Giritli Ali Resmi Baba’s Ansicht über die Einheit des Seins
(Wahdat al-Wujud)
Giritli nahm auf eine leidenschaftliche Art und Weise das Konzept des Wahdat al-Wujud an. In seinen Werken machte er sich zum Verständnis der Einheitstheorie vom Spiegel als Beispiel gebrauch. Die Schöpfung ist nichts anderes als die Reflexion Gottes bzw. Emanationen (tajjaliyat). Überdies schrieb er, dass der Prophet Muhammad (s.a.a.) eine wichtige Komponente dieser Reflektionen ist. Zur Erläuterung überliefert er eine Geschichte:
„Eines Tages fragte der Prophet (s.a.a.) den Erzengel Gabriel: „Oh mein Bruder Gabriel! Hast Du Denjenigen gesehen, der Dir die Verse übergibt, die Er mir offenbart?“ Gabriel antwortete: „Es kommt zu mir hinter einem smaragdgrünem Vorhang. Mehr weiss ich nicht.“ Der Prophet entgegnete: „Bei der nächsten Offenbarung, hebe den Vorhang hoch.“ Als später bei der nächsten Offenbarung Gabriel den Vorhang hob sah er Muhammad’s (s.a.a.) Antlitz. „Es ist Muhammad, welcher die Offenbarungen an Muhammad gibt.“ Gabriel erkannte den hohen Grad des Propheten (s.a.a.), und schwieg für immer.“
Laut Giritli ist dies ein innerer batini Zustand, obwohl der äusseren Erscheinung (zahir) nach Hz.Muhammad (s.a.a.) die Offenbarungen Gottes weitergegeben wurden. Er rechtfertigte dies mit diesem Vers: „Der Allerbarmer. Er hat den Qur’ân gelehrt. Er hat den Menschen erschaffen. Er hat ihm das deutliche Reden beigebracht.“ (55. Sure Rahman, Verse 1-4)Als die Ungläubigen den Propheten (s.a.a.) fragten, wer die Verse herabsandt, so antwortete dieser (s.a.a.) mit „Allah!“. Dann fragten sie, ob der Qur’ân in Form von Tönen oder Buchstaben herab gesandt wird. Daraufhin antwortete der Prophet Hz. Muhammad (s.a.a.): „Allah erschuf die Menschheit, um den Qur’ân zu deuten. Das Antlitz Adam’s (sprich: Güte) ist ein Attribut Gottes (sprich: ar-Rahman, der Allerbarmer). Menschen unterscheiden sich durch andere Geschöpfe in ihrer Natur. In Wirklichkeit (zahir) sind der Qur’ân und der Mensch Zwillinge. „Oh Allah! Lehre mir den Qur’ân, welches im Antlitze Adam’s manifestiert wurde.“ So Giritli Ali Baba in einem seiner Bittgebete.[4]
Giritli Ali Baba’s Ansichten bezüglich dem menschlichem Wesen

Ein anderes wesentliches Merkmal ist der Bezug auf die Natur der Menschheit (sprich: Adam). Es ist aus dem Qur’ân bekannt, dass Allah, der Allerbarmer, in der Zeit des Bezm-i Ezel, in der Periode als Adam erschaffen und der göttliche Atem eingehaucht wurde, den Engel befahl vor Adam die Niederwerfung (Sujud) zu vollbringen. Giritli schrieb, dass diese Niederwerfung nicht Adam sondern alleine Allah galt.[5]
Er beschreibt das menschliche Wesen nicht nur als Adam: „Obwohl das Antlitz von Eva aus 28 Buchstaben besteht, da sie die Attribute (sifat) darstellt, sind die beiden in ihrer Essenz (dhat) gleich.“ Adam ist die Enthüllung 32 Buchstaben, und Eva 28 Buchstaben.[6]
Giritli sagt, dass Adam die Essenz, während Eva die Attribute darstellt. Adam kann also nicht ohne Eva existieren, und umgekehrt auch nicht. Daraus impliziert der Gedanke, dass das Universum ohne die Beiden nicht existieren kann. Alles ist ein Spiegel zu dem Gegenüber.[7]
Ali Resmi Baba zitierte sowohl ein ausserkoranisches göttliches Wort „Ich war ein verborgener Schatz, und wollte erkannt werden, deshalb schuf ich die Welt.“ Als auch ein Hadith des Propheten (s.a.a.): „Die Gläubigen sind einander ein Spiegel.“[8]
Somit schreibt der Baba aus Kreta, dass „Adam der Spiegel de Wahrheit (Haqq) ist.“ Wenn jemand seine wahre Identität erkennen möchte, so schaut dieser in den Spiegel. Wenn man in den Spiegel schaut, erkennt man sich als Adam. Wenn man jedoch keinen Spiegel hat, was geschieht dann? Zum Verständnis: der Spiegel ist wie ein Merkmal, Attribut (sifat) und dein Körper die Essenz (dhat). Einen Spiegel darzustellen ist eine verborgene Weisheit. Dieses Geheimnis (sirr) ist parallel zum Ausdruck „al-waladu sirri abihi“[9](dt.: das Kind ist das Geheimnis des Vaters). Dieses Geheimnis wird aus deinem Dasein ersichtlich. Sifat und dhat sind e i n s. Der Qur’ân und Adam sind eins.[10] Haqq und Adam sind eins. Wenn Adam nicht erschaffen wäre, so würde Haqq unerkannt bleiben. Und falls Haqq nicht existiere, wie würde Adam erschaffen werden? Wenn es kein sifat gibt, wie kann es dem dhat bewusst werden, dass es haqq ist? Wenn dhat nicht existiert, wie kann sifat dem dhat ein Bewusstsein geben? Falls der Spiegel nicht existierte, so würde alles schweigen und Adam wäre stumm geblieben.“[11]
Giritli Ali Baba beschreibt weiterhin, dass Adam ein Resultat der Erschaffung ist, und die Erschaffung nur Adam wegen existiert (da der Mensch laut Koran der edelste Geschöpf ist). Sowohl Adam als auch die Schöpfung existieren wegen dem Willen Gottes. In einer Gazelle schreibt er:
Er beschreibt das menschliche Wesen nicht nur als Adam: „Obwohl das Antlitz von Eva aus 28 Buchstaben besteht, da sie die Attribute (sifat) darstellt, sind die beiden in ihrer Essenz (dhat) gleich.“ Adam ist die Enthüllung 32 Buchstaben, und Eva 28 Buchstaben.[6]
Giritli sagt, dass Adam die Essenz, während Eva die Attribute darstellt. Adam kann also nicht ohne Eva existieren, und umgekehrt auch nicht. Daraus impliziert der Gedanke, dass das Universum ohne die Beiden nicht existieren kann. Alles ist ein Spiegel zu dem Gegenüber.[7]
Ali Resmi Baba zitierte sowohl ein ausserkoranisches göttliches Wort „Ich war ein verborgener Schatz, und wollte erkannt werden, deshalb schuf ich die Welt.“ Als auch ein Hadith des Propheten (s.a.a.): „Die Gläubigen sind einander ein Spiegel.“[8]
Somit schreibt der Baba aus Kreta, dass „Adam der Spiegel de Wahrheit (Haqq) ist.“ Wenn jemand seine wahre Identität erkennen möchte, so schaut dieser in den Spiegel. Wenn man in den Spiegel schaut, erkennt man sich als Adam. Wenn man jedoch keinen Spiegel hat, was geschieht dann? Zum Verständnis: der Spiegel ist wie ein Merkmal, Attribut (sifat) und dein Körper die Essenz (dhat). Einen Spiegel darzustellen ist eine verborgene Weisheit. Dieses Geheimnis (sirr) ist parallel zum Ausdruck „al-waladu sirri abihi“[9](dt.: das Kind ist das Geheimnis des Vaters). Dieses Geheimnis wird aus deinem Dasein ersichtlich. Sifat und dhat sind e i n s. Der Qur’ân und Adam sind eins.[10] Haqq und Adam sind eins. Wenn Adam nicht erschaffen wäre, so würde Haqq unerkannt bleiben. Und falls Haqq nicht existiere, wie würde Adam erschaffen werden? Wenn es kein sifat gibt, wie kann es dem dhat bewusst werden, dass es haqq ist? Wenn dhat nicht existiert, wie kann sifat dem dhat ein Bewusstsein geben? Falls der Spiegel nicht existierte, so würde alles schweigen und Adam wäre stumm geblieben.“[11]
Giritli Ali Baba beschreibt weiterhin, dass Adam ein Resultat der Erschaffung ist, und die Erschaffung nur Adam wegen existiert (da der Mensch laut Koran der edelste Geschöpf ist). Sowohl Adam als auch die Schöpfung existieren wegen dem Willen Gottes. In einer Gazelle schreibt er:
Die Manifestation der Attribute und Essenz,
sind in der Schöpfung und Adam gefunden wurden,
Zu gewissen Zeiten ist Adam die Schöpfung, und die Schöpfung ist Adam,
Die Wahrheit hielt ihre Herrschaft über die Schöpfung auf solche Weise aufrecht,
Ohne die Schöpfung kann Adam nicht existieren,
Und ohne Adam würde es keine Schöpfung geben.
sind in der Schöpfung und Adam gefunden wurden,
Zu gewissen Zeiten ist Adam die Schöpfung, und die Schöpfung ist Adam,
Die Wahrheit hielt ihre Herrschaft über die Schöpfung auf solche Weise aufrecht,
Ohne die Schöpfung kann Adam nicht existieren,
Und ohne Adam würde es keine Schöpfung geben.
Giritli vereinfacht seine Erklärungsweise bezüglich wahdat al-wujud in einer klaren Allegorie: „Falls ein Mensch behauptet, fähig zu sein, die Sonne zu sehen, obwohl dieser eigentlich nur die Sonnenstrahlen sieht, dann hat dieser die Sonne tatsächlich niemals gesehen.“ Die Enthüllung (tajalli) Gottes zu sehen, ist also genauso zu verstehen.
______________________________________
[4]„Hakk kendini halka bildirmek için, İnsanı kendine timsal eyledi, Kur’ân-ı Nâtıkın tefsiri için, Kur’ân-ı samiti irsâl eyledi.“ (Edip Harabi)
Ungefähre Übersetzung: „Damit Haqq sich der Menschheit offenbaren konnte, erschuf Er den Menschen als Sein Sinnbild. Um den stillen Qur’ân erläutern zu können, sandte Er den sprechenden Qur’ân (den Menschen/ Khalifa).“
[5]Da es sonst eine Form von „Shirk“ wäre.
[6]Adam ist also Eva um vier Buchstaben „überlegen“. Diese sind die persischen vier Buchstaben Pa, Tscha, Ya und Ka, welche nicht im arabischen Alphabet (28 Buchstaben) vorkommen. Diese 28 Buchstaben sind heilig, und jede einzelne hat sich im Menschen manifestiert. Jene 28 Buchstaben nennt man „Kelime-i Muhammedi“, während die 32 Buchstaben laut den Hurufi’s „Kelime-i Adem“ entsprechen. Ausserdem stehen die vier gesonderten Buchstaben u.a. für die vier Torwege (4 Kapı) und für die vier Elemente. Der Mann erhält die vier Buchstaben (also insg. 32) und somit die Aufgabe ein Murshid-i Kamil werden zu können, was aber nicht bedeutet, dass die Frau kein vollkommener Mensch werden kann.
[7]Deswegen nehmen Mann und Frau als „Can“ (sprich: Dschan) in einem Cem teil, und bilden während des Gottesdienstes einen Kreis. Siehe dazu Qur’ân 2. Sure: Vers 115.
Edip Harabi schrieb mehrere Gedichte im Namen einiger Bektashi-Frauen, um diese vor „machobehafteten“ Männern in Schutz zu nehmen. Siehe Edip Harabi Divanı, S. 30 und S.103, Ayyıldız Yayınları
[8]„al-mu’min mir’ât al-mu’min“. Ibn-i ’Arabi schreibt in seinem “Lubb ul-Lubb”, dass der erste Partikel im Hadith “mu’min” der vollkommene Mensch ist, während der zweite „al-mu’min“ Gott selbst. Denn „al-Mu’min“ (der Gläubige) ist ein Name Gottes. Zwischen Seinen Namen/Attributen (sifat) und Seinem Wesen (dhat) gibt es keinen Unterschied. Somit ist der Insan-i Kamil eine Reflexion der Einen Wirklichkeit.
[9]Der Novize, der in eine Gruppe eingetreten ist, wird „wie der Sohn des Shaikhs“; er wird als Teil von ihm betrachtet, denn nach der Tradition ist „der Sohn Teil des Vaters“. Der Shaikh hilft ihm, ein echtes „Herz“ zu gebären und nährt ihn gleich einer Mutter mit geistiger Milch, wie oft gesagt wird.
[10]„Der Mensch und der Qur’ân sind Zwillinge“ (Hadith)
[11]Hacı Bektaş-i Veli erläutert dieses Geheimnis wie folgt: „Gott erwähnt die Existenz aller möglichen Dinge (Objekte) im Qur’ân. …
Das Wissen des Qur’ân möge in Dir bleiben, so dass Du aber nicht aussen vor (ausserhalb des Qur’ân) bleibest. Oder möge der Qur’ân nicht aussen vor Dir bleiben. Möge der Anspruch vollkommen sein, und die Pflichten des Qur’ân’s einhalten.
Iblis hielt sich nicht am Befehl Gottes und wurde somit verflucht. Das Wissen war zwar in Iblis, aber er selbst ist aussen vor geblieben.“ Makalat S. 27, Emek Basımevi (1954), Sefer Aytekin (Ankara)
______________________________________
[4]„Hakk kendini halka bildirmek için, İnsanı kendine timsal eyledi, Kur’ân-ı Nâtıkın tefsiri için, Kur’ân-ı samiti irsâl eyledi.“ (Edip Harabi)
Ungefähre Übersetzung: „Damit Haqq sich der Menschheit offenbaren konnte, erschuf Er den Menschen als Sein Sinnbild. Um den stillen Qur’ân erläutern zu können, sandte Er den sprechenden Qur’ân (den Menschen/ Khalifa).“
[5]Da es sonst eine Form von „Shirk“ wäre.
[6]Adam ist also Eva um vier Buchstaben „überlegen“. Diese sind die persischen vier Buchstaben Pa, Tscha, Ya und Ka, welche nicht im arabischen Alphabet (28 Buchstaben) vorkommen. Diese 28 Buchstaben sind heilig, und jede einzelne hat sich im Menschen manifestiert. Jene 28 Buchstaben nennt man „Kelime-i Muhammedi“, während die 32 Buchstaben laut den Hurufi’s „Kelime-i Adem“ entsprechen. Ausserdem stehen die vier gesonderten Buchstaben u.a. für die vier Torwege (4 Kapı) und für die vier Elemente. Der Mann erhält die vier Buchstaben (also insg. 32) und somit die Aufgabe ein Murshid-i Kamil werden zu können, was aber nicht bedeutet, dass die Frau kein vollkommener Mensch werden kann.
[7]Deswegen nehmen Mann und Frau als „Can“ (sprich: Dschan) in einem Cem teil, und bilden während des Gottesdienstes einen Kreis. Siehe dazu Qur’ân 2. Sure: Vers 115.
Edip Harabi schrieb mehrere Gedichte im Namen einiger Bektashi-Frauen, um diese vor „machobehafteten“ Männern in Schutz zu nehmen. Siehe Edip Harabi Divanı, S. 30 und S.103, Ayyıldız Yayınları
[8]„al-mu’min mir’ât al-mu’min“. Ibn-i ’Arabi schreibt in seinem “Lubb ul-Lubb”, dass der erste Partikel im Hadith “mu’min” der vollkommene Mensch ist, während der zweite „al-mu’min“ Gott selbst. Denn „al-Mu’min“ (der Gläubige) ist ein Name Gottes. Zwischen Seinen Namen/Attributen (sifat) und Seinem Wesen (dhat) gibt es keinen Unterschied. Somit ist der Insan-i Kamil eine Reflexion der Einen Wirklichkeit.
[9]Der Novize, der in eine Gruppe eingetreten ist, wird „wie der Sohn des Shaikhs“; er wird als Teil von ihm betrachtet, denn nach der Tradition ist „der Sohn Teil des Vaters“. Der Shaikh hilft ihm, ein echtes „Herz“ zu gebären und nährt ihn gleich einer Mutter mit geistiger Milch, wie oft gesagt wird.
[10]„Der Mensch und der Qur’ân sind Zwillinge“ (Hadith)
[11]Hacı Bektaş-i Veli erläutert dieses Geheimnis wie folgt: „Gott erwähnt die Existenz aller möglichen Dinge (Objekte) im Qur’ân. …
Das Wissen des Qur’ân möge in Dir bleiben, so dass Du aber nicht aussen vor (ausserhalb des Qur’ân) bleibest. Oder möge der Qur’ân nicht aussen vor Dir bleiben. Möge der Anspruch vollkommen sein, und die Pflichten des Qur’ân’s einhalten.
Iblis hielt sich nicht am Befehl Gottes und wurde somit verflucht. Das Wissen war zwar in Iblis, aber er selbst ist aussen vor geblieben.“ Makalat S. 27, Emek Basımevi (1954), Sefer Aytekin (Ankara)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen