Merkmale verschiedener Religionen, Konfessionen, Orden etc. sind unter anderem die Art und Weise der "Kontaktaufnahme" zu dem Höheren Sein, durch Welches sich eine religiöse Gruppe als legitimiert betrachtet.Während die Kontaktaufnahme vom Höheren Sein "von oben abwärts" erfolgt -d.h. aus der Sphäre des Unbenannten/Nichts- und den Menschen in der "Welt der Zeugnisse" erreicht, verläuft die Kontaktaufnahme des Menschen zu seinem Herrn in umgekehrter Reihenfolge: "von unten aufwärts". Während man erstere als Offenbarung (vahiy) oder Inspiration (ilham) bezeichnet, nimmt letztere die Stellung des (Bitt-)Gebets (dua) ein.
Obwohl Gebete und Rituale ort- und zeitbedingt sind, verhelfen diese doch dem Gläubigen "aus dem Exil in die Freiheit zu flüchten".
Daneben gibt es in der islamischen Mystik und allen voran im Alevitentum den Begriff des "immerwährenden Gebets", also "Es-Selâtu Daim".
Wir möchten hier kurz diesen Term etwas genauer unter die Lupe nehmen. Jener Begriff wird allzu oft verwendet; doch eine Praxis ist wirklick fragwürdig. Unserer bescheidenen Meinung und Erfahrung nach, wird diese Bezeichnung des "immerwährenden Begriffs" nicht zu ihrer gebührenden Weise vollständig erfasst. Dies führt zu falschen Schlussfolgerungen in Nahe zu allen Bereich des Lebens: die Veranwortung ggü. dem Schöpfer, der Dienst an die Menschlichkeit, die Wahrnehmung des Pfades etc. um nur einige zu nennen.
Die Mystik wird lückenhaft oder gar nicht verstanden, wenn man die "äussere Lehre" nicht versteht. Die äussere Lehre nicht zu praktizieren ist hingegen etwas anderes, als diese nicht zu verstehen oder gar abzulehnen.
Dennoch ist die Mystik in sich etwas Eigenständiges, dessen "Ursprung" im Unbedingten legt.. weit entfernt von der "Gesellschaft", ergo auch weit von Rechtsfragen, die zwar in der untersten Ebene der menschlichen Wahrnehmung von Nöten sind, aber letztendlich einen Schleier von Tausenden bilden können...
Das immerwährende Gebet wird fälschlicherweise als eine Gebetsart verstanden, die sich nicht z.B. auf fünf Tagesabschnitte beschränkt. Stattdessen wird es als ständiges 24Std-Rundum-Gebet bezeichnet.
Der Schein trügt.
Eine solche Verständnisweise, welches sich in Masseinheiten (Std.) und Dimensionen (Vierundzwanzig) ausdrückt, verfällt ebenfalls in Restriktionen und verliert dabei das sogenannte Ewigkeitsprädikat.
"Daimî" [dt.: immerwährend, ewig] ist eine Eigenschaft, die nur Gott angehört. Gott allein Selbst ist der Ewige, aus dem alles Sein hervorkommt. Das Salâtu Daim ist praktisch ein göttlicher Akt, den der Mensch aus eigener Kraft nicht vollbringen kann. Der Mensch ist ebenso nicht in der Lage Gott zu lieben, vielmehr ist es Gott Selbst der die Schöpfung liebt und der Liebe Willen überhaupt erschuf.
Al-Haqq al-Makhluq fi'l-l'tiqadat", d.h. der Gott, der in den Glaubenssätzen erschaffen wird (vgl.: Pir Vilayat Inayat Khan - "Erwachen", S. 31). So laut dem grossen Mystiker Ibn 'Arabi: Gott erschafft sich in unseren Gebeten neu. Zwar nicht mit Seinem Urwesen, jedoch mit Seinen Qualitäten.
Um es kurz nochmal zu wiederholen: Salâtu Daim ist ein göttlicher Akt, an dem Menschen teilhaben sollen.
Da dieser Akt eine "Form" ist, die über Zeit und Raum steht, kann z.B. eine pantheistische Sichtweise die oben erwähnten Gedanken nciht stützen. Denn der Pantheismus reduziert Gott auf die materielle und trügerische Ebene des Bewusstseins. Sie macht den Ewigen abhängig vom Geschaffenen.
Dabei... kann das Universum nicht Gott sein, da das Universum mit allem was es beinhaltet höchstens den Anspruch erheben kann ein Scheintrug zu sein.
"Das Universum ist die sichtbare Gestalt Gottes." (Hacı Bektaş Veli [q.s.]) bedeutet, dass die Gestalt (arab.: sûret) nie das Original, sondern eher eine Kopie bzw. ein Zeichen darstellt, welches einen Verweis auf das Wesentliche gibt. "Gestalt" (sûret) ist die Plattform auf der sich die Namen Gottes manifestieren.
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