Möge der Frieden (as-Salâm) die Enthüllung Deines Lebens sein


Bismillahirrahmanirrahim…

Möge der Friede die Enthüllung Deines Lebens sein!

Werte Schwester, werter Bruder,

Ein Prophetenwort besagt, dass „der Gruß vor dem Worte kommt.“ Wieso ist das so wichtig? So möchte meine Nichtigkeit ein paar Gedanken dazu äußern. Dabei erhebt der Faqir gar keinen Anspruch auf Absolutheit, lediglich Gedanken sollen es sein. Nicht mehr, nicht weniger..

Der Gruß der Muslime lautet „as-Salâmu ’alaykum“, der Friede sei mit Dir. Dies ist die Formel, die der Muslime beim „Verorten“ eines anderen Muslims ausspricht.

Was ist hiermit gemeint? „Die Gläubigen sind einander ein Spiegel.“ sprach Muhammad (Friede und Segen sei mit ihm und seiner Ahl al-Bait) sinngemäß. Ein interessanter Ausspruch, welcher zum Denken anregt. Was hat jener Ausspruch mit der Einleitung bezüglich des Grußes zu tun?

Liebe Leserin, lieber Leser,

Die Erkenntnis unterliegt dem Prinzip des dhahir wa batin. Das Verborgene macht nur Sinn, wenn diese sich im Offenkundigen manifestiert. Mit der Gewissheit des Wortes (ilm al yaqin) hat es sich nicht getan, erst wenn das psychische ein physikalisches Abbild nimmt, und es für den Menschen greifbar erscheint, so macht das Verborgene durch das Medium des Offenkundigen einen Sinn.

Der Mensch erkennt G_tt, wenn er sich selbst erkannt hat. So laut einem Prophetenwort.

Jedoch,

fällt der Mensch in den Sumpf seines Ego’s ohne die Mittel dieser Selbsterkenntnis zu entdecken. Denn die Selbsterkenntnis erfolgt nur im Erkennen des Gegenüber. G_tt lässt niemals die Erdoberfläche ohne einen Beweis (Hujjah). Der Hujjah ist der vollkommene und von G_tt erwählte Mensch, Dessen Namen in ihm sich manifestiert haben, um andere Menschen rechtzuleiten.

Die Schöpfung lebt durch die Namen G_ttes. Anders ausgedrückt: alles unterliegt Reflexion der göttlichen Manifestationen, somit auch der Mensch. (Wir erinnern uns an das Prophetenwort bezüglich der Gläubigen und des Spiegels.) Was nutzen aber solche Realitäten, wenn „Mensch“ sie nicht sieht?

Nun,

um auf den Gruß des Islam’s, also der Unterwerfung oder Unterlegung, zurückzukommen: so erweckt es den Anschein, dass hier ein dualistischer Ansatz verfolgt wird (der Friede sei mit Dir). Jedoch ist der Friede nicht mit, sondern auf den Menschen. Das „auf“ erläutert keinen lokalen, sondern einen geistigen Zustand. Es ist also der „Friede, der auf Dir liegt“, oder…:

Es bist Du, welcher auf dem Frieden (salâm) basiert.

As-Salâm ist ein Name G_ttes. Die schönen Namen (Asma al-Husna) sind laut Imam Ali (der Friede sei mit ihm) nicht getrennt von G_tt. Bzw sind diese nicht verschieden von G_tt. Andernfalls verfällt Mensch in den Glauben des Polytheismus, wenn die göttlichen Namen verschieden von G_ttes Wesen betrachtet werden. Denn G_tt existiert nicht in Teilen. Und wenn nun also demnach auch der Name „Friede“ nicht von Ihm getrennt ist, sollte man glauben, dass Mensch auf G_tt gründet?

Ja!

Denn es war G_tt, welcher sich zu manifestieren wünschte, weil Er liebt(e). Er erschuf den Menschen nach seinem Bilde. Jedoch, wäre es fatal G_tt anthropomorphe Eigenschaften zuzuweisen. Denn wenn G_tt einem Geschöpf ähnelt, so müsste Er formbehaftet sein. Alles was formbehaftet ist, ist endlich. Alles was endlich ist, kann nicht G_tt sein. Denn es ist G_tt, welcher uns am Leben erhält. (da Er das Leben Selbst ist)

Dass der Mensch nach G_ttes Abbild erschaffen wurde, heißt nichts anderes, als dass der Mensch auf den Namen G_ttes basierend erschaffen wurde. Der Mensch ist beauftragt, die göttlichen Namen vorzubringen, sie zu bekunden und darzulegen. Im Qur’ân wird erwähnt, wie Adam die Namen G_ttes aufgetragen bzw. gelehrt wurden.

Und einer jener Bekundungen ist in der Formel „as-Salâmu alaykum!“ enthalten. Wer denkt, dass damit die Dualität angeblich betont wird, liegt im Irrtum! Denn: es ist, dass der Sagende sich selbst, und somit G_tt, durch den Antwortenden’ „wa alaykum Salâm!“ erkennt. Beide erinnern sich gegenseitig, dass der Name G_ttes „Salâm“ sich in ihnen manifestiert hat.

Somit wurde auch im Qur’ân gesagt, dass die Bewohner des Paradieses mit dem Wort „Friede!“ begrüßt werden. Wer sagt denn aber, dass das Paradies nicht längst „da“ ist? Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. (Lukas Evangelium, 17, 20-21) Auch in dem Hadith Buch „Uyun Ahbar ar-Ridha (a.s.)“ von Sheyh Saduq wird überliefert, wie Imam Ali Ridha (Friede sei mit ihm) die Frage um die Existenz des Paradies gestellt wird, weil eine innerislamische Gruppierung behauptete, dass das Paradies (und die Hölle) zwar wahrhaftig jedoch noch nicht erschaffen sind, antwortete der achte Imam: „Das Paradies existiert bereits! Und wer immer das negiert, ist nicht einer von uns!“

Wer den „Frieden“ erkennt, und ihn im enthüllten Zustand sieht, der ist ein Bewohner des Paradieses. Z. Bsp. ist es üblich im türkischen folgende Floskel zu erwähnen: „Yüzünü gören Cennetlik!“; auf deutsch hieße es ungefähr: „Wer Dich erblickt, hat das Himmelreich verdient/ ist im paradiesischem Zustand.“ So begegnet man Menschen, die man mag aber jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr getroffen hat. Wie schade es ist, dass mit solch wahrhaftigen Worten ein -wenn auch gut gemeint- Schelm betrieben wird.

Wie auch mit den Worten „Seni gören Hacı oluyor!“; auf deutsch: „Wer Dich erblickt ist ein Pilger!“ Auch das sagt man zu Freunden, die man vermisst hat, und sich freut diese endlich wieder zu treffen. Die wahre Bedeutung liegt in dieser (zum traurigerweise Witz avancierten) Floskel, dass der Mensch, welcher eine Synthese aus göttlichen Namen darstellt, ein Bauwerk G_ttes ist, welches zu erorten gilt. Wie viel Unrecht doch Bayazid Bistami seitens der Orthodoxie angetan wurde und immer noch wird, als sein dementsprechender Ausspruch „Lob sei mir!“ überhaupt nicht verstanden wurde.

Der Bektaschi hat den islamischen Gruß weiterhin konkretisiert, indem dieser „Hû Dost!“ spricht, sobald er einen seiner Weggeschwister antrifft. „Hû“ ist ein Name G_ttes, welches die Ipseität des Einen betont.

Liebe Schwester, lieber Bruder,

danke, dass Du einem nichtigem Faqir Gehör geschenkt und diese Zeilen gelesen hast.

Möge der Friede die Enthüllung Deines Lebens sein. Mögest Du im Paradies weilen!...

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