Resmi Ali Baba (Teil 4 - Schluss)

Giritli Baba’s Ansichten über Dawriyyah

(zyklisches Heranwachsen)



Dawriyyah[15] besagt, dass das Geschöpf bzw. Erschaffene zur Erde (materielle Ebene) als jamâd (lebloses Objekt), dann als Pflanze, Tier, dann als Mensch und letztendlich zum Insan-i Kamil (vollkommener Mensch) sich verwirklicht. Giritli beschreibt diese Prozedur mittels der Natur der Seele: Die Seele ist von Allah und existiert durch Seinen Willen „Kun“; „Es sei!“. Die Seele beginnt zuerst von den 'Arsh[16] (Gottes Thron), Kursi (Gottes Fussbank), durch die 7 Himmel und erreicht letztendlich die materielle Dimension der 4 Elemente, nämlich Feuer, Erde, Wasser und Luft. Die 4 Elemente sind innerhalb einer Sphäre (’âlam) begrenzt, welches unter dem Himmelsmond (tr.: ay feleği) liegt. Danach passiert die Seele durch die mawalid ul-thalatha („die drei Geburten“), welches Pflanze, Tier und Mensch darstellen.

Dawr ist ein Akt der Erschaffung. Allah hat Adam 40000 Jahre vor der Entsendung zur Erde erschaffen (ein Tag ist äquivalent zu einem Jahr). Der göttliche Befehl „Kun fa yakun“[17] erstreckte sich bis 40000 Jahre. Wenn ein Mensch die besagte Begabung (istidat) besitzt, so kann dieser diesen Prozess mit dem göttlichem Befehl des „kûn!“ erkennen, wenn der Mensch vom âlam-i ijmal zum âlam-i tafsil hinaufsteigt, und dann wieder zurückkehrt („fa yakun“). Das Erreichen des Arsh steht für Ahsan ul-Taqwim (beste Form).

In jenem Prozess des Auf- und Hinabsteigens wird als der sogenannte Startpunkt Ahlâq-i Zamîma (degenerierte Ethik) und als Zielmarke Ahlâq-i Hamîda (lobenswerte Ethik) bezeichnet. Er verlässt Misstrauen (su-i zann) und daraufhin gutes Denken (hüsn-i zann). Laut Giritli erreicht so ein Mensch die Vervollkommnung (Insan-i Kamil). Der Zyklus (dawr) ist für die menschliche Seele etwas eigenartiges und vielleicht auch etwas einzigartiges. Obwohl z.B. Engel auch so einen Zyklus durchschreiten wollen, ist es denen nicht gestattet.

In der Nacht der Himmelsfahrt (Mi’raj), erblickte Ahmad einen Engel und fragte,
„Wie lange existierst Du schon?“
Der Engel antwortete, „Dort ist ein Stern, welches alle 1001 Jahre aufleuchtet.
Ich sehe, wie es 100 male pro 100 mal erscheint.“
Der Prophet fragte dann: „Was wünschest Du dir von dem Hohem (al-’azeem)?“
Der Engel antwortete: „Er hat ein exzellentes Haus, geschmückt und verziert.
Um dieses Haus Willen rotieren alle Sterne um die Sphären des Himmel.
Meine Sehnsucht und letztendliches Streben gilt diesem Ort.
Ich wünsche mir dieses Haus zu betreten und mein Ziel zu erreichen.
Jenes Haus zu sehen und zu hören ist mein einziger Wunsch.
Es ist ein Haus in der Gestalt eines Jemanden in welchem das Barmherzige sich verbirgt.
Die Generationen sollten kommen und Gäste sein.
So viele Tausenden von Jahren… Man geht fort und in Sehnsucht nach diesem Haus kehrt man zurück.
Oh weh!!! Du vergisst dein eigenen „Asl’ “, wenn Du das Haus betretest.
In diesem Haus, schau auf deine Seele und sieh, dass die Realität in dir und von dir gesehen wird.
Binde dich nicht an die niedrige Welt, denn nur Gott ist absolut!
In jenem Haus, bei welchem Du während deiner Himmelsfahrt ankamst.
Kannst Du den Wein trinken, welches Dich berauscht!“

Giritli Baba ist der Ansicht, dass der Mensch das Haus Gottes ist. Das höchste Ziel eines Menschen ist es, in Vollkommenheit eins zu werden.
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[15]Der Mensch ist als Materie durch die Fusion des väterlichen Samen und des mütterlichen Uterus erschaffen. Der Samen wurde durch die verschiedenen Nahrungen, die der Vater in seinem alltäglichem Leben einnimmt. Diese sind Mineralien von sowohl lebender als auch unbelebter Natur. Jene Mineralien entstehen widerum durch die Fusion der vier Elemente (Feuer, Luft, Erde und Wasser) und der Himmelsspähren. Die Himmelssphären und deren Sterne, waren schon vorher im göttlichem Wissen vorhanden, und haben sich letztendlich enthüllt.
Das Wissen Gottes hat also die Sterne und die Himmelsspähren hervorgebracht. Durch das Drehen der Sphären kommen die vier Elemente zustande, durch dessen Fusion sich leblose und lebende Mineralien äussern. Diese wiederum beeinträchtigen durch äusserliche Einnahme die Körperflüssigkeiten von Mann und Frau.
Mevlana Rumi sagte in seinem Mathnawi: “Ich starb als Mineral und wurde eine Pflanze. Ich starb als Pflanze und stieg empor als Tier. Ich starb als Tier und wurde ein Mensch.” Jene die Rumi’s Worte nicht verstanden haben, bezichtigten ihn deshalb des Unglaubens.
Oder in anderen Worten: Bevor der Mensch durch die Körperflüssigkeiten von Vater und Mutter den Geburtsprozess begann, war es in der Welt der Mineralien (‘alâm-i mufredat), also in atomaren Teilen. Davor war es in den vier Elementen und in den Himmelssphären. Und all dies findet seinen Ursprung im Wissen Gottes. Durch das Wissen Gottes befindet sich der Mensch vor dessen endgültiger Menschwerdung in einem Zyklus Kräfte und Materien, dessen Zeit lauf Sufis 50.000 Jahre beträgt. Dawriyya/ Devriye darf nicht mit Reinkarnation verwechselt werden.
Wenn Bektaschiten von Devriye eines jeden Einzelnen sprechen, dann von dem Bewusstsein, Wissens- und Erleuchtungsgrad, welche sich unterschiedlich zeitlich bemerkbar machen.

[16]Interessanterweise bedeutet “Arş“ laut den unfehlbaren Imamen (a.s.) das Wissen (und Herrschaft) Gottes. Siehe Usul al-Kafi, Bâb’ul Arshi wa Kursi.

[17]Siehe Qur’ân, Surah al-Yasîn (36): Vers 82

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