Warum Bektaschi? - Teil 1 [Sinn des Lebens]

Viel weiss man über die Derwische des Bektaschi Ordens nicht. Ausser, dass jene sich von anderen "gewöhnlichen" sunnitischen Asketen unterscheiden. Vieles wird nachgesagt: Auf der einen Seite etwas Schamanistisches, auf der anderen Seite etwas Freimaurerhaftes. Vieles wurde aber auch (seitens der Bektaschi's) gesagt, wenig wurde verstanden.
Als ein Aussenstehender könnte man vielleicht erstmal folgende Punkte festhalten:
Bektaschi's sind:
  • keine Sunniten
  • ein mystischer Orden
  • ein islamischer Orden
  • schiitische Derwische
  • sehr eng mit den Aleviten verbunden
  • Freigeister
  • ...
Und weiter? Oft wird man gefragt: "Was sind denn eure Ziele?", "Was macht Ihr?", "Worauf gründet Ihr?" etc. pp. Berechtigte Fragen sicherlich, doch wie antwortet man darauf, dass man nicht gleich abgewiesen wird, weil man sich zu "phantasievoll" ausdrückt?

Eigentlich kommen obige Fragen zustande, weil die klassische Frage in jedem von uns inneliegt:
Was ist der Sinn des Lebens?

Als Bektaschi würde man -durch das "Auge Gottes"- mit einem Qur'ân Vers antworten: "Ich (Gott) habe die Engelswesen und Menschen erschaffen, damit diese mir dienen." [Sure Zariyat:56]

So möge dieser edle Vers erstmal stehen. Wir möchten kurz ein Intermezzo eröffnen, und werden dann wieder weiter fortfahren:
Das Islamverständnis unterscheidet sich -wenn das so gesagt werden darf- in der äußeren Lehre und in der inneren Lehre. Erstere könnte man als Buchstabenreligion definieren, dessen extremste Form die Wahabiten bilden, welche man getrost als Pest diagnostizieren kann, die der Islam leider über sich ertragen muss. Solch eine Praxis einer Buchstabenreligion endet in dem (Irr-)Glauben, dass Gott an einem Ort existiert und menschenähnliche Züge besitzt. [Es ist nicht Gott, welcher menschlich ist. Es ist aber der Mensch, der göttlich ist; aber dennoch nicht Gott ist.]
Die Anhänger der inneren Lehre -sofern dies ein gerchtfertigter Titel ist- folgen nicht den Buchstaben als solche, sondern den Sinn, der sich hinter den Buchstaben stellt. Nicht umsonst werden Verse des edlen Qur'ân Ayat, also Zeichen genannt. Für die Mystiker sind diese Zeichen insofern wichtig, weil sie wegweisend sind. Es macht Sinn, in die Richtung zu schauen wohin z.B. ein Pfeil zeigt. Es macht aber wenig Sinn den Pfeil an sich sich anzuschauen.

Dementsprechend zurück zum erwähnten Vers: Mystiker erläutern jenen Vers über die Dienerschaft der Engelswesen und den Menschen im Zusammenhang mit einem Hadith Qudsi, also einem ausserqur'ânischem Wort Gottes: "Ich war ein verborgener Schatz und liebte es erkannt zu werden. Deshalb schuf ich den Menschen." (Kuntu kenzen mahfîyyen feahbebtü en u' refe fehalaktü'l halka leu'ref)
Dienerschaft bzw. Gottesdienst bedeutet (Selbst-)Erkenntnis. Gott lehrte Adam die Namen [Sure Bakara :31]. Adam erlangte als Wissender ('alim) einen höheren Grad als die Engel, welche Betende ('abid) waren. Adam wurde zum einen die Verantwortung und zum anderen die Ehre zuteil Träger göttlicher Namen zu sein. Sein Kalifat [Sure Bakara:30] ist durch seine Dienerschaft gekennzeichnet. Solch ein "Kalifatsamt" hat zur Folge, dass sogar die Engel sich vor dem Kalifen niederwerfen. Doch auch hier gilt die Niederwerfung dem feinstofflichen Urwesen Adams, welcher durch den göttlichen Odem gesegnet ist [Sure Sad:72]. Iblis weigerte sich sich vor Adam niederzuwerfen. Seine "Reaktion" (als Resultat des Analogieschlusses) ist auf die Verkennung der Wesenheit Adams zurückzuführen. Iblis hielt am äusseren Adam fest [Sure Sad:76].

Keine Kommentare: