist mein einziger Wunsch.
Es ist ein Haus in der Gestalt eines Jemanden in welchem das Barmherzige sich verbirgt.
Die Generationen sollten kommen und Gäste sein.
So viele Tausenden von Jahren… Man geht fort und in Sehnsucht nach diesem Haus kehrt man zurück.
Oh weh!!! Du vergisst dein eigenen „Asl’ “, wenn Du das Haus betretest.
In diesem Haus, schau auf deine Seele und sieh, dass die Realität in dir und von dir gesehen wird.
Binde dich nicht an die niedrige Welt, denn nur Gott ist absolut!
In jenem Haus, bei welchem Du während deiner Himmelsfahrt ankamst.
Kannst Du den Wein trinken, welches Dich berauscht!“

Giritli Baba ist der Ansicht, dass der Mensch das Haus Gottes ist. Das höchste Ziel eines Menschen ist es, in Vollkommenheit eins zu werden.
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[15]Der Mensch ist als Materie durch die Fusion des väterlichen Samen und des mütterlichen Uterus erschaffen. Der Samen wurde durch die verschiedenen Nahrungen, die der Vater in seinem alltäglichem Leben einnimmt. Diese sind Mineralien von sowohl lebender als auch unbelebter Natur. Jene Mineralien entstehen widerum durch die Fusion der vier Elemente (Feuer, Luft, Erde und Wasser) und der Himmelsspähren. Die Himmelssphären und deren Sterne, waren schon vorher im göttlichem Wissen vorhanden, und haben sich letztendlich enthüllt.
Das Wissen Gottes hat also die Sterne und die Himmelsspähren hervorgebracht. Durch das Drehen der Sphären kommen die vier Elemente zustande, durch dessen Fusion sich leblose und lebende Mineralien äussern. Diese wiederum beeinträchtigen durch äusserliche Einnahme die Körperflüssigkeiten von Mann und Frau.
Mevlana Rumi sagte in seinem Mathnawi: “Ich starb als Mineral und wurde eine Pflanze. Ich starb als Pflanze und stieg empor als Tier. Ich starb als Tier und wurde ein Mensch.” Jene die Rumi’s Worte nicht verstanden haben, bezichtigten ihn deshalb des Unglaubens.
Oder in anderen Worten: Bevor der Mensch durch die Körperflüssigkeiten von Vater und Mutter den Geburtsprozess begann, war es in der Welt der Mineralien (‘alâm-i mufredat), also in atomaren Teilen. Davor war es in den vier Elementen und in den Himmelssphären. Und all dies findet seinen Ursprung im Wissen Gottes. Durch das Wissen Gottes befindet sich der Mensch vor dessen endgültiger Menschwerdung in einem Zyklus Kräfte und Materien, dessen Zeit lauf Sufis 50.000 Jahre beträgt. Dawriyya/ Devriye darf nicht mit Reinkarnation verwechselt werden.
Wenn Bektaschiten von Devriye eines jeden Einzelnen sprechen, dann von dem Bewusstsein, Wissens- und Erleuchtungsgrad, welche sich unterschiedlich zeitlich bemerkbar machen.

[16]Interessanterweise bedeutet “Arş“ laut den unfehlbaren Imamen (a.s.) das Wissen (und Herrschaft) Gottes. Siehe Usul al-Kafi, Bâb’ul Arshi wa Kursi.

[17]Siehe Qur’ân, Surah al-Yasîn (36): Vers 82

Imam Ali (a.s.) über Imam Ali

"I am the dot under the letter b of the bismillah. I am that aspect of God about you have been indifferent. I am the pen (qalam), I am the guarded table (lahw), I am the Throne ('arsh), I am the Chair (kursi), I am the seven heavens and the earth (samawati sabb wa ardhina sabb)."

(Preface to Sharh Fusoos al-Hukm, Section 8, p. 32, by Shaikh Dawud ibn Mahmud al-Qaisari)

Das Gottesbild der Aleviten

Dieser Artikel ist aus dem Buch "Zum Profil alevitischer Kinder- und Jugendarbeit in NRW" entnommen.
Das Alevitentum ist ein monotheistischer [1] Glaube und führt wie auch das Judentum, das Christentum und der Islam zu Abraham zurück, der erkannte, dass es nur einen Gott gibt. Die Einheit Gottes wird bei den Aleviten Tevhid genannt. Das Gottesbild ist im Alevitentum nicht anthropomorp [2] gesinnt. Dies bedeutet, dass Gott keine menschlichen Züge oder Verhaltensweisen, wie es vor allem in den altgriechischen und -römischen oder hinduistischen Göttern der Fall ist, zugeschrieben wird. Sondern das alevitische Gottesbild definiert sich nach dem Prinzip der Einheit des Seins (Vahdet-i Vücud), das von dem bekannten Mystiker Ibn Arabi (13. Jhdt. n. Chr.) systematisiert wurde. Diese Anschauung besagt, dass Gott in all seinen Schöpfungen existiert. Der Erschaffer ist hiernach im Erschaffenen. Jedoch bedeutet dies nicht wie im Pantheismus [3], dass Gott auf seine Schöpfungen zu reduzieren ist. Er existiert auch über diese hinaus. Aleviten glauben nicht an einen persönlichen Gott, sondern sehen ihn vor allem in all seinen mannigfaltigen Erschaffungen. Ein Ausspruch, der dem Gelehrten Hacı Bektaş Veli (siehe Antwort 16) zugeschrieben wird, lautet: „Das Universum ist die sichtbare Gestalt Gottes." Vor allem der Mensch, der als höchste Schöpfung Gottes gilt, birgt eine göttliche Kraft (kutsal güç) in sich. Das Alevitentum wird häufig auch als Weg (yol) bezeichnet, diese heilige, göttliche Kraft in sich zu wecken. Der Weg der vier Pforten und vierzig Stufen (dört kapı, kırk makam; s. Antwort 5) hat das Ziel, den Menschen zu einem vollkommenen, weisen Menschen zu machen. Ein solcher Mensch hat durch ein tugendhaftes Leben den Einklang mit Gott erlangt. Der Mystiker Hallac-ı Mansur hat diese gnostische [4]"Ene'l Hak!" ausgedrückt und geprägt. „Ene'l Hak" bedeutet vom Arabischen ins Deutsche übersetzt: „Ich bin die absolute Wahrheit". Hak ist darüber hinaus einer der 99 Namen Gottes im Islam und ist der von den Aleviten am häufigsten verwendete Gottesterminus. Mansur drückte hiermit seine mystische Erfahrung aus, mit Gott Eins geworden zu sein. Einen ähnlichen Zustand drückt der christliche Mystiker Angelus Silesius (17. Jhdt. n. Chr) folgendermaßen aus: „Das Tröpflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen, die Seele Gott, wenn sie in Gott ist aufgenommen".Der Mensch, der diesen Zustand erlangt hat, wird im Alevitentum İnsan-i Kamil (vollkommener, vollendeter Mensch) genannt. Des Weiteren existiert im Alevitentum keine Furcht vor Gott, sondern nur eine unendliche Liebe ihm gegenüber. Die islamische Mystikerin Rabia al-Adawiyya (9. Jhdt. n. Chr.) formulierte es so: „Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern nur noch um Seiner ewigen Schönheit willen".Aleviten beten nicht aus Furcht vor der Hölle oder aufgrund der Hoffnung, dass Gott ihnen einen Platz im Paradies zuspricht, sondern nur aus Liebe zu ihm. Der Begriff aşk (Liebe) wird häufig in alevitischen Gedichten und in den Cem-Zeremonien verwendet und drückt die Liebe zu Gott aus.



[1] Monotheismus = Glaube an einen einzigen Gott
[2] Anthropomorphismus = Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Götter, Tiere, Naturgewalten etc.
[3] Pantheismus = Glaube an das Göttliche in allen Erscheinungen der Welt, Gott und die Welt sind identisch
[4] Gnostik = alle religiöse Richtungen, die die Erlösung durch (philosophische) Erkenntnis von Gott und der Welt suchen

(Anm.: Die kursiven Termini sind türkisch bzw. arabischen Originals)