Das Fest von Ghadir Hum

Der Faqîr gratuliert allen Anhängern der Ehl-i Beyt (Familie des Propheten Muhammed) zum Festtag von Ghadir Hum. Ghadir Hum ist ein Ort welches auf halber Strecke zwischen Mekka und Medina liegt. Am 18. Zilhicce 10 nach islamscher Zeitrechnung passierte der Prophet Muhammed (s.) nach seiner Wallfahrt mit anderen sehr zahlreichen Muslimen jenen Ort, welches übersetzt "Brunnen von Hum" bedeutet. Er empfing eine Offenbarung Gottes:

"Oh Botschafter, verkünde was zu dir gesandt wurde von deinem Gott; und wenn du es nicht tust, hast du nichts von Seiner Botschaft überbracht; und Allah wird dich vor den Leuten schützen" (Qur'ân 5. Sure:67)

Er liess eine Rast anordnen. Nach dem Mittagsgebet hielt er seine berühmte "Abschiedspredigt", worin er der islamischen Gemeinschaft seinen Schwiegersohn und Cousin Ali bin Ebutalip zum Gebieter ("mewla") aller Muslime erklärte und zudem zwei anvertraute Werte hinterliess, welche den Muslimen als Wegweiser ins Paradies dienen. Nämlich: Zum einen das Buch Gottes, und seine eigene durch Gott geläuterte Familie.

Deswegen ist der 18. Zilhicce ein besonderer Tag für Aleviten (wenn auch heute nicht sehr bewusst wie der Tag von Nowruz oder Ashura). An dem Festtag von Ghadir Hum ist es sogar sehr empfohlenswert zu fasten.

Beendet wird dieser kleine Artikel mit einem Auszug aus dem übersetzten Buch von Musa Aydin "Die Überlieferung von Ghadir Khumm - Einwände und Antworten". Hierbei handelt es sich um eine Aussage eines sunnitischen Gelehrten Ahmad bin Hanbal:

Imam Ahmad bin Hanbal schreibt in seinem Werk Al-Musnad: „Abdullah von seinem Vater, er wiederum von Affan, dieser von Hammad b. Salama, hingegen er von Ali bin Said und von Adiy b. Sabit und er von Beraa b. Azip berichtete: „Wir waren zusammen mit dem Propheten (saw) auf einer Reise. An einem Ort mit dem Namen Ghadir Khumm
ließen wir uns nieder.
Wir wurden aufgefordert uns zu versammeln. Ein Platz unter zwei riesigen Bäumen wurde für Rasulallah (saw) sauber gefegt. Er verrichtete das Mittagsgebet und ergriff die Hand von Ali und sprach: „Wisst ihr, dass ich mehr Macht besitze über das Leben der Gläubigen als der Gläubige über sich selbst?“ „Ja, wissen wir“ erwiderten sie. Daraufhin nahm er die Hand von Ali und sagte: „Ali ist der Herr (Maula) über alle, über die ich Herr (Maula) bin. O Allah! Liebe den, der ihn liebt und sei der Feind dessen, der ihn zum Feind hat.“ Dann kam Umar bin Khattab zu Ali und sagte: „Gratuliere, Sohn des Abu Talib! Nun bist du der Gebieter (Maula) aller gläubigen Männer und Frauen geworden!“ Dieser Hadith wird in Al-Musnad ungefähr fünfzehnmal wiederholt, an einigen Stellen sogar mit verschiedenen Überlieferern, aber wir begnügen uns mit einem.
[1]



[1] Musnadi Ahmad, B.4, S. 281
Oberste Abbildung: Der Name "'Ali" auf Arabisch auf einer Rose.
Rechte Abbildung: Erklärung zum Mewla von Imam Ali (a.s.) seitens des Propheten (s.) als Zeichnung. Kalligraphie "Haqqu 'Aliyyin sirate numsikuhu." Ungefähr auf deutsch: Das Recht 'Ali's ist der Weg, an dem wir festhalten.
Untere Abbildung: Ungefähre Lage von Ghadir Hum

Imam Ali (a.s.) in der islamischen Gnosis (Teil 2)

Abbildung von Ali bin Ebutalip.
Kalligraphie: "Es gibt keinen mutigeren Helden außer Ali, und kein Schwert außer dem Dhul-Fiqâr."

Der Unterschied zwischen Nubuvvet (Prophetentum) und Velayet (Hl. Vormundschaft)

Um das Imamet bzw. Velayet zu verstehen, muss man erst das Prophetentum (Nubuvvet) verstanden haben.[1] Resul-i Ekrem (s.a.a.) wird im Koran als das Siegel aller Propheten bezeichnet. D.h., dass nach ihm kein Prophet mehr kommen wird, ergo auch keine neue göttliche Schrift empfangen wird.

Den Einstieg in den grundlegenden Unterschied zwischen dem Prophetentum und der Führung oder kurz Heiligkeit beginnen wir mit folgender Frage:

Ein Gesandter Gottes wird nur derjenige sein, der das Lesen beherrscht. Was hat Hz. Muhammed (s.a.a.) gelesen?

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen. Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige. Der lehrte durch die Feder. Den Menschen lehrte, was er nicht wußte. (Qur'ân 96:1-5)


Das waren die ersten Offenbarungen, die der Prophet (s.a.a.) als knapp 40-jähriger empfing.
Empfing? Aber woher? Von Außen? Von der Ferne?

Der alevitischen Lehre nach, war der Prophet des Islam schon vor seiner "Berufung" zum Popheten ein Monotheist gewesen ist, jedoch war auch er bis vor seiner ersten Offenbarung nicht in der Lage gewesen, das göttliche System zu durchschauen. Bis irgendwann in der Höhle von Mekka...

Das Wissen um Gott und der Gottes System
(Sunnetullah) wurden in ihm offenbar. D.h., dass er eine Tür zur Metaphysik (Feth) öffnete, die nicht mehr zuging. Er fand Gott in seinem Herzen... und als er dies zur Sprache brachte, wurde er der Gesandte Gottes (Resulullah).
Dies war aber erst nur die Risalah, danach ca. drei Jahre später eröffneten sich ihm die Funktionen der Prophetentum (Nubuvvet). D.h., Hz. Muhammed (s.a.a.) widmete sich der Aufgabe, das Wesen und die Beschaffenheit des Menschen zu erklären, und im Zusammenhang der Sunnetullah den Me
nschen zu erhellen und einen Weg zu zeigen, im Einklang mit diesem System Gottes zu leben, und seinem Geist zu erlösen.
Das Wissen also welches die Nubuvvet behandelt ist auf diese Welt beschränkt, welches mit dem "schmecken des Todes" für den Einzelnen endet.
Die Risalah jedoch ist eine Wahrheit, die auch in der "Akhirah" (Jenseits) weiterbesteht. Die Menschheit benötigt dieses Wissen für immer. Die Risalah ist die höchste Stufe der Velayet.

Um es nochmal zusammenzufassen: Das Thema, welches die Risalah behandelt, ist der Monotheismus. Gott erkennen lassen...
Das Thema der Nubuvvet ist die Erläuterung des göttlichen Systems. Und die Handlungen eines Einzelnen im Zusammenhang jenes Systems, um die eigene Seele zu befreien.

Die Nubuvvet ist zwar mit mit Hz.Muhammed (s.a.a.) abgeschlossen, jedoch führt die Risalah, d.h. Velayet, weiter an. Zu jeder Zeit ist der Erdboden mit einem Resul-Allah gesegnet. Wir versuchen stets das Wissen jener Gesandten zu verstehen und das Beste für uns zu ziehen.

Um wieder auf historische Begebenheiten zurückzukehren:
Hz. Muhammed ist seiner Berufung als Prophet 23 Jahre lang nachgegangen. Während dieser 23 Jahre hat er viel Leid und Schmerz einstecken müssen. Defensivkriege wurden geführt, tapfere Companion, darunter
Hz. Hamza (r.a.) -der Onkel des Propheten und von Hz. Ali- sind gefallen. Sogar in einer Nacht-und-Nebel Aktion musste der Prophet seine Heimat verlassen, worauf sich Hz. Ali in dem Bett des Propheten legte, damit die Feinde, die den Propheten in jener Situation abführen wollten in eine Falle geraten. (Über jene mutige Bereitschaft von Hz. Ali existiert im Koran ein Vers.)

Aber irgendwann muss auch der Prophet aus dem Diesseits ausscheiden. Der Koran wurde komplett verfasst, die göttlichen Offenbarungen sind komplett. Die Frage ist, wer übernimmt die Führerschaft über die Ummah? Kann das jemand sein, der einfach gewählt wird, oder steckt da mehr dahinter?
Damit diese Frage beantwortet wird, muss das Leben der sogenannten Companion (also potenzielle Nachfolger des Propheten) überprüft werden.
Seine Qualitäten müssen den Qualitäten des Propheten (s.a.a.) entsprechen, er muss der meistwissende, der mutigste, der gottesfürchtigste, der gerechteste etc. sein. Nur so kann eine Gemeinschaft geleitet werden, welcher in seiner Ethik etc. dem Propheten am meisten ähnelt. Dies sind gewiss äusserliche Punkte... Aber der eigentliche Kern ist: Die Velayet gebührt nur demjenigen, der die Risalah weiterführen kann.

Und wer steht da dem Propheten näher als Imâm Ali (a.s.)?


Den zweiten Teil dieser kleine Serie wollen wir mit einem Auszug aus dem Buch "Kitâb'ul-Fevâid" des Pir Hacı Bektaş Veli's (q.s.) beenden:


FAIDE 4:
Die Zustände des Prophetentums (Nübüvvet) und der Heiligkeit (Velayet)

Der ehrenwerte Sultan
Hacı Bektaş Veli Horasani[2] sprach:
“Oh Derwisch, Wisse, dass der heilige Gesandte Gottes (s.a.a) zu seiner Zeit die vorangegangenen Propheten bestätigte indem der Vers Sag: "Gewiß, mich leitete mein Herr recht auf einen geraden Weg – auf einen geradlinigen Din, auf die Gemeinschaft von Ibrahim, der hanif war. Und er gehörte nicht zu den Götzendienern."[3] ihm offenbart wurde.
Dadurch erreicht er die Station des Glaubens (iman) und ihm wurde der Titel des “Anbetenden” (abid) verliehen. Dadurch, daß er Gottesdienst praktizierte und sein Angesicht von weltlichen Dingen abwendete[4], erreichte er das Station der Askese (züht) und erlangte den Titel eines Asketen (zahid). Die Askese ausübend, erhielt er mit dem Bittgebet “Oh mein Herr, lehre uns alle Dinge in ihrer jeweiligen Wahrhaftigkeit.” das Wissen über alle Dinge, erreichte so die Station der Gotteserkenntnis (marifet) und erlangte den Titel “Gotteserkenner” (arif).
Nachdem er die Gotteserkenntnis erlangte, wurde er von Gott (Erhaben Sei Er) mit der Gnade der Liebe (muhabbet) und Inspiration (ilham) ausgezeichnet. Er erreichte die Station der “Heiligkeit” (velayet) und er bekam den Titel “Freund (Gottes)” (veli).
Nachdem ihm die “Heiligkeit” zuteil wurde, hat Gott (der Erhabene) ihm die Gabe der Offenbarungen (vahiy) und Wunderkräfte (mucize) verliehen und sandte ihn mit seinem Segen zu den Menschen, um sie zu Gott zu führen. Angesichts dessen wurde er mit der Prophetenschaft (nübüvvet) gesegnet und erlangte die Station des “Propheten” (nebi).
Durch die Fähigkeit Offenbarungen zu erhalten und Wunder zu bewirken, hat Gott (der Erhabene) seine vorherige Schrift annuliert, ein anderes Buch herabgesandt und somit ein anderes Gesetz (şeriat) aufgestellt.
Worauf der Gesandte Gottes (s.a.a.) in die Reihe der “`Ulu’l `Azm”[5] aufgenommen wurde.
Dadurch, dass er das vorherige göttliche Gesetz (şeriat) aufhob und stattdessen ein neues Gesetz einführte, erreichte er die Station der “Besiegelung”und wurde fortan mit dem Titel “der Siegel der Propheten” (Hatem ül-Enbiya) geschmückt.
_______________________________________________

[1] Edip Harabi ein Bektaschi (gest. Anfang 20 Jhd.) schrieb:
"Velâyetsiz asla Nübüvvet olmaz,
Nübüvvetsiz dahi velâyet olmaz,
Hakki terkeylemek hakikat olmaz,
Bunu bilmeyenler ziyan eyledi."

Ungefähr zu Deutsch:
"Ohne die Velayet kann es keine Nubuvvet geben,
Ohne die Nubuvvet kann es erst recht keine Velayet geben,
Ohne Gott erlangt man nicht die Wahrheit,
Im Nachteil ist derjenige, der darüber keine Kenntnis besitzt."

[2] "Horasani" bedeutet: "der aus Horasan stammende".

[3] Qur'ân: Sure En'am:161

[4] Wie einst der Fürst der Gläubigen 'Ali (a.s.) sprach: "Die Welt ist das, was Dich von Gott abhält."

[5] Gemeint sich nach der islamischen Tradition Noah, Abraham, Moses, Jesus und Muhammed (Friede sei mit ihnen allen). Also die Propheten, die auch unter den schwierigsten Umständen die Befehle Gottes mit all ihrer Eindringlichkeit und Genauigkeit auszuführen versuchten.

Video - Clip (Die alevitische Jugend auf dem Kirchentag 2007 in Köln)



Meğerse Aşk İmiş Canın Mayası

Ona Mihrabımış Kaşın Arası
Hakkın İşlediği Kudret Boyası
Yüzde Ben Bir İnsan Olmaya Geldim

Also ist die Gottesliebe die Essenz der Seele
Die Gebetsnische fände man zwischen den Augenbrauen
Gottes verzierende Farbe der Allmächtigkeit
Im Antlitz, so bin ich hier um Mensch zu werden*

(Nimri Dede)

Die "Saz" spielt Cem Kara (Vorsitzender des Bundes der Alevitischen Jugend NRW). Sängerin: Zeynep Lale
*Vierzeiler übersetzt von Hamza Sirin

Die Vier Tore und Vierzig Stationen (tr.: dört kapı ve kırk makam)

Die Vier Tore und 40 Gebote sind fester Bestandteil des mystisch-alevitischen Islam. Der erste Mystiker der von den 4 Toren sprach war Khoca Ahmet Yesevi (möge G_tt sein ruhmreiches Mysterium heiligen) aus dem heutigem Kazakstan (gest. 1166). Haji Bektash Veli hat zu jeden dieser Tore 10 Gebote hinzugefügt. Diese vierzig Stufen (kırk makam) basieren auf den Koran und auf den Aussprüchen des Propheten Muhammed (s.). Diese 40 Stufen, werden als Stationen akzeptiert die der Gläubige beschreitet, um ein vollkommener Mensch (Insan-i Kamil) zu werden.

Shabistari, ein Mystiker aus Tabriz (13. Jhd.) definiert den Vollkommenen Menschen als denjenigen, der den zweifachen Weg geht: hinab in die Welt der Erscheinungen (zwanzig Stufen hinab zur Erde vom Ersten Intellekt), und dann wieder hinauf zum Licht und zur göttlichen Einheit („der zwanzigstufige Bogen des Aufstiegs“). Die 4 Tore und 40 Stufen stellen die verschiedenen Ebenen der göttlichen Manifestationen und die Offenbarung des Göttlichen dar, welche am Ende im Wesen des Vollkommenen Menschen „enthüllt“ werden (Tajalli).

„Von der Ebene der Essenz zu der Ebene der Attribute, der Ebene der Handlung, der Ebene der Ähnlichkeiten und der Ebene der Sinneswahrnehmung. Der Erleuchtung der Handlungen folgt die der Namen, dann die der Attribute, und schliesslich endet jede Erfahrung mit der Erleuchtung der Essenz, die nur der Vollkommene Mensch erreichen kann.“
Siehe Annemarie Schimmel „Mystische Dimensionen des Islam“, Seite 399

Haji Bektash sprach von den 4 Toren des Pfades. Das Tor der Shari’a ist die Pforte des Gesetzes dem der Anbeter ('Abid) folgt. Das zweite Tor der Tariqa wird vom Asketen (Zahid) betreten. Daraufhin steigt der Gnostiker ('Arif) zur Ma’rifa und besitzt die Erkenntnis ('Irfan) und Gnosis. Das Tor der Haqiqa (Wirklichkeit) wird vom Liebendem (Muhibb) gefunden. Am Ende der Haqiqa wird der Muhibb beim Erreichen der 40. Stufe zum Vollkommenen Menschen.
Die Zahl 40 hat ebenfalls mehrere symbolische Bedeutungen. Zum Beispiel dafür, dass der Prophet Muhammed (s.a.a.) mit 40 Jahren zur Prophetenschaft berufen wurde. Laut den Lehren der Aleviten und Bektaschiten hat Allah die 4 Tore Adam (a.s.) über Gabriel (a.s.) vorgelegt. (siehe Ahitname, Seite 99 (1849)) ´
Ein prophetischer Ausspruch besagt: „Die Shari’a sind meine Aussprüche. Der Weg, Tariqa sind meine Pflichten. Ma’rifa ist das Haupt aller Dinge. Haqiqa ist mein seelischer Zustand“ (siehe Fevaitname, Faide 1)

Die Bektaschiten fanden in den Namen dieser vier Tore folgende Bedeutungen:

Şeriat (Shari’ah):
Shin:ش „Frei sein vom Bösen (Şerr)“,
Ra: ر„Redha-i Haqqa Tawassul" Trost finden durch den Glauben an Gottes Gnade,
Ye: يGott anrufen, wie: „Ya Allah!“,
'Ayn: ع“Handeln mit Wissen und Erkenntnis”,
Te: ت„Tenzih-i Newaki“ Sich von Verbotenem fernbleiben

Tarîkat (Tariqah):
Te: ط„Talab-i Haqq u Haqiqat“ Suche nach Wirklichkeit und Wahrheit,
Ra: ر„Riyadhat“ bedeutet asketische Disziplin,
Ye: ي„Yol-u din“ bedeutet in jeder Weise einem Bruder auf dem Wege treu zu sein,
Qaf: ق„Qana’at“ bedeutet Zufriedenheit, Anspruchslosigkeit,
Ta: ت„Taslim-i Tamm“ bedeutet vollkommene Unterwerfung (unter dem geistigen Lehrer/Murshid)

Marifet (Marifah):
Mim: م„Marifatullah“, die Erkenntnis Allahs,
’Ayn: ع Sahib-i „Aql-i Kul“ Das alleinheitliche Bewusstsein (Ur-Logos) besitzen,
Ra: ر„Reva olmayan nesnede iltizami tevakuf!” Sich nicht mit nutzlosen Dingen aufhalten

Hakîkat (Haqiqah):
Ha: حZwischen Helal (Erlaubten) und Haram (Verbotenen) unterscheiden können,
Qaf: ق “Qudrat-i Qadim e Ruju” bedeutet die Rückkehr zur ewigen und anfangslosen Allmacht Allahs,
Ye: ي“Yafal Allah ma yasha wa yaqqum ma yurid!” Gott macht, was Er will. Er herrscht, wie Er will,
Qaf: ق“Qa’im Billah” bedeutet durch Allah bestehen,
Te: ت„Turabiyah/ Tarbiya“ bedeutet Erziehung, absolute Demut und zu Staub werden

Resmi Ali Baba (Teil 4 - Schluss)

Giritli Baba’s Ansichten über Dawriyyah

(zyklisches Heranwachsen)



Dawriyyah[15] besagt, dass das Geschöpf bzw. Erschaffene zur Erde (materielle Ebene) als jamâd (lebloses Objekt), dann als Pflanze, Tier, dann als Mensch und letztendlich zum Insan-i Kamil (vollkommener Mensch) sich verwirklicht. Giritli beschreibt diese Prozedur mittels der Natur der Seele: Die Seele ist von Allah und existiert durch Seinen Willen „Kun“; „Es sei!“. Die Seele beginnt zuerst von den 'Arsh[16] (Gottes Thron), Kursi (Gottes Fussbank), durch die 7 Himmel und erreicht letztendlich die materielle Dimension der 4 Elemente, nämlich Feuer, Erde, Wasser und Luft. Die 4 Elemente sind innerhalb einer Sphäre (’âlam) begrenzt, welches unter dem Himmelsmond (tr.: ay feleği) liegt. Danach passiert die Seele durch die mawalid ul-thalatha („die drei Geburten“), welches Pflanze, Tier und Mensch darstellen.

Dawr ist ein Akt der Erschaffung. Allah hat Adam 40000 Jahre vor der Entsendung zur Erde erschaffen (ein Tag ist äquivalent zu einem Jahr). Der göttliche Befehl „Kun fa yakun“[17] erstreckte sich bis 40000 Jahre. Wenn ein Mensch die besagte Begabung (istidat) besitzt, so kann dieser diesen Prozess mit dem göttlichem Befehl des „kûn!“ erkennen, wenn der Mensch vom âlam-i ijmal zum âlam-i tafsil hinaufsteigt, und dann wieder zurückkehrt („fa yakun“). Das Erreichen des Arsh steht für Ahsan ul-Taqwim (beste Form).

In jenem Prozess des Auf- und Hinabsteigens wird als der sogenannte Startpunkt Ahlâq-i Zamîma (degenerierte Ethik) und als Zielmarke Ahlâq-i Hamîda (lobenswerte Ethik) bezeichnet. Er verlässt Misstrauen (su-i zann) und daraufhin gutes Denken (hüsn-i zann). Laut Giritli erreicht so ein Mensch die Vervollkommnung (Insan-i Kamil). Der Zyklus (dawr) ist für die menschliche Seele etwas eigenartiges und vielleicht auch etwas einzigartiges. Obwohl z.B. Engel auch so einen Zyklus durchschreiten wollen, ist es denen nicht gestattet.

In der Nacht der Himmelsfahrt (Mi’raj), erblickte Ahmad einen Engel und fragte,
„Wie lange existierst Du schon?“
Der Engel antwortete, „Dort ist ein Stern, welches alle 1001 Jahre aufleuchtet.
Ich sehe, wie es 100 male pro 100 mal erscheint.“
Der Prophet fragte dann: „Was wünschest Du dir von dem Hohem (al-’azeem)?“
Der Engel antwortete: „Er hat ein exzellentes Haus, geschmückt und verziert.
Um dieses Haus Willen rotieren alle Sterne um die Sphären des Himmel.
Meine Sehnsucht und letztendliches Streben gilt diesem Ort.
Ich wünsche mir dieses Haus zu betreten und mein Ziel zu erreichen.
Jenes Haus zu sehen und zu hören ist mein einziger Wunsch.
Es ist ein Haus in der Gestalt eines Jemanden in welchem das Barmherzige sich verbirgt.
Die Generationen sollten kommen und Gäste sein.
So viele Tausenden von Jahren… Man geht fort und in Sehnsucht nach diesem Haus kehrt man zurück.
Oh weh!!! Du vergisst dein eigenen „Asl’ “, wenn Du das Haus betretest.
In diesem Haus, schau auf deine Seele und sieh, dass die Realität in dir und von dir gesehen wird.
Binde dich nicht an die niedrige Welt, denn nur Gott ist absolut!
In jenem Haus, bei welchem Du während deiner Himmelsfahrt ankamst.
Kannst Du den Wein trinken, welches Dich berauscht!“

Giritli Baba ist der Ansicht, dass der Mensch das Haus Gottes ist. Das höchste Ziel eines Menschen ist es, in Vollkommenheit eins zu werden.
__________________________________________

[15]Der Mensch ist als Materie durch die Fusion des väterlichen Samen und des mütterlichen Uterus erschaffen. Der Samen wurde durch die verschiedenen Nahrungen, die der Vater in seinem alltäglichem Leben einnimmt. Diese sind Mineralien von sowohl lebender als auch unbelebter Natur. Jene Mineralien entstehen widerum durch die Fusion der vier Elemente (Feuer, Luft, Erde und Wasser) und der Himmelsspähren. Die Himmelssphären und deren Sterne, waren schon vorher im göttlichem Wissen vorhanden, und haben sich letztendlich enthüllt.
Das Wissen Gottes hat also die Sterne und die Himmelsspähren hervorgebracht. Durch das Drehen der Sphären kommen die vier Elemente zustande, durch dessen Fusion sich leblose und lebende Mineralien äussern. Diese wiederum beeinträchtigen durch äusserliche Einnahme die Körperflüssigkeiten von Mann und Frau.
Mevlana Rumi sagte in seinem Mathnawi: “Ich starb als Mineral und wurde eine Pflanze. Ich starb als Pflanze und stieg empor als Tier. Ich starb als Tier und wurde ein Mensch.” Jene die Rumi’s Worte nicht verstanden haben, bezichtigten ihn deshalb des Unglaubens.
Oder in anderen Worten: Bevor der Mensch durch die Körperflüssigkeiten von Vater und Mutter den Geburtsprozess begann, war es in der Welt der Mineralien (‘alâm-i mufredat), also in atomaren Teilen. Davor war es in den vier Elementen und in den Himmelssphären. Und all dies findet seinen Ursprung im Wissen Gottes. Durch das Wissen Gottes befindet sich der Mensch vor dessen endgültiger Menschwerdung in einem Zyklus Kräfte und Materien, dessen Zeit lauf Sufis 50.000 Jahre beträgt. Dawriyya/ Devriye darf nicht mit Reinkarnation verwechselt werden.
Wenn Bektaschiten von Devriye eines jeden Einzelnen sprechen, dann von dem Bewusstsein, Wissens- und Erleuchtungsgrad, welche sich unterschiedlich zeitlich bemerkbar machen.

[16]Interessanterweise bedeutet “Arş“ laut den unfehlbaren Imamen (a.s.) das Wissen (und Herrschaft) Gottes. Siehe Usul al-Kafi, Bâb’ul Arshi wa Kursi.

[17]Siehe Qur’ân, Surah al-Yasîn (36): Vers 82

Imam Ali (a.s.) über Imam Ali

"I am the dot under the letter b of the bismillah. I am that aspect of God about you have been indifferent. I am the pen (qalam), I am the guarded table (lahw), I am the Throne ('arsh), I am the Chair (kursi), I am the seven heavens and the earth (samawati sabb wa ardhina sabb)."

(Preface to Sharh Fusoos al-Hukm, Section 8, p. 32, by Shaikh Dawud ibn Mahmud al-Qaisari)

Das Gottesbild der Aleviten

Dieser Artikel ist aus dem Buch "Zum Profil alevitischer Kinder- und Jugendarbeit in NRW" entnommen.
Das Alevitentum ist ein monotheistischer [1] Glaube und führt wie auch das Judentum, das Christentum und der Islam zu Abraham zurück, der erkannte, dass es nur einen Gott gibt. Die Einheit Gottes wird bei den Aleviten Tevhid genannt. Das Gottesbild ist im Alevitentum nicht anthropomorp [2] gesinnt. Dies bedeutet, dass Gott keine menschlichen Züge oder Verhaltensweisen, wie es vor allem in den altgriechischen und -römischen oder hinduistischen Göttern der Fall ist, zugeschrieben wird. Sondern das alevitische Gottesbild definiert sich nach dem Prinzip der Einheit des Seins (Vahdet-i Vücud), das von dem bekannten Mystiker Ibn Arabi (13. Jhdt. n. Chr.) systematisiert wurde. Diese Anschauung besagt, dass Gott in all seinen Schöpfungen existiert. Der Erschaffer ist hiernach im Erschaffenen. Jedoch bedeutet dies nicht wie im Pantheismus [3], dass Gott auf seine Schöpfungen zu reduzieren ist. Er existiert auch über diese hinaus. Aleviten glauben nicht an einen persönlichen Gott, sondern sehen ihn vor allem in all seinen mannigfaltigen Erschaffungen. Ein Ausspruch, der dem Gelehrten Hacı Bektaş Veli (siehe Antwort 16) zugeschrieben wird, lautet: „Das Universum ist die sichtbare Gestalt Gottes." Vor allem der Mensch, der als höchste Schöpfung Gottes gilt, birgt eine göttliche Kraft (kutsal güç) in sich. Das Alevitentum wird häufig auch als Weg (yol) bezeichnet, diese heilige, göttliche Kraft in sich zu wecken. Der Weg der vier Pforten und vierzig Stufen (dört kapı, kırk makam; s. Antwort 5) hat das Ziel, den Menschen zu einem vollkommenen, weisen Menschen zu machen. Ein solcher Mensch hat durch ein tugendhaftes Leben den Einklang mit Gott erlangt. Der Mystiker Hallac-ı Mansur hat diese gnostische [4]"Ene'l Hak!" ausgedrückt und geprägt. „Ene'l Hak" bedeutet vom Arabischen ins Deutsche übersetzt: „Ich bin die absolute Wahrheit". Hak ist darüber hinaus einer der 99 Namen Gottes im Islam und ist der von den Aleviten am häufigsten verwendete Gottesterminus. Mansur drückte hiermit seine mystische Erfahrung aus, mit Gott Eins geworden zu sein. Einen ähnlichen Zustand drückt der christliche Mystiker Angelus Silesius (17. Jhdt. n. Chr) folgendermaßen aus: „Das Tröpflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen, die Seele Gott, wenn sie in Gott ist aufgenommen".Der Mensch, der diesen Zustand erlangt hat, wird im Alevitentum İnsan-i Kamil (vollkommener, vollendeter Mensch) genannt. Des Weiteren existiert im Alevitentum keine Furcht vor Gott, sondern nur eine unendliche Liebe ihm gegenüber. Die islamische Mystikerin Rabia al-Adawiyya (9. Jhdt. n. Chr.) formulierte es so: „Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern nur noch um Seiner ewigen Schönheit willen".Aleviten beten nicht aus Furcht vor der Hölle oder aufgrund der Hoffnung, dass Gott ihnen einen Platz im Paradies zuspricht, sondern nur aus Liebe zu ihm. Der Begriff aşk (Liebe) wird häufig in alevitischen Gedichten und in den Cem-Zeremonien verwendet und drückt die Liebe zu Gott aus.



[1] Monotheismus = Glaube an einen einzigen Gott
[2] Anthropomorphismus = Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Götter, Tiere, Naturgewalten etc.
[3] Pantheismus = Glaube an das Göttliche in allen Erscheinungen der Welt, Gott und die Welt sind identisch
[4] Gnostik = alle religiöse Richtungen, die die Erlösung durch (philosophische) Erkenntnis von Gott und der Welt suchen

(Anm.: Die kursiven Termini sind türkisch bzw. arabischen Originals)

Die 7 großen Dichter im Alevitentum

Die sieben großen Volksdichter (tr.: yedi ulu Ozan) der Aleviten sind:

Yunus Emre

Hat zwischen den 13. und 14. Jhd. gelebt. Er stammte aus
Sarıköy welches in der Provinz Sivrihisar liegt. Er war ein Zeitgenosse
von Haci Bektas Veli gewesen. Der Legende nach sollen diese sich sogar
getroffen haben. Haci Bektas schickte Yunus Emre zu Tapduk Emre,
welcher sein Meister werden sollte.
Den Überlieferungen zu Folge, sollen Yunus und seine Gefolgsleute der
Gruppe der „Babalılar“ angehört haben.
Da „Babalılar“ in ihren Grundzügen dem Bektaschitentum ähnelt, ist es
nicht verkehrt Yunus Emre zu den Bektaschi
Dichtern zu zählen.
Yunus ist der erste mystische Volksdichter in der türkischen Tradition.
Auch wenn vor ihm schon türkische
mystische Poesie verfasst wurden, so sind die von Yunus Emre doch
eher singbare mystische Lieder, die vor allem bei den Bektaschiten
und Aleviten grosse Resonanz finden.
Da es in der Geschichte Verse gibt, die verschiedene
„Yunus’“ wie z.B. Aşık Yunus, Derviş Yunus, Yunus etc. aufzeigen,
weiss man letzendlich nicht, welche tatsächlich dem Yunus Emre
gehören und welche nicht.
Yunus Emre verstarb 1320-1321 und wurde in Sarıköy beerdigt.
 
Nesimi
Nesimi (hingerichtet 1405) gehörte dem Orden der Hurufis an.
Der Westen vergleicht den Hurufi Orden gerne
mit der Kabbala. Er wird wie Yunus Emre zu den sieben hochverehrten
Dichter (tr.: Yedi Ulu Ozan) gezählt.
Seyid Imamettin Nesimi zog den Zorn der Orthodoxie auf sich, indem
er mit seinen Versen den umstrittenen
Ausspruch des Mystiker’s Hallac-ı Mansur „Ene’l Hak!“ (dt.: „Ich bin
die Absolute Wahrheit!“) wieder von Neuem
verkündete. U.a. wegen solchen Versen und seinen Hang und
Bekenntnis zu Fazlullah Astarabadi (dem Gründer der
Hurufi Ordens), wurde er von der Orthodxie als Häretiker verurteilt,
und in Aleppo grausam hingerichtet.
 
Fuzuli
Fuzulî zählt zu den sieben grossen Dichtern des Alevitentums.
Sein tatsächlicher Name ist Mehmet.
Über seine Geburt- und Todesdaten existieren verschiedene Angaben.
Zum einen soll er 1504 in Kerkük auf die
Welt gekommen sein, zum anderen 1480 in Musul. Die weit verbreitete
Vorstellung lautet aber, dass er 1495 in
Bagdad (Irak) das Licht der Welt erblickte. Man nimmt an, dass er
1556 in Kerbela aus dem Leben verschied.
Andere behaupten, dass er in Baku (Azerbaidschan) beerdigt wurde.
Auch in Baku gibt’s eine Statue von Fuzulî. 
Dieser Dichter hatte seinen Dienst bei Necef (Irak), im Mausoleum
Hz. Ali’s und in Kerbela im Mausoleum des
Imam Huseyin geleistet. Einer seiner wichtigsten und immer noch
in alevitischen und bektaschitischen Kreisen
gelesene Buch, ist das „Hadiqatus-Saadiye“ (tr.: Saadetlere
ermislerin Bahcesi). Es beinhaltet vor allem Dingen das
Märtyrium von Imam Huseyin bei Kerbela.

Şah Hatayi
Erblickte um 1486-87 die Welt. Sein bürgerlicher Name
ist Ismail gewesen. Er stammt von Şeyh İshak
Safiyyeddin ab, welcher im 13.-14. Jhd. die Orden der Halvetiye und
Kalenderiye fusionierte und den Orden der
Safeviyye-Erdebîliyye gründete. In jungen Jahren schaffte es Ismail,
verschiedene schiitische Clans Azerbaidschans
um sich zu scharen, und einen gewissen Teil des vorderen Orient
(Azerbaidschan, Irak) eroberte. Seine Stellvertreter
waren in Anatolien zahlreich anwesend, so dass die Aleviten eine
gewisse Beziehung zu Şah Ismail aufgebaut haben.
Heutzutage jedoch nehmen Aleviten und Bektaschiten die dichtersiche
Person des Ismail, nämlich Şah Hatayi, wahr.
Şah Hatayi verstarb 1524 in Erdebil (heutiges Iran).
 
Kul Himmet

Ist ein Derwisch von Pir Sultan Abdal gewesen, und lebte
in 17. Jhd. Er zählt ebenfalls zu den sieben
Dichtern der Aleviten. Er soll in der Provinz Tokat gelebt und dort ebenfalls
verstorben sein. Unter den unzähligen
Deyiş’s der Aleviten soll ein Dichter namens Kul Himmet Üstadım
vorhanden sein. Dieser Dichter heisst in
Wirklichkeit Sivaslı İbrahim, und darf nicht mit Kul Himmet verwechselt
werden. Sivaslı İbrahim hat aus seiner
Bewunderung gegenüber Kul Himmet dessen Synonym mit Erweiterung
des „Üstadım“, welches soviel wie „mein
Meister“ bedeutet, übernommen.
 
Virânî

Laut den Überlieferungen der Bektaschiten soll Virânî in Necef (Irak)
in einem Bektaschi Konvent der
Vorsteher gewesen sein. Man sagt ihm eine Verbindung mit Şah Abbas
(Amtszeit: 1587-1628) nach. Virânî spricht
in seine Versen über göttliche Attribute des Imam Ali offen aus. Auch wenn
er selbst in seinen Gedichten davon
spricht, ein Nusayri zu sei, so ist dieser Begriff nicht auf den Gründer der
Nusayri Orden al-Nusayir zurückzuführen,
sondern auf eine andere Begebenheit, die hier nicht weiter aufgeführt wird.
Über Virânî existiert ein sogenannter
Divan (Gedichtsbuch) und ein schriftliche Abhandlung (tr.: Risâle), welche
hurufitische Elemente aufweist.
 
Yeminî

Über sein Leben ist nicht allzu viel bekannt. Er hat im 16. Jhd. gelebt.
Sein tatsächlicher sei Ali.
Da er in dem Konvent von einem gewissen Akyazılı İbrahim Dede seinen
Dienst geleistet hat, soll er dort sein Synonym „Yeminî“ erhalten haben.
Das „Faziletname“ (dt. Das Buch der Tugenden) soll von ihm um 1519
verfasst worden sein. Es beinhaltet die Tugenden von Hz. Ali.
Andere Dichter ausser den „Grossen Sieben“:
Kaygusuz Abdal

Ein Volksdichter der dem Bektaschi Orden angehörte.
Er stammt von einer angesehen
reichen Familie aus Antalya ab und lebte im 15. Jhd. Der Legende nach soll
der junge Adelssohn Gaybi
(Kaygusuz’ eigentlicher Name) auf der Jagd nach Freiwild im Wald eine
Ghazelle mit einem Pfeil verwundet haben.
Der verwundeten Ghazelle auf der Spur führte der Weg ihn in ein Sufi Konvent,
wo er den leicht verletzten
Meister -und gleichzeitigen Schüler Haci Bektas Veli’s- Abdal Musa antrifft.
Als er die Wundertat (tr.: keramet)
des Abdal Musa erkannte (nämlich, dass Abdal Musa die verwundete Ghazelle
sebst gewesen ist), fiel Gaybi vor d
essen Füsse und wurde zu seinem Derwisch. Er erhielt den Namen Kaygusuz
Abdal, unter diesen Synonym er
mannigfaltige Gedichte verfasste. Seine bekanntesten sind die sogenannten
„Tekerleme“ (dt.: Unsinnspoesie),
die meist grobe Verspottungen beinhalten. Auch wenn „kaygusuz“ ein
mögliches Deckwort für Haschisch ist, so
sei Vorsicht geboten, wegen Termina wie „Esrar“, was der arab. Plural von
„Sır“ (dt.: Geheimnis) ist, dem
höchstinteressanten und gelehrten Wanderderwisch Kaygusuz Abdal eine
ominöse Charaktereigenschaft
zuzuschreiben.
 
Muhammed Ali Hilmi Dedebaba
Mehmed Ali Hilmi wurde 1842 in dem Istanbuler Wohnviertel Sultanahmed geboren. Bevor er mit 15 Jahren ebenfalls wie seine Eltern von Hacı Hasan Baba in den Bektaschi Orden aufgenommen wurde, war er dem Nakschibendis bei Üsküdar (Balaban) verbunden. Er durchschritt die mystischen Stufen zügig, worauf er mit 21 Jahren zum Postnişin, d.h. Vorsteher, des Şahkulu Dergahı ernannt wurde. Mit 28 Jahren ging Ali Hilmi als jüngster Halifebaba in die Bektaschi Geschichte ein. Jahre später wurde er letztendlich Dedebaba. Unter seinen Novizen war der bekannte und umstrittene Edip Harabi. 1907 verstarb Muhammed Ali Hilmi Dedebaba, und wurde bei Göztepe beigesetzt. Ein Jahr später veröffentlichte Ahmed Mehdi Baba ein Diwan mit Ali Hilmi’s Poesie. Ali Hilmi Dedebaba gehört der berühmte Ausspruch, alle 72 Nationen mit einem Auge zu betrachten:
„Erkenne Deine Fehler und sei vernünftig, Lauer nicht auf die Fehler der anderen,
Betrachte die 72 Nationen mit gleichen Augen, Gott hat sie erschaffen und geliebt, oh Herz sei nicht dagegen!“
Edip Harabi

Edip Harabi ist ein bekannter Bektaschi Derwisch gewesen (1853-1917). Der in Istanbul geborene Mehmet Edip hat mit 17 Jahren vor dem damaligen Oberhaupt des Bektaschi Orden Dedebaba Muhammed Ali Hilmi sein Gelübde abgelegt, und ist somit von seiner vorigen sunnitisch-hanefitischen Rechtsschule in den Bektaschi Orden übergetreten, welches er in seinen Gedichten als “Wiedererweckung für das Göttliche” beschreibt.

Resmi Ali Baba (Teil 3)

Giritli Ali Baba’s Einstellung zum Geschöpf (mahluq)

Der Bektashi Baba verfasst in seinen Abhandlungen, dass es fatal ist, den Ursprung (asl) von den emanierten Formen (far’) zu separieren. Wie das Beispiel erklärt, dass die Sonne und ihre Strahlen nicht tatsächlich von einander getrennt sind. In diesem Kontext versucht Giritli zu beschreiben, dass Adam und Haqq auch nicht von einander getrennt sind. Ein Ei ist nicht unabhängig von einem Vogel, und auch nicht umgekehrt. Es ist unakzeptal, dass das Universum (bzw. das Ei) die Essenz (asl) ist, während Adam (bzw. das Vogel) dessen Resultat ist.
Dies würde einem Menschen ähneln, der Augen hat, und dass Haqq nur derjenige erkennt, der es akzeptiert. Für einen echten Muwwahid (Monotheist) und Arif Billah (Gotteskenner) ist es unmöglich, asil und far’ voneinander zu trennen und sie als voneinander verschieden zu betrachten. Falls aber doch, so wäre dieser jemand in Wirklichkeit ein Mushrik, der Gott etwas zugesellt (nämlich eine Materie die unabhängig von Gott existiert). Giritli beschreibt, dass Adam noch unbekannt gewesen ist, als er noch in der Welt bzw. Ebene der Einsamkeit und Einzigartigkeit (alam al-mufradât) verweilte. Erst als die Formung Adams zu einer materiellen Synthese verwirklicht wurde, und er in die materielle Ebene bestehend aus Raum und Zeit transformiert wurde, wurde er „Mensch“ genannt. Denn seine dhat uns sifat sind eins genau wie Haqq und Adam.

Menschen sind in ihrer körperlichen Schöpfung und Natur eins.[12] Es gibt keine tatsächlichen physikalischen Unterschiede.[13] Die Unterschiede zeichnen sich nur aus in der Begabung (istidat), Schöpfung (khilkat) und Manifestation (tajalli). Die awliyullah’ unterscheiden sich von anderen Menschen nur durch diese drei Eigenschaften. Um die Perfektion (kamâl) zu erlangen, ist istidat von ausserordentlicher Bedeutung. Die Ausgangsituation basiert auf tajalli und hurufs (Buchstaben). Der Mann besitzt 32 Buchstaben während die Frau 28 Buchstaben besitzt. Aus dem Grund, darf eine Frau kein Murshid werden kann, was aber nicht als Hindernis zu verstehen gilt, die Perfektion (insân-i kâmil) nicht erreichen zu können.

Giritli Ali Baba’s Ansichten bezüglich der Begabung

Ein Mensch kann kein Wissen sich aneignen, ohne dafür ausreichende Lernkapazität zu besitzen. Er kann alles lernen, wenn er auf seinem Wege einen Lehrmeister bzw. Wegweiser hat, der ihn begleitet. Ein Mann, der diese Begabung besitzt, kann ebenfalls andere zur Rechtleitung (hidayat) führen. Falls ein Derwisch eine ekstatische Veranlagung (majdhûb) hat, so kann er kein Murshid werden. Giritli begründet dies folgenderweise:

Bu kadar nasîbi aşk-ı hakîkiden ey gönül,
Şol sâlik ki mürşidi nâkıs ukûl ola.

Ungefähre Bedeutung:
Oh Herz! Nach soviel wahrer Liebe, die Anteil wurde,
Jener Novize, dessen Murshid’s Verstand mangelhaft ist.

Laut Giritli hat jeder Mensch die Eignung und Fähigkeit (istidat), welches nicht abhängig ist von der natürlichen Veranlagung (khilkat), Manifestation (tajalli) und äusserlicher Merkmale (mazhariyet). Allah’s Namen und Attribute wurden offenkundig durch die Manifestation der Menschheit und beeinflusste sie. Menschliche Neigungen wie z.B. Grosszügigkeit, Feinheit, Vorzüglichkeit sowohl Tyrannei existiert nur durch Allah’s Namen und Attribute. Er zitiert den Vers: „Was immer euch gutes widerfährt, so ist es von Allah, aber das schlechte von euch…“(5.Sure:79) Somit alles von Allah stammt, so ist es für Giritli ein Zeichen des Adab den zitierten Vers zu akzeptieren. Es ist verboten, das Böse mit Allah zu assozieren!!

Giritli Baba bringt zur Geltung, dass niemand diesen Pfad mit der simplen Absicht beschreiten sollte, das Ziel auf passive Weise zu finden und zu erreichen. Es wäre inkorrekt hinter Phantasien und Illusionen zu rennen. Für den Salik stehen im Vordergrund Zeichen und Symbole, die von den Propheten (anbiya’) (Friede sei mit ihnen allen) und Heiligen (awliya) (möge Allah deren Geheimnisse segnen) vorgetragen wurden, zu verstehen und zu erkennen. Mit einer wahren Begabung und gleichzeitigen Hingabe zu Allah (taslimiyyat), kann man seine wahre Essenz finden und sein Ich kennen. Das impliziert die Erkenntnis, dass sein Geist Allah’s Geist ist.[14]
Die Attribute solcher Menschen ist laut Giritli Baba das „Sifat ar-Rahman“ und das Temperament des „ahsan al-takwim“ , das Beste aller Geschöpfe.

Ein ’Âshiq muss die Realität des Seins (Haqq) mit Allah sehen. Ein ’Âshiq ist voller Hingabe an Allah, dann am Ende wird er den Segen eher erhalten durch Allah’s Namen „aziz“, „lâtif“, „jamil“ als wenn er in leichtfertige Liebe verfällt (juzî ’ashq), wo er dann vermutlich denkt, die Stufe eines ’Âshiq erreicht zu haben, in Wirklichkeit aber kein tatsächlicher Âshiq zu sein. Wenn ein Mensch Allah liebt, so darf dieser seine Liebe niemanden anderen geben, als Ihm selbst.

Wenn eine Person in den Geschöpfen etwas anderes sieht als Allah, dann impliziert dies die Form des Shirk. Jemand der seinen Schöpfer oder die Menschen liebt, liebt Haqq. Das vorhin erwähnte Hadith’ul Qudsi „Ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden.“ bedeutet, dass Haqq aus Liebe erschuf.
_______________________________________

[12]„Vom äusserlichen Erscheinungsbild ähneln sich die Menschen. Denn die Eltern aller Menschen sind Adam und Eva.“ (Hz. Ali)

[13]Hussain ibn Halid überliefert, wie er Imam Ali Riza (a.s.) mitteilte, dass das gewöhnliche Volk den prophetischen Hadith so versteht, dass Gott Adam nach Dessen Ebenbild erschuf. Daraufhin entgegnete der Imam (a.s.): „Möge Gott deren Leben nehmen!! Sie liessen einen Teil des Hadith’ weg. In Wirklichkeit lautet dieser Hadith auf folgende Begebenheit: Eines Tages ging der Gesandte Gottes (s.a.a.) an zwei Männern vorbei, die sich lauthals gestritten haben. Von denen sagte der eine zum anderen: „Möge Gott dein Gesicht und alle die dir ähneln noch hässlicher machen!“ Daraufhin griff der Prophet (s.a.a.) ein und wendete sich dem Fluchenden zu: „Oh Du Diener Gottes! Sage so etwas nicht zu deinem Bruder! Denn Gott, der Erhabene, schuf Adam nach seinen/dessen (von dem beschimpften Mann) Ebenbild.“
Shaikh Saduq, Uyunu Achbar’ir-Riza (a.s.), 11 Kapitel, Hadith Nr.: 12

[14]Der Odem (arab. Ruh) ist etwas Geschaffenes, genauso wie der Wind (arab. Rih). Es ist als kein partikulärer Teil Gottes zu verstehen, da Gott über alles Erhaben ist. Das Geschaffene, als auch „Ruh“/Odem, gehört Gott, weil Er sich darauf bezieht. Genau wie Gott sich auf die Kaba bezieht, und sie als Sein Haus deklariert hat, was aber nicht heisst, dass Gott in der Kaba innewohnt oder sogar von ihr abhängig ist. Oder wie Er unter all Seinen Dienern Menschen als „Seine Gesandte“ auserchorte.

Resmi Ali Baba (Teil 2)

Giritli Ali Resmi Baba’s Ansicht über die Einheit des Seins

(Wahdat al-Wujud)


Giritli nahm auf eine leidenschaftliche Art und Weise das Konzept des Wahdat al-Wujud an. In seinen Werken machte er sich zum Verständnis der Einheitstheorie vom Spiegel als Beispiel gebrauch. Die Schöpfung ist nichts anderes als die Reflexion Gottes bzw. Emanationen (tajjaliyat). Überdies schrieb er, dass der Prophet Muhammad (s.a.a.) eine wichtige Komponente dieser Reflektionen ist. Zur Erläuterung überliefert er eine Geschichte:

„Eines Tages fragte der Prophet (s.a.a.) den Erzengel Gabriel: „Oh mein Bruder Gabriel! Hast Du Denjenigen gesehen, der Dir die Verse übergibt, die Er mir offenbart?“ Gabriel antwortete: „Es kommt zu mir hinter einem smaragdgrünem Vorhang. Mehr weiss ich nicht.“ Der Prophet entgegnete: „Bei der nächsten Offenbarung, hebe den Vorhang hoch.“ Als später bei der nächsten Offenbarung Gabriel den Vorhang hob sah er Muhammad’s (s.a.a.) Antlitz. „Es ist Muhammad, welcher die Offenbarungen an Muhammad gibt.“ Gabriel erkannte den hohen Grad des Propheten (s.a.a.), und schwieg für immer.“

Laut Giritli ist dies ein innerer batini Zustand, obwohl der äusseren Erscheinung (zahir) nach Hz.Muhammad (s.a.a.) die Offenbarungen Gottes weitergegeben wurden. Er rechtfertigte dies mit diesem Vers: „Der Allerbarmer. Er hat den Qur’ân gelehrt. Er hat den Menschen erschaffen. Er hat ihm das deutliche Reden beigebracht.“ (55. Sure Rahman, Verse 1-4)Als die Ungläubigen den Propheten (s.a.a.) fragten, wer die Verse herabsandt, so antwortete dieser (s.a.a.) mit „Allah!“. Dann fragten sie, ob der Qur’ân in Form von Tönen oder Buchstaben herab gesandt wird. Daraufhin antwortete der Prophet Hz. Muhammad (s.a.a.): „Allah erschuf die Menschheit, um den Qur’ân zu deuten. Das Antlitz Adam’s (sprich: Güte) ist ein Attribut Gottes (sprich: ar-Rahman, der Allerbarmer). Menschen unterscheiden sich durch andere Geschöpfe in ihrer Natur. In Wirklichkeit (zahir) sind der Qur’ân und der Mensch Zwillinge. „Oh Allah! Lehre mir den Qur’ân, welches im Antlitze Adam’s manifestiert wurde.“ So Giritli Ali Baba in einem seiner Bittgebete.[4]

Giritli Ali Baba’s Ansichten bezüglich dem menschlichem Wesen


Ein anderes wesentliches Merkmal ist der Bezug auf die Natur der Menschheit (sprich: Adam). Es ist aus dem Qur’ân bekannt, dass Allah, der Allerbarmer, in der Zeit des Bezm-i Ezel, in der Periode als Adam erschaffen und der göttliche Atem eingehaucht wurde, den Engel befahl vor Adam die Niederwerfung (Sujud) zu vollbringen. Giritli schrieb, dass diese Niederwerfung nicht Adam sondern alleine Allah galt.[5]

Er beschreibt das menschliche Wesen nicht nur als Adam: „Obwohl das Antlitz von Eva aus 28 Buchstaben besteht, da sie die Attribute (sifat) darstellt, sind die beiden in ihrer Essenz (dhat) gleich.“ Adam ist die Enthüllung 32 Buchstaben, und Eva 28 Buchstaben.[6]
Giritli sagt, dass Adam die Essenz, während Eva die Attribute darstellt. Adam kann also nicht ohne Eva existieren, und umgekehrt auch nicht. Daraus impliziert der Gedanke, dass das Universum ohne die Beiden nicht existieren kann. Alles ist ein Spiegel zu dem Gegenüber.[7]

Ali Resmi Baba zitierte sowohl ein ausserkoranisches göttliches Wort „Ich war ein verborgener Schatz, und wollte erkannt werden, deshalb schuf ich die Welt.“ Als auch ein Hadith des Propheten (s.a.a.): „Die Gläubigen sind einander ein Spiegel.“[8]
Somit schreibt der Baba aus Kreta, dass „Adam der Spiegel de Wahrheit (Haqq) ist.“ Wenn jemand seine wahre Identität erkennen möchte, so schaut dieser in den Spiegel. Wenn man in den Spiegel schaut, erkennt man sich als Adam. Wenn man jedoch keinen Spiegel hat, was geschieht dann? Zum Verständnis: der Spiegel ist wie ein Merkmal, Attribut (sifat) und dein Körper die Essenz (dhat). Einen Spiegel darzustellen ist eine verborgene Weisheit. Dieses Geheimnis (sirr) ist parallel zum Ausdruck „al-waladu sirri abihi“[9](dt.: das Kind ist das Geheimnis des Vaters). Dieses Geheimnis wird aus deinem Dasein ersichtlich. Sifat und dhat sind e i n s. Der Qur’ân und Adam sind eins.[10] Haqq und Adam sind eins. Wenn Adam nicht erschaffen wäre, so würde Haqq unerkannt bleiben. Und falls Haqq nicht existiere, wie würde Adam erschaffen werden? Wenn es kein sifat gibt, wie kann es dem dhat bewusst werden, dass es haqq ist? Wenn dhat nicht existiert, wie kann sifat dem dhat ein Bewusstsein geben? Falls der Spiegel nicht existierte, so würde alles schweigen und Adam wäre stumm geblieben.[11]

Giritli Ali Baba beschreibt weiterhin, dass Adam ein Resultat der Erschaffung ist, und die Erschaffung nur Adam wegen existiert (da der Mensch laut Koran der edelste Geschöpf ist). Sowohl Adam als auch die Schöpfung existieren wegen dem Willen Gottes. In einer Gazelle schreibt er:
Die Manifestation der Attribute und Essenz,
sind in der Schöpfung und Adam gefunden wurden,
Zu gewissen Zeiten ist Adam die Schöpfung, und die Schöpfung ist Adam,
Die Wahrheit hielt ihre Herrschaft über die Schöpfung auf solche Weise aufrecht,
Ohne die Schöpfung kann Adam nicht existieren,
Und ohne Adam würde es keine Schöpfung geben.

Giritli vereinfacht seine Erklärungsweise bezüglich wahdat al-wujud in einer klaren Allegorie: „Falls ein Mensch behauptet, fähig zu sein, die Sonne zu sehen, obwohl dieser eigentlich nur die Sonnenstrahlen sieht, dann hat dieser die Sonne tatsächlich niemals gesehen.“ Die Enthüllung (tajalli) Gottes zu sehen, ist also genauso zu verstehen.
______________________________________
[4]„Hakk kendini halka bildirmek için, İnsanı kendine timsal eyledi, Kur’ân-ı Nâtıkın tefsiri için, Kur’ân-ı samiti irsâl eyledi.“ (Edip Harabi)
Ungefähre Übersetzung: „Damit Haqq sich der Menschheit offenbaren konnte, erschuf Er den Menschen als Sein Sinnbild. Um den stillen Qur’ân erläutern zu können, sandte Er den sprechenden Qur’ân (den Menschen/ Khalifa).“

[5]Da es sonst eine Form von „Shirk“ wäre.

[6]Adam ist also Eva um vier Buchstaben „überlegen“. Diese sind die persischen vier Buchstaben Pa, Tscha, Ya und Ka, welche nicht im arabischen Alphabet (28 Buchstaben) vorkommen. Diese 28 Buchstaben sind heilig, und jede einzelne hat sich im Menschen manifestiert. Jene 28 Buchstaben nennt man „Kelime-i Muhammedi“, während die 32 Buchstaben laut den Hurufi’s „Kelime-i Adem“ entsprechen. Ausserdem stehen die vier gesonderten Buchstaben u.a. für die vier Torwege (4 Kapı) und für die vier Elemente. Der Mann erhält die vier Buchstaben (also insg. 32) und somit die Aufgabe ein Murshid-i Kamil werden zu können, was aber nicht bedeutet, dass die Frau kein vollkommener Mensch werden kann.

[7]Deswegen nehmen Mann und Frau als „Can“ (sprich: Dschan) in einem Cem teil, und bilden während des Gottesdienstes einen Kreis. Siehe dazu Qur’ân 2. Sure: Vers 115.
Edip Harabi schrieb mehrere Gedichte im Namen einiger Bektashi-Frauen, um diese vor „machobehafteten“ Männern in Schutz zu nehmen. Siehe Edip Harabi Divanı, S. 30 und S.103, Ayyıldız Yayınları

[8]„al-mu’min mir’ât al-mu’min“. Ibn-i ’Arabi schreibt in seinem “Lubb ul-Lubb”, dass der erste Partikel im Hadith “mu’min” der vollkommene Mensch ist, während der zweite „al-mu’min“ Gott selbst. Denn „al-Mu’min“ (der Gläubige) ist ein Name Gottes. Zwischen Seinen Namen/Attributen (sifat) und Seinem Wesen (dhat) gibt es keinen Unterschied. Somit ist der Insan-i Kamil eine Reflexion der Einen Wirklichkeit.

[9]Der Novize, der in eine Gruppe eingetreten ist, wird „wie der Sohn des Shaikhs“; er wird als Teil von ihm betrachtet, denn nach der Tradition ist „der Sohn Teil des Vaters“. Der Shaikh hilft ihm, ein echtes „Herz“ zu gebären und nährt ihn gleich einer Mutter mit geistiger Milch, wie oft gesagt wird.

[10]„Der Mensch und der Qur’ân sind Zwillinge“ (Hadith)

[11]Hacı Bektaş-i Veli erläutert dieses Geheimnis wie folgt: „Gott erwähnt die Existenz aller möglichen Dinge (Objekte) im Qur’ân. …
Das Wissen des Qur’ân möge in Dir bleiben, so dass Du aber nicht aussen vor (ausserhalb des Qur’ân) bleibest. Oder möge der Qur’ân nicht aussen vor Dir bleiben. Möge der Anspruch vollkommen sein, und die Pflichten des Qur’ân’s einhalten.
Iblis hielt sich nicht am Befehl Gottes und wurde somit verflucht. Das Wissen war zwar in Iblis, aber er selbst ist aussen vor geblieben.“ Makalat S. 27, Emek Basımevi (1954), Sefer Aytekin (Ankara)

Imam Ali (aleyhi's-selâm) in der islamischen Gnosis (Teil 1)

Bismillahirrahmanirrahim


Alle Propheten und Heilige hatten eine nur einzige Botschaft: Die Einheit Gottes! Es gibt nur Einen Gott... ein Gott, Welcher nicht
g e z ä h l t
werden kann, so laut sinngemäß Hz. Ali (a.).
Die Einheit des Sein's -im islamischen Fachkontext als Wahdat al-Wudschud bekannt- ist die notwendige Folge aus dieser prinzipiellen Einheit; denn sie ist im Endeffekt die Einheit Seiner Kundgebung.

Nun wissen wir, dass der Herrgott niemals mit seinem Wesen (bi-zâtihi) auf die Erdoberfläche "hinabgestiegen" ist und dem Menschen ggü. stand. (Dies wäre sowieso nicht möglich!)
Gott hat durch den Menschen sich den Menschen offenbart. Wahiy (Offenbarung) oder Ilham (Inspiration) sind zwar hier Schlüsselbegriffe, auf die wird aber zunächst nicht eingegangen, da das Thema ein anderes ist.

Die Welt, die wir mit unserem menschlichen Auge wahrnehmen nennt man die materielle Welt (madde âlemi oder im islamischen Rahmen: şehadet âlemi). Die Religion wurde auf dieser Ebene offenkundig, von Propheten offenbart, und von den Heiligen bewahrt. Jedoch: nur weil auf dieser -eher dualistisch geprägten Welt- der Islam sich zu erkennen gab, heisst es nicht, dass es keine "höheren Ebenen" gibt, auf die der Qur'ân verweist, ja sogar den Menschen dorthin führen möchte.

Die Prophetenschaft wurde mit Hz. Muhammed (sall'Allahu aleyhi ve alihi) versiegelt. Nach ihm wird also kein weiterer Prophet mit einer göttlichen Schrift hervortreten. Die göttliche Vormundschaft (Velâyet) läuft jedoch weiter. Dies sind die zwölf Kalifen, die der Prophet des Islam ankündigte. Vielleicht später mehr dazu, aber jetzt werden wir uns einer Person von jenen Kalifen widmen, nämlich Hz. Ali (a.).

Tasavvuf -d.h. islamische Mystik- wird von Heiligen und Meistern lebendig gehalten. Ein Merkmal hiervon ist, dass diese Lebendigkeit durch eine bestimmte Kette (tr.: silsila) in Form eines "treueeidlichen Handschlag's" (Initiation) vital erhalten wird.
Die Quellen des Tasavvuf sind ohne Zweifel der Qur'ân und der Prophet Muhammed (s.). Um es mal in einer Bektaschi-Manier zu sagen: der stille Qur'ân und der sprechende Qur'ân!!

Nun: es ist immer der Mensch gewesen, der andere Menschen rechtgeleitet hat. In unserem Fall der islamische Prophet. Und das "Buch" Gottes war/ist der Garant für dessen Aufrichtigkeit.
Die Mystik beschäftigt sich mit dem "göttlichen Wissen" des Propheten, ja sie ist es eigentlich!

Es war vorhin von einer Kette die Rede. Der Anfangspunkt dieser Kette ist Hz.Muhammed (s.).
Die Frage, die uns in den Sinn kommen mag, wäre: Wie hat das Wissen bzw. über wem hat das Wissen des Propheten wie ein ununterbrochener Fluß uns in unserer Zeit erreicht?

Ein prophetischer Ausspruch lautet sinngemäß: "Ich bin die Stadt Wissen's. Und Ali ist die Tür zu dieser Stadt."
Um es mal auf den Punkt zu bringen: In jeder islamischen Tariqa (Orden) -ausser der Naqshibandi- verläuft die Kette (silsilah) über Imam Ali (a.) zu Hz.Muhammed (s.).

Die silsila von Haci Bektash Veli (qadas'Allahu sirr'ul-aziz):
Hz.Muhammed Mustafa (s.)
Imam Ali ibn Abi Talib (a.)
Imam Husayn
Imam Zayn al-Abidîn
Imam Muhammad Baqir
Imam Ja'far as-Sadiq
Imam Mûsa Kâzim
Imam Ali ar-Riza
Junayd al-Baghdâdî
Abu `Uthman Maghribi
Abu'l-Kasim Gurgâni
Abu'l-Hasan Kharkani
Shayh Abu Ali Farmadi
Khwaja Yusuf al-Hamadani
Khawja Ahmad Yesevi
Shaykh Luqman Perende
Pir Hünkâr Haji Bektash Veli


Ende Teil1

Resmi Ali Baba aus Kreta (18. Jhd.) und seine Sufi-Methodik

Von Dr. A. Yilmaz Soyyer (Aus dem Englischen übersetzt und Erläuterungen von Timuray)

Teil1...

Der Bektashi Shayh Giritli Ali Resmi Baba lebte im 18 Jhd. Auf der letzten Seite des Risâle-i Lâhutiyye (Die göttliche Abhandlung), welches von Shayh Sirr-i Rifâ’i und Badr ad-Din Halvêtî kommentiert wurde, steht folgende Anmerkung: „Resmi Ali Baba: 1204 Hijra (1789 n. Chr.).“ Dieses Datum bezieht sich vermutlich auf das Datum als Giritli Ali Baba verstarb. Es ist interessant, dass der Rest des Manuskript Bektashi erkânlar (Zeremonien), gülbengs („Rosenruf“, Gebete im Imperativ), Symbole und andere Rituale beinhaltet.
Über sein Leben ist nicht viel bekannt. Jedoch kann man sicher annehmen, dass dieser ursprünglich von der griechischen Insel Kreta abstammt. Auf der letzten Seite seines Werkes Uyûn al-Hidâyat (Die Quelle der Rechtleitung), schreibt Giritli Ali Baba, dass er ein Diener (bende) von Seyyid Ali Sultan ist. Es existiert sogar in seinem Divan (Poesie Sammlung) ein Gedicht für einen gewissen Ali Sirrî Baba vom Kizil Deli Ocak aus Dimetoka.

Uyûn al-Hidâyat ist in Bektashi Kreisen ein bekanntes und oft gelesenes Buch. Der letzte Dedebaba der Babagan Bektaschiten in der Türkei, der Dozent Dr. Bedri Noyan (gest. 1997), zitierte sogar eine Passage von Giritli Ali Baba in seinem multibändigem Werk Bütün Yönleriyle Bektaşîlik ve Alevîlik.

Giritli Ali Baba erläuterte weitgehend seine spirituelle Philosophie in Uyûn al-Hidâyat. Sie basiert auf Liebe zur Ahl ul-Bait (a.s.) und auf Wahdat al-Wujud (Einheit des Seins).

Giritli Ali Baba’s Überzeugung bezüglich der hohen Stellung der Ahl ul-Bait (a.s.) und deren Notwendigkeit



Laut Uyûn al-Hidâyat ist der erste Schritt zum Sufismus ein initiertes Mitglied, als Murid oder Talib, in einem Orden (tariqa) zu sein. Der Murid muss ausserdem eine tiefe Liebe für die Ahl ul-Bait (a.s.) empfinden. Falls der Murid kein Seyyit ist (Nachfahre des Propheten Muhammad (s.a.a.) ), so hat der den gleichen Grad wie Kamber oder Salman, welche auch keine Nachfahren der Ahl al-Bait, aber deren treue Gefolgsleute gewesen sind. Wenn der initierte Novize die Ahl ul-Bait (a.s.) liebt, so reflektiert diese/r die Persönlichkeiten von Kamber und Salman-i Farsi. Andernfalls wenn jemand keine Liebe für die Ahl ul-Bait (a.s.) hegt, so ist diese Person gleichzustellen mit Yazid und Mervan, dessen Feindschaft zum Islam und der Familie des Propheten (s.a.a.) unumstritten sind. Solche Menschen sind Ungläubige und fasid (verdorben, schlecht). Ali Baba betonte die Liebe zu Ahl ul-Bait (a.s.) (tawalla) und die Abneigung zu deren Feinden (tabarra) unter religiösen Gesichtspunkten als absolut notwendig (wajib)[1].
Falls jemand Smypathie zu Yazid hegt, so ist dessen Rang der eines Häretiker (munafiq), Ungläubigen und Götzendiener (mushrik), Tyrann (zalim) und Mörder (qatil).
Ali Baba billigte nicht die Art der Initiierung anderer Sufi Orden, indem sie dem Novizen die Kalimat ut-Tawhid („Es gibt keinen Gott ausser Allah.“) aufsagen liess anstelle der Wichtigkeit des tawalla-tabarra. Denn laut Ali Baba kann sogar jede Mutter ihrem Kind das Rezitieren des Einheitsbekenntnisses lehren. Ein Murshid jedoch muss dem Murid während der Initiierung die Notwendigkeit des tawalla-tabarra deutlich darauf aufmerksam machen und diesen dem nach anweisen.

Giritli Ali Baba führte diese Ansicht zurück auf die Initiierung (Bay’at) der Sahabis durch den Propheten Muhammad (s.a.a.). In seinen Aufzeichnungen zitiert er Verse aus dem Qur’ân, um seine Ansicht zu begründen: „Wahrlich, diejenigen die dir huldigen – sie huldigen in der Tat nur Allah. Die Hand Allah’s ist über ihren Händen. Und wer daher den Eid bricht, bricht ihn nur zum eigenen Schaden. Dem aber, der das hält, wozu er sich Allah gegenüber verpflichtet hat, wird Er einen grossen Lohn geben.“ „Allah ist wohl zufrieden mit den Gläubigen, weil sie dir unter dem Baum Treue gelobten; und Er wusste, was in ihren Herzen war, dann sandte Er Ruhe auf sie hinab und belohnte sie mit einem Sieg.“ (48. Sure Fath, Verse 10 und 18)Giritli erwähnte, dass jener „Baum“ (Ridwan) der Olivenbaum sei, welcher weder vom Osten noch vom Westen ist. Es ist der Baum der Menschlichkeit Shajarat ul-Insaniyyah.
Der Treueeid, welches dem Propheten (s.a.a.) (und somit dem Murshid) gegeben wurde, ist der erste Schritt zur Vollkommung des menschlichen Wesen. Der Murid muss sich dem Murshid bedingungslos ergeben. Giritli Baba unterstreicht die Wichtigkeit der Aussagen des Murshid, welcher genau so wie der Prophet (s.a.a.) nicht aus eigener Laune sondern durch göttliche Fügung spricht, indem er folgenden Vers aus dem Qur’ân heranzieht:
„Beim Stern, wenn er heruntersaust! Euer Gefährte (Muhammad) ist weder verwirrt, noch ist er im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Vielmehr ist es eine Offenbarung, die (ihm) eingegeben wird. (53. Sure Nadschm, Verse 1-4)

In seiner Methodik veranschaulicht er die äusserste Wichtigkeit und Grösse eines Murshid. Den richtigen Meister gefunden zu haben und diesem Gehorsam zu leisten, ist weit aus bedeutender als die Rechte der Eltern zu wahren. Falls eine Person nur den religiösen Sitten der Eltern „von Haus aus“ folgt, so besteht die Gefahr eingeschränkt zu sein, wie ein Küken in einem Ei. Wenn jemand aus diesem Ei schlüpft und ein freier Vogel sein möchte, der muss sich „neue Eltern“ suchen, um von denen erzogen und angewiesen zu werden. Interessanterweise zitiert Giritli Baba ein Ausspruch von Jesus (a.s.): „Wahrhaftig, wenn jemand noch nicht wiedergeboren wurde, kann dieser nicht das Königreich Gottes sehen.“ Die Bektashi Initiierungszeremonie (Ikrar-i Jam) symbolisiert die Neugeburt[2].

Giritli Baba schreibt, dass der Prophet (s.a.a.) das Haupt bzw. der Anfang der Bektaschi silsilah ist (Kette der Initiierung und des Wissen um den mystischen Pfad). Als Beispiel gibt er ein Hadith ul-Qudsi, ein ausserkoranisches Wort Gottes: „Oh Muhammad! Wärest Du nicht gewesen, so hätte ich die Welt nicht erschaffen!“. Muhammad (s.a.a.) ist der „Liebling“ Gottes (Mahbûb-î Khudâ), der im Qur’ân als der Gepriesene und als Rahmat ul-Alameen erwähnt wird.

Verblüffenderweise verband Giritli Baba die ersten drei Kalifen in seine Auslegung der Mystik. Man nimmt an, dass er höchstwahrscheinlich gezwungenermassen Taqiyya (Verstellung) angewendet hat, um den Sunni Osmanen nachzugeben. Nachdem er die ersten drei Kalifen mit den Propheten Noah (a.s.), Musa (a.s.) und Jesus (a.s.) verglich, enthüllt er in Ali (a.s.) Adam’s (a.s.) Charakteristik als Erde, sprich Menschlichkeit[3].Während der Prophet Muhammad (s.a.a.) die seelische Manifestation Adam’s (a.s.) ist.

Selbstverständlich hat der Cousin des Propheten (s.a.a.) Ali bin Abu Talip (a.s.) einen partikulären Platz bei Giritli Ali Baba. Laut ihm, hat Allah (c.c.) selbst Hz.Ali (a.s.) als den Löwen Gottes auserchoren, und über ihn Verse gesandt.

Zudem zitiert er Ahadith und Qur’ân-Verse über die Tugenden Imam Ali’s (a.s.) bzw. Ahl al-Bait, wie z.B. „Lâ fata ila Ali! Lâ sayfa ila Dhû’l-Fiqar!“ (Es gibt keinen Tapferen als ’Ali, und kein besseres Schwert als das Zulfikar), oder das allbekannte „Tor zur Stadt des Wissens“, „Oh Ali! Deine Seele ist meine Seele, dein Fleisch ist mein Fleisch, und dein Blut ist auch mein Blut!“, und 33. Vers der Sure Ahzab: „Oh Ahl ul-Bait! Allah will nur jegliches übles von euch verschwinden lassen und euch stets in vollkommener Weise rein halten.“ Um den Anspruch der 12 Imame (a.s.) zu beweisen, zitiert er zahlreiche Ahadith, über die 12 Kalifen, die nach den Propheten (s.a.a.) kommen, oder wo er (s.a.a.) sogar die Namen der 12 Imame offen aufzählt, und den letzten Imam als den al-Mahdi (möge er bald erscheinen).

Erläuterungen:
[1]Siehe Qur’ân: Surah "asch-Schûrâ" (42): Vers 23

[2]Ein Gedicht von Edip Harabi (gest. 1917):
„Berzahten kurtuldum çıktım aradan,
Onyedi yaşında doğdum anadan,
Muhammed Ali Hilmi Dede Babadan,
Çok şükür hamd olsun geldim imkâne.”

Ungefähre Übersetzung:
Ich löste mich vom barzah (Zwischenwelt)
Mit 17 Jahren kam ich auf die Welt
Durch Muhammad Ali Hilmi Dedebaba
Gott sei Dank, bin ich nun in der Kontingenz!

[3]Hz. Ali’s Beiname lautet Abu Turab, Vater der Erde

Muhammed Ali Hilmi Dedebaba (1842-1907)

Muhammed (Mehmed) Ali Hilmi Dedebaba war einer der wichtigsten und namhaftesten Grossshayhs des 19. Jhd. in der Bektashitradition.
Mehmed Ali Hilmi wurde 1842 in dem Istanbuler Wohnviertel Sultanahmed geboren. Ali Hilmi’s Vater war Hafız Osman Nuri Efendi, welcher ein Prediger in der Sultanahmed Moschee in Istanbul gewesen ist, und seine Mutter war Hacı Emine Şerife Hanım. Hafız Osman erhielt den Nakshi Ijâzah von einem Bektashi Baba namens Seyyid Mustafa Baba Efendi der gleichzeitig in der Nakshibendi Khaniqa in Olukbayır (Çırçır) aufzufinden war.
Im selben Jahr liessen sich er und seine Gattin Hacı Emine Şerife Hanım von Hacı Hasan Baba aus Istanbul in den Bektashi Orden initiieren.
Ihr Sohn Mehmed Ali Hilmi war seit Kindesalter den Nakshibendi Orden bei Üsküdar (Balaban) verbunden. Er lernte das Religionsgesetz (Shari’a) und den Pfad der mystischen Lehre (Tariqa) auf recht hohem Niveau. Seine besondere Begabung schnell zu lernen, wurde für ihm zum grossen Vorteil. von Hacı Hasan Selanik-i Dedebaba zum Şahkulu Khaniqa in Istanbul gebracht, wurde er mit 15 Jahren ebenfalls wie seine Eltern von Hacı Hasan Baba in den Orden aufgenommen. Er durchwanderte die Stufen der Bektashiyya sehr zügig, und wurde bald mit 19 Jahren traditionell zum Derwisch initiiert. Nur ein Jahr später (1862), während der Zeit des Dedebaba Turabi Ali, erhielt er unter der Führung von Haci Mehmed Tahir Baba sein Ijâzah als „Baba“ (d.h. Shayh) und wurde als grade ein 21 jähriger junger Mann dem darauf folgendem Jahr dem Sahkulu Khaniqa als Vorsteher (Postnişin [1]) zugewiesen.
Dann im Jahre 1870 erhielt Mehmed Ali Hilmi sein „Khalifa Baba“ Ijâzah von Dedebaba Hacı Hasan im Pir-Evi unter der Leitung von Baba Mehmed Yesari. Zu dem Zeitpunkt war Muhammad Ali Hilmi Baba mal grade 28 Jahre alt gewesen, und hatte schon den Status eines Stellvertreters des Dedebaba! Damit ging er als der jüngste Khalifa Baba in die Geschichte des Bektashi Orden ein. Mit einem Vierzeiler beschrieb Ali Hilmi Dede seine Emotionen: „Allah’a hamd olsun ki devrimi tamamladım ve Pirim bağışı ile, ey Hilmi, dört kez anadan doğdum.“[2]
(„Gott sei Dank habe ich meinen Zyklus vollendet, und durch die Gnade meines Pir’s, oh Hilmi, wurde ich viermal geboren.“)
Die Eltern von Ali Hilmi, verstarben 1898 (Emine Hanım) und 1908 (Hafiz Osman).
Muhammad Ali Hilmi Dedebaba leistete 22 Jahre lang seinen Dienst als Postnişin [1] des Şahkulu Khaniqa und als Dedebaba. Er war ein Fachmann auf dem Gebiet der Koran-Exegese, Hadithwissenschaft, Theologie und in der Jurispudenz der Ja’fari Rechtsschule gewesen. Natürlich war er genauso ein grosser Sufi und Dichter. Er beherrschte fliessend arabisch, albanisch und die französische Sprache. Seine Dienste waren sehr wertvoll für die Bektashi Tradition gewesen, u.a. liess er vom Balkan bis Ägypten Bektashi Khaniqas restaurieren und setzte allein-gelassene Khaniqas wieder in Gang.
Einer seiner Novizen bzw. Murid war z.B. der bekannte Dichter Ahmed Edip Harabi gewesen, welcher über seine Initiierung durch Ali Hilmi Dede folgende Verse verfasste:
„Berzahten kurtuldum çıktım aradan,
Onyedi yaşında doğdum anadan,
Muhammed Ali Hilmi Dede Babadan,
Çok şükür hamd olsun geldim imkâne.”
(Ich löste mich vom barzah
Mit 17 Jahren kam ich auf die Welt
Durch Muhammad Ali Hilmi Dedebaba
Gott sei Dank, bin ich nun in der Kontingenz!)
Mehmed Ali Hilmi Dedebaba verstarb 1907, und wurde in Göztepe am „Hügel des Gözcü Baba“ bestattet.
Ahmed Mehdi Baba brachte 1908 einen sogenannten Diwan (Poesie Album) mit Gedichten und Ghazellen des Ali Hilmi Dedebaba heraus.
Hier ein paar Auszüge aus dem Diwan:
Ich sah in den Spiegel,
und erblickte ’Ali.
Richtete meine Blicke auf mein Selbst,
und erblickte ’Ali.
Mit Adam und Eva,
Mit der Sphäre und den Namen*
Mit dem Himmel und dem Semah
Ich erblickte ’Ali.
Er ist Jesus, der Ruhullah**
Er ist der Zufluchtsort für die Gläubigen,
Er ist der König im Dies- und Jenseits,
… und ich erblickte ’Ali.
*wahrscheinlich meinte Ali Hilmi Dedebaba jene Namen die Adam gelehrt wurden.
**Ruhullah = Geist Gottes
Erkenne Deine Fehler und sei vernünftig,
Lauer nicht auf die Fehler der anderen,
Betrachte die 73 Nationen*** mit gleichen Augen,
Gott hat sie erschaffen und geliebt, oh Herz sei nicht dagegen!
Sei nicht treulos und tratsche nicht,
Verletze niemandes Herz auf dieser Welt,
Irre Dich nicht, Besseres zu zerstören,
Lass warme Gefühle nicht zu Eis werden.
Verachte niemanden, seien es Kızılbaş oder Akbaş****,
Bringe Dich nicht selbst ins Feuer,
Schiebe Deine Fehler nicht auf andere,
Streue kein Salz in offene Wunden, oh Herz! [3]
***Nationen (Millet) = steht für alle Menschen; könnte aber auch die 73 Gruppen innerhalb des Islam symbolisieren
**** Kızılbaş = Rothaupt andere Bez. für Aleviten, Akbaş = Weisshaupt
Wir sind die Asketen Mustafa’s, die Anhänger Hussayn’s,
Wir sind die muhib² Murtaza’s, die Anhänger Hussayn’s,
Wir lassen uns opfern aus Liebe zu dem König der Märtyrer,
mögen unsere Seelen für Karbala hingegeben werden, wir sind die Anhänger Hussayn’s,
Was wäre doch wenn Feinde unsere Körper verletzen,
Berauscht von dem Wein, wir sind die gequälten Anhänger Hussayn’s,
Unsere Brust ist das Ziel für die verfluchten Pfeile der zâhida’s,
voller Kummer und voller Leid, wir sind die Anhänger Hussayn’s,
Unsere ehrenvolle Krone vorgetragen, zu Ehren der 5 Leute des Umhangs³,
Derwische der Tür des Wohlgefallen, wir sind die Anhänger Hussayn’s,
Hacı Bektaş-ı Veli ist unser Pir*, oh Hilmi Dede,
Wir sind die Dienstboten der Familie des Mantels**, wir sind die Anhänger Hussayn’s.
²muhib = Liebende, Treue
König der Märtyrer = Imam Hussayn (a.s.)
Zâhida = Feinde der Achlebait, Heuchler, Hinterhältige
³Ahl Kîsa = Achlebait (a.s.); die Krone (tâj’) ist im Sufi Orden ein Zeichen des titulierten Ranges und bezieht sich somit nicht auf Weltliches.
*Pir = Ordensgründer
**Âl-i abâ; die Achlebait (a.s.) im Koran 33:33
Quellen und Erläuterungen:
Muhammed Ali Hilmi Dedebaba Divanı
Şevki Koca
[1] Postnişin wörtl.: “Wer auf dem Fell sitzt”; damit ist der Vorsteher einer Tekke, Khaniqa (Dergâh) gemeint.
[2] Die erste Geburt ist die menschliche Geburt gewesen, die 2. Aufnahme in den Ordensweg; die dritte Geburt seine Ijazah als Baba, die Stufe des Khalifa Baba symbolisiert die vierte Geburt.
[3] Übersetzung aus: Ali Duran Gülçiçek, „Der Weg der Aleviten (Bektaschiten), S. 180, Vlg: Ethnographia Anatolica