Die 7 großen Dichter im Alevitentum

Die sieben großen Volksdichter (tr.: yedi ulu Ozan) der Aleviten sind:

Yunus Emre

Hat zwischen den 13. und 14. Jhd. gelebt. Er stammte aus
Sarıköy welches in der Provinz Sivrihisar liegt. Er war ein Zeitgenosse
von Haci Bektas Veli gewesen. Der Legende nach sollen diese sich sogar
getroffen haben. Haci Bektas schickte Yunus Emre zu Tapduk Emre,
welcher sein Meister werden sollte.
Den Überlieferungen zu Folge, sollen Yunus und seine Gefolgsleute der
Gruppe der „Babalılar“ angehört haben.
Da „Babalılar“ in ihren Grundzügen dem Bektaschitentum ähnelt, ist es
nicht verkehrt Yunus Emre zu den Bektaschi
Dichtern zu zählen.
Yunus ist der erste mystische Volksdichter in der türkischen Tradition.
Auch wenn vor ihm schon türkische
mystische Poesie verfasst wurden, so sind die von Yunus Emre doch
eher singbare mystische Lieder, die vor allem bei den Bektaschiten
und Aleviten grosse Resonanz finden.
Da es in der Geschichte Verse gibt, die verschiedene
„Yunus’“ wie z.B. Aşık Yunus, Derviş Yunus, Yunus etc. aufzeigen,
weiss man letzendlich nicht, welche tatsächlich dem Yunus Emre
gehören und welche nicht.
Yunus Emre verstarb 1320-1321 und wurde in Sarıköy beerdigt.
 
Nesimi
Nesimi (hingerichtet 1405) gehörte dem Orden der Hurufis an.
Der Westen vergleicht den Hurufi Orden gerne
mit der Kabbala. Er wird wie Yunus Emre zu den sieben hochverehrten
Dichter (tr.: Yedi Ulu Ozan) gezählt.
Seyid Imamettin Nesimi zog den Zorn der Orthodoxie auf sich, indem
er mit seinen Versen den umstrittenen
Ausspruch des Mystiker’s Hallac-ı Mansur „Ene’l Hak!“ (dt.: „Ich bin
die Absolute Wahrheit!“) wieder von Neuem
verkündete. U.a. wegen solchen Versen und seinen Hang und
Bekenntnis zu Fazlullah Astarabadi (dem Gründer der
Hurufi Ordens), wurde er von der Orthodxie als Häretiker verurteilt,
und in Aleppo grausam hingerichtet.
 
Fuzuli
Fuzulî zählt zu den sieben grossen Dichtern des Alevitentums.
Sein tatsächlicher Name ist Mehmet.
Über seine Geburt- und Todesdaten existieren verschiedene Angaben.
Zum einen soll er 1504 in Kerkük auf die
Welt gekommen sein, zum anderen 1480 in Musul. Die weit verbreitete
Vorstellung lautet aber, dass er 1495 in
Bagdad (Irak) das Licht der Welt erblickte. Man nimmt an, dass er
1556 in Kerbela aus dem Leben verschied.
Andere behaupten, dass er in Baku (Azerbaidschan) beerdigt wurde.
Auch in Baku gibt’s eine Statue von Fuzulî. 
Dieser Dichter hatte seinen Dienst bei Necef (Irak), im Mausoleum
Hz. Ali’s und in Kerbela im Mausoleum des
Imam Huseyin geleistet. Einer seiner wichtigsten und immer noch
in alevitischen und bektaschitischen Kreisen
gelesene Buch, ist das „Hadiqatus-Saadiye“ (tr.: Saadetlere
ermislerin Bahcesi). Es beinhaltet vor allem Dingen das
Märtyrium von Imam Huseyin bei Kerbela.

Şah Hatayi
Erblickte um 1486-87 die Welt. Sein bürgerlicher Name
ist Ismail gewesen. Er stammt von Şeyh İshak
Safiyyeddin ab, welcher im 13.-14. Jhd. die Orden der Halvetiye und
Kalenderiye fusionierte und den Orden der
Safeviyye-Erdebîliyye gründete. In jungen Jahren schaffte es Ismail,
verschiedene schiitische Clans Azerbaidschans
um sich zu scharen, und einen gewissen Teil des vorderen Orient
(Azerbaidschan, Irak) eroberte. Seine Stellvertreter
waren in Anatolien zahlreich anwesend, so dass die Aleviten eine
gewisse Beziehung zu Şah Ismail aufgebaut haben.
Heutzutage jedoch nehmen Aleviten und Bektaschiten die dichtersiche
Person des Ismail, nämlich Şah Hatayi, wahr.
Şah Hatayi verstarb 1524 in Erdebil (heutiges Iran).
 
Kul Himmet

Ist ein Derwisch von Pir Sultan Abdal gewesen, und lebte
in 17. Jhd. Er zählt ebenfalls zu den sieben
Dichtern der Aleviten. Er soll in der Provinz Tokat gelebt und dort ebenfalls
verstorben sein. Unter den unzähligen
Deyiş’s der Aleviten soll ein Dichter namens Kul Himmet Üstadım
vorhanden sein. Dieser Dichter heisst in
Wirklichkeit Sivaslı İbrahim, und darf nicht mit Kul Himmet verwechselt
werden. Sivaslı İbrahim hat aus seiner
Bewunderung gegenüber Kul Himmet dessen Synonym mit Erweiterung
des „Üstadım“, welches soviel wie „mein
Meister“ bedeutet, übernommen.
 
Virânî

Laut den Überlieferungen der Bektaschiten soll Virânî in Necef (Irak)
in einem Bektaschi Konvent der
Vorsteher gewesen sein. Man sagt ihm eine Verbindung mit Şah Abbas
(Amtszeit: 1587-1628) nach. Virânî spricht
in seine Versen über göttliche Attribute des Imam Ali offen aus. Auch wenn
er selbst in seinen Gedichten davon
spricht, ein Nusayri zu sei, so ist dieser Begriff nicht auf den Gründer der
Nusayri Orden al-Nusayir zurückzuführen,
sondern auf eine andere Begebenheit, die hier nicht weiter aufgeführt wird.
Über Virânî existiert ein sogenannter
Divan (Gedichtsbuch) und ein schriftliche Abhandlung (tr.: Risâle), welche
hurufitische Elemente aufweist.
 
Yeminî

Über sein Leben ist nicht allzu viel bekannt. Er hat im 16. Jhd. gelebt.
Sein tatsächlicher sei Ali.
Da er in dem Konvent von einem gewissen Akyazılı İbrahim Dede seinen
Dienst geleistet hat, soll er dort sein Synonym „Yeminî“ erhalten haben.
Das „Faziletname“ (dt. Das Buch der Tugenden) soll von ihm um 1519
verfasst worden sein. Es beinhaltet die Tugenden von Hz. Ali.
Andere Dichter ausser den „Grossen Sieben“:
Kaygusuz Abdal

Ein Volksdichter der dem Bektaschi Orden angehörte.
Er stammt von einer angesehen
reichen Familie aus Antalya ab und lebte im 15. Jhd. Der Legende nach soll
der junge Adelssohn Gaybi
(Kaygusuz’ eigentlicher Name) auf der Jagd nach Freiwild im Wald eine
Ghazelle mit einem Pfeil verwundet haben.
Der verwundeten Ghazelle auf der Spur führte der Weg ihn in ein Sufi Konvent,
wo er den leicht verletzten
Meister -und gleichzeitigen Schüler Haci Bektas Veli’s- Abdal Musa antrifft.
Als er die Wundertat (tr.: keramet)
des Abdal Musa erkannte (nämlich, dass Abdal Musa die verwundete Ghazelle
sebst gewesen ist), fiel Gaybi vor d
essen Füsse und wurde zu seinem Derwisch. Er erhielt den Namen Kaygusuz
Abdal, unter diesen Synonym er
mannigfaltige Gedichte verfasste. Seine bekanntesten sind die sogenannten
„Tekerleme“ (dt.: Unsinnspoesie),
die meist grobe Verspottungen beinhalten. Auch wenn „kaygusuz“ ein
mögliches Deckwort für Haschisch ist, so
sei Vorsicht geboten, wegen Termina wie „Esrar“, was der arab. Plural von
„Sır“ (dt.: Geheimnis) ist, dem
höchstinteressanten und gelehrten Wanderderwisch Kaygusuz Abdal eine
ominöse Charaktereigenschaft
zuzuschreiben.
 
Muhammed Ali Hilmi Dedebaba
Mehmed Ali Hilmi wurde 1842 in dem Istanbuler Wohnviertel Sultanahmed geboren. Bevor er mit 15 Jahren ebenfalls wie seine Eltern von Hacı Hasan Baba in den Bektaschi Orden aufgenommen wurde, war er dem Nakschibendis bei Üsküdar (Balaban) verbunden. Er durchschritt die mystischen Stufen zügig, worauf er mit 21 Jahren zum Postnişin, d.h. Vorsteher, des Şahkulu Dergahı ernannt wurde. Mit 28 Jahren ging Ali Hilmi als jüngster Halifebaba in die Bektaschi Geschichte ein. Jahre später wurde er letztendlich Dedebaba. Unter seinen Novizen war der bekannte und umstrittene Edip Harabi. 1907 verstarb Muhammed Ali Hilmi Dedebaba, und wurde bei Göztepe beigesetzt. Ein Jahr später veröffentlichte Ahmed Mehdi Baba ein Diwan mit Ali Hilmi’s Poesie. Ali Hilmi Dedebaba gehört der berühmte Ausspruch, alle 72 Nationen mit einem Auge zu betrachten:
„Erkenne Deine Fehler und sei vernünftig, Lauer nicht auf die Fehler der anderen,
Betrachte die 72 Nationen mit gleichen Augen, Gott hat sie erschaffen und geliebt, oh Herz sei nicht dagegen!“
Edip Harabi

Edip Harabi ist ein bekannter Bektaschi Derwisch gewesen (1853-1917). Der in Istanbul geborene Mehmet Edip hat mit 17 Jahren vor dem damaligen Oberhaupt des Bektaschi Orden Dedebaba Muhammed Ali Hilmi sein Gelübde abgelegt, und ist somit von seiner vorigen sunnitisch-hanefitischen Rechtsschule in den Bektaschi Orden übergetreten, welches er in seinen Gedichten als “Wiedererweckung für das Göttliche” beschreibt.

Keine Kommentare: