Zum Musikprojekt "Tell Kur'ân"

Geehrte Leser unseres Blogs,

junge Menschen aus der so genannten Klingenstadt Solingen haben ein ehrwürdiges Projekt gestartet, dessen Einnahmen einen Brunnenbau in einem afrikanischem Entwicklungsland zu Gute kommen wird! Dieses Projekt ist ein Musikprojekt, welches den Titel "Telli Kur'ân" (dt.: der saitige Koran) trägt. Hierfür haben junge alevitische Musiker zwölf Alevî-Bektâschi Hymnen musiziert und diese als CD herausgegeben. Die Musik-CD wird mit einem Booklet gegen eine Spende gegeben. Auch wir hatten die Ehre, dieses Projekt zu untersützen, indem wir die möglichen Bedeutungen der gesungenen zwölf Hymnen ausgearbeitet haben, so dass diese ihren Platz im erwähnten CD-Booklet finden konnten.

Bitte untersützen Sie dieses ehrwürdige Projekt. Mehr Informationen finden Sie auf den Seiten des sozialen Netzwerkes Facebook:

Facebook: Musikprojekt Telli Kur'ân

Hacı Bektâş Velî über die Definition des Sufismus (tasawwuf)



Ya 'Ali Madad
Man befragte Hacı Bektaş Veli (q.s.) über die Bedeutung des Sufismus. Er antwortete: „Es bedeutet alles [Weltliche] zu vergessen was Du im Sinn hast. Und alles was Du besitzt weiterzugeben. Und Du würdest dasselbe tun, wie derjenige, der in einen Brunnen fällt.



Der Schleier zwischen dem Herrgott und Seinem Diener ist nicht der Erdboden und auch nicht die Himmelsschichten und auch nicht der Thron und die Fußbank (arş ve kürsi). Stell dir vor, dass der Schleier aus dem „Du und Ich“ besteht.

(Aus dem Übersetzungsprojekt "Kitâb'ul-Fevâid - Das Buch der nützlichen Ratschläge")

Warum Bektaschi? - Teil 2 [Aktives zuhören]


وَإِذَا قُرِئَ الْقُرْآنُ فَاسْتَمِعُواْ لَهُ وَأَنصِتُواْ لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ

Und wenn der Koran verlesen wird, so hört zu und schweigt, 
damit ihr Barmherzigkeit findet. 
(A'râf: 204)


Sehr geehrte Leser,

wie manch' einer sicherlich festgestellt, knüpft der Schreiber dieses Blogs öfters an Postings, welche lange Zeit schon vorher verfasst wurden. Auch dieser Artikel ist eines von erwähnter unkonventioneller Natur. 
Es ist zwar nicht zwingend erforderlich, den 1. Teil der Reihe "Warum Bektaschi?" zu lesen, jedoch für den neugierigen und interessierten Leser nicht vorzuenthalten:

Das Thema, welches wir uns nun widmen möchten, ist eines der Disziplinen auf dem Pfade des Bektaschi-Ordens: das aktive Zuhören.

Wenn Islam "Ergebung unter dem Willen [iradah] Gottes" bedeutet, so muss diese Ergebung mit der Einkleidung mit dem Namen Gottes al-Murîd zusammenhängen. Auch wenn der das Attribut "al-Murîd" nicht in der klassische Aufzählung der 99 Namen Gottes aufzufinden ist, so sind sich die Mystiker im Islam einig, dass auch der Name "al-Murîd" (so wie auch beispielsweise El Mütekellim – El Mevcud – Eş Şey – El Ezel) zu den Eigenschaften Gottes gehören.

Um die "Ergebung unter dem Willen Gottes" zu verwirklichen, muss der Wille des Einzelnen (Murîd) vorhanden sein. Die Verwirklichung manifestiert sich der Symbolik des Weges (Tarîqah), welches aus den verschiedenen Stufen und Schritte besteht, die zu Gott führen.

Um den geistigen Pfad zu betreten, braucht der Novize (Murîd) einen geistigen Wegweiser (Murshid), der ihn durch die diversen Stationen (beg-)leitet und ihm den Weg zum Ziel zeigt.

Was hier missverstanden werden kann, ist die angebliche Rolle des "vorkauenden" Meisters. Der Meister ist -um dies mit einem "modernen" Terminus zu betonen- ein Berater! Der Novize muss gewisse Fähigkeiten besitzen und anwenden, um den Pfad zu wandern: das aktive Zuhören.

Das Zuhören ist zwar nicht die einzigste Disziplin, dennoch aber eine sehr wichtige! 

An dieser Stelle möchten wir kurz zwei Mystiker (wenn auch keine Bektaschis) aus Anatolien zitieren:

Das Derwischtum ist ein sehr leichter. mit Stationen verknüpfter Weg... 
für denjenigen, der zuhört!
Das Derwischtum ist ein sehr schwieriger und problematischer Weg... 
für denjenigen, der nicht zuhört!
Pîr Nurreddîn Cerrahî (18. Jhd.)

Was soll ich demjenigen lehren, dessen Geist und Herz, nicht die Leistung 
und dessen Ohr nicht die Fähigkeit besitzt, 
die Impulse der göttlichen Wahrheiten zu tragen?
Hz. Mevlâna Celaleddîn Rumî

Das Zuhören verleiht dem Wanderer gewisse Qualitäten. Wer zuhört, der schweigt. Wer schweigt, der beweist Anstand (Edep). Der Anstand verleiht dem Novizen die Fähigkeit, in der gesamten Schöpfung Gottes Namen zu erblicken. Wer Gottes Namen erblickt, der ist sich Seiner Qualitäten/Namen bewusst. Wer sich Seiner Qualitäten bewusst ist, der kleidet sich mit Seinen Namen ein gemäss dem Prophetenwort: "Takhallqû bi-Akhlâq Allah".

Der edle Qur'ân beschreibt in seiner berechtigten aber auch nicht nur dualistischen Lehrweise von denjenigen die den Propheten und Heiligen Gehör schenkten, und das Prädikat "Gläubige" verdienten, und denjenigen, die kein Gehör schenkten, als "die schlimmer sind als Tiere" (A'râf: 129).

Der Adept (Murîd) versteht das aktive Zuhören als die Empfängnis von göttlicher Barmherzigkeit. 
Der Dienst an den Pfad (tr.: yola hizmet) setzt das Zuhören voraus, gemäss dem edlen Qur'ân-Vers: 

 وَقَالُواْ سَمِعْنَا وَأَطَعْنَا غُفْرَانَكَ رَبَّنَا وَإِلَيْكَ الْمَصِيرُ
Und sie sprechen: »Wir hören und gehorchen. Schenke uns Deine Vergebung, unser Herr! Und zu Dir ist die Heimkehr!« (Bakara: 285)

Bemerkenswert ist: das Gehorsam setzt das Zuhören voraus. Das Gehorsam ist lt. des Bektaschi-Ordens der Dienst (tr.: hizmet), während im Gegenzug Himmet (Hohes Streben des Heiligen) empfangen wird. Das Gebot/Befehl des Meister (tr.: Mürşidin emri) ist in Wirklichkeit die Animation (tr.: özendirmek), um auf den Pfad voranzuschreiten.

Aber auch das Zuhören ist auf metaphysischer Ebene von Bedeutung.
Den Propheten wird durch das Gehör die Offenbarungen Gottes zuteil, wie folgender Vers belegt:
وَأَنَا اخْتَرْتُكَ فَاسْتَمِعْ لِمَا يُوحَى
Und Ich habe dich auserwählt (oh Moses). Höre, was geoffenbart wird! (TaHa: 13) 

Das Beispiel an Abraham [a.s.] zeigt, dass auch Gott der Hörende ist:

وَإِذْ يَرْفَعُ إِبْرَاهِيمُ الْقَوَاعِدَ مِنَ الْبَيْتِ وَإِسْمَاعِيلُ رَبَّنَا تَقَبَّلْ مِنَّا إِنَّكَ أَنتَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ
Und als Abraham und Ismael die Grundmauern des Hauses legten, (sprachen sie:) »O unser Herr! Nimm es von uns an. Siehe, Du bist der Hörende, der Wissende. (Bakara: 127)
 
Gott als der Hörende, nimmt in diesem Kontext unsere Gebete an. Wäre es dem Leser verwunderlich, wenn wir in diesem Kontext nun auf die Formel verweisen "Semi’allâhu limen hamideh." (Gott hört den, der Ihn lobt), welches im rituellen Gebet unmittelbar nach der Verneigungspostion ausgesprochen wird.

In seinen Schriften erklärt der Mystiker Muhyiddin Arabî, dass die Offenbarungen aus der Hakikat-i Muhammediyye mittels dem Erzengel Gabriel (welcher als Aql-i Muhammdiyye bezeichnet wird) in das Qalb-i Muhammediyye (Muhammedanisches Herz) gelegt wird. (siehe Prof. Dr. Mahmud Erol Kılıç, "Tasavvufa Giriş", S. 292, Verlag: Sufi Kitap) 
Aus den zitierten Qur'ân-Versen wird unmissverständlich klar, dass für die "göttliche Einkanalisierung" das menschliche Organ nämlich Ohr zuständig ist.

Imam Ali [a.s.] hat das Herz ist als "Ackerfeld" bezeichnet. In seinem Testament an seinen ältesten Sohn Imam Hassan [a.s.] sagte er: "Das Herz eines Kindes ähnelt einen unbeackertem Feld, welches all das annimmt, was man säät. Aus diesem Grunde habe ich Dich (oh Hassan) so früh erzogen , bevor dein Herz verhärtet [d.h. unempfänglich] wurde und bevor Du dich mit anderen Dingen beschäftigt hast." (Quelle Wasail a-Shia, Band 15, S. 197)

In der Alevî-Bektashî Tradition wird einem Baby an dessen 40. Tag in das rechte Ohr der Azan (Gebetsruf) und in das linke Ohr der Iqama (Gebetsaufruf) verlesen. Der 40. Tag gilt für ein Neugeborenes das Erreichen einer Vollkommenheit. Daher empfiehlt die Tradition, das Verlesen vollkommener Worte am 40. Tag. 

Abschließend möchten wir diesen Artikel mit einem nichtdetaillierten Beispiel aus der Alevî-Bektashî Tradition beenden. Die Disziplin des aktiven Zuhörens wird in bektaschitischen Konvents (tr.: Dergâh) praktiziert. Ein Dergâh ist eine spirituelle Schule, in der "Logenarbeiten" praktiziert werden. Eine jener Arbeiten stellt das "Mahl 'Alis" (tr.: Ali sofrası) dar. Hier wird unter der Leitung eines Babas oder zuletzt eines Derwisch's ein Lehrgespräch geführt, wobei auch gleichzeitig i.d.R. zu Abend gegessen wird. Die tatsächliche Nahrung ist jedoch das Wissen, welches der Baba lehrt. Da jedoch das Wissen keine Materie ist, sieht die Tradtion vor, das Wissen mit Verzehr von Nahrung zu lehren.
Auch dies hat seinen Ursprung bei Imam Ja'far as-Sâdiq [a.s.]. Der sechste Imam erläuterte den Qur'ân-Vers 
فَلْيَنظُرِ الْإِنسَانُ إِلَى طَعَامِهِ
"So betrachte der Mensch doch einmal seine Nahrung!" Abasa: 24
mit den Worten: "Der Mensch möge sich um das Wissen kümmern, welches er sich aneignet." Aus den Überlieferungen des Gottgesandten [s.a.a.] geht hervor: "Zweifellos ist der Qur'ân eine göttliche Nahrung. Sieht zu, inwiefern es in eurem Ermessen liegt, diese göttliche Nahrung zu sich zu nehmen."


Die Dekoration "Mahl Ali's" im Alevî-Bektashî Konvent in Hausen (Wied).

Die wirkliche Nahrung wird hier also durch das "Gehör" verzehrt.

Quellen:

5. Muharram

Hier ein kleiner, jedoch aussagekräftiger Artikel gepostet von einem Freund namens Cem Aydogdu (Istanbul am 26.11.11 // 01. Muharram 1433)

This is the first day of the Islamic new year, however instead of parties and celebration it is marked by sorrow and reflection. For many it is the beginning of a period of fasting and austerity.
The first ten day of Muharrem are remembered for the tragedy of Karbala ending with the martyrdom of Hz. Hussein the grandson of the Prophet Muhammed (Peace be upon him and his family) and his household, friends and retainers on the tenth day called Ashura, (the tenth in Arabic).
While something that happened almost 1400 years ago might seem to have little relevance in our day and age, there is a saying among the people who love and respect the Ehli beyt ( the household of the Prophet(pbuh&hf) ) that goes “Everyday is Ashura, everyplace is Karbala”. I will explain.
What Hz. Hussein and those who followed him did was refuse to bow to oppression, to fight for the spiritual independence of the people. They took a stand against the corruption of values, a stand for humanity against the political takeover of a few greedy men who wanted to control everything and everyone. In effect the origins of the stand of the 99% against the 1%. What is going on in the world today is no different to what happened then. Wall Street is Karbala, London is Karbala, New Orleans is Karbala, Afghanistan is Karbala, Burma is Karbala, Tibet is Karbala. The list is long, too long. Everyplace that humanity is oppressed, where the basic rights of people are denied or repressed that place is Karbala. And every time someone takes a stand against that oppression, that time is Ashura.
Though the sands of Karbal were stained with the blood of that most Holy Rebel and his followers on that sorrowful day the 10th of October 680 AD (10 Muharrem 61Hijri) the heroic stand of 78 souls against 30,000, a battle that was fought with swords, spears and arrows, a battle that lasted from sunrise to mid-afternoon, a battle fought by 78 men who had been deprived of water for days, was not a defeat but rather a victory of valor and virtue over corruption and greed. It provided a tremendous burst of judicial energy that we are all still tapping regardless of our religions or ideologies. For truly justice is the foundation of freedom.

Ya Huseyin | Heute ist der 1. Muharram

Geehrte Leser,

die nächsten 10 Tage (bzw. bis zu 40 Tagen) stellen für die Bektaschiten Trauertage dar. Der Grund dafür ist das Martyrium in Kerbala des Enkelkind des Gottgesandten Muhammed [Friede sei auf Ihm und seiner Familie] namens Huseyin bin 'Ali.

Viel historisches möchten wir zu Kerbela vorerst noch nicht sagen, da der Gemütszustand etwas anderes sagt.

Anfänglich möchten wir nur zwei auf unsere vorigen Postings verweisen. Zum einen werden die täglichen Anrufungen und Erwähnungen (ezkâr), und zum anderen einen Film über die Karawane Huseyins.
Litaneien
Full Movie: Caravan of Pride

YA HUSEYIN...

Bismi Shah! Allah Allah!

Salamullah ala Husayn wa 'ala Awladi Husayn wa 'ala As-habi Husayn...La'natullah 'ala Yazid wa 'ala Qawmi Yazid wa 'ala As-habi Yazid, Sad hezar la'nat... Ya Imam Husayn, HU Dost!

The Peace of God be on Husayn and on the Children of Husayn and on the Companions of Husayn. Damnation be on Yazid and on the People of Yazid and on the Companions of Yazid! A hundred thousand curses! O Imam Husayn! HU Dost!
aus dem "Bektashî 'Ilmihâl"